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Apple Quartalszahlen: Wer braucht schon das iPhone?

Apple legt Quartalszahlen vor und auch in Q3/19 bestätigt sich der Trend, der weg vom iPhone und hin zu mehr Services führt.

von Carsten Drees am 31. Juli 2019

Wenn wir wieder einmal über die Quartalszahlen von Apple sprechen, gleichen sich meistens die Erkenntnisse:

  • Ja, es ist tatsächlich schon wieder ein Vierteljahr rum
  • Es hat schon wieder mächtig in der Kasse des Unternehmens geklingelt
  • Services werden immer wichtiger

All das stimmt auch dieses Mal wieder, nachdem Apple die jüngsten Zahlen für das dritte fiskalische Quartal veröffentlicht hat. Der schon länger zu beobachtende Trend setzt sich konsequent fort, der da heißt: Die Services erwirtschaften Apple mehr und mehr Umsatz, das iPhone bleibt sehr wichtig, ist aber nicht mehr das einzige Produkt, welches dem Unternehmen seinen Fortbestand sichert.

Es ist noch nicht sonderlich lange her, dass das iPhone über 70 Prozent des Umsatzes ausmachte, spätestens mit diesem Quartal wird jeder anerkennen müssen, dass Apple nicht dieser alte Klepper ist, der nur einen einzigen Trick beherrscht. Aber werden wir konkret:

Apple Q3/2019 – Umsatz und Gewinn

Hier also die nackten, aber nicht weniger beeindruckenden Zahlen: Der Gewinn im dritten Quartal beläuft sich auf 10,04 Milliarden US-Dollar. Das bedeutet einen Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal von sieben Prozent und ist gleichzeitig der niedrigste Quartalsgewinn seit zwei Jahren.

Der Umsatz hingegen konnte leicht anziehen: 53,81 Milliarden US-Dollar vermeldet das Unternehmen aus Cupertino hier, gegenüber den 53,26 Milliarden im dritten Quartal 2018 ist das ein Hauch von einem Prozent mehr. Nüchtern betrachtet bedeutet das, dass die Gewinnmargen für Apple augenscheinlich kleiner werden, was damit zusammenhängen dürfte, dass schlicht weniger iPhones verkauft werden als sonst. Hier erst einmal die Quartalszahlen in unserer Übersicht, die die Ergebnisse seit 2009 auflistet:

Wie ihr alle wisst, gibt Apple seit einiger Zeit nicht mehr an, wie viele Gerätschaften der verschiedenen Produktsparten verkauft wurden. Immerhin verrät man uns aber weiterhin, welche Umsätze gemacht werden und daraus lässt sich natürlich auch einiges ablesen. Das iPhone verkaufte sich deutlich schlechter als im Vorjahr — der Umsatz brach um satte 12 Prozent ein, liegt aber immer noch bei knapp 26 Milliarden Dollar.

Damit ist das iPhone erstmals seit langem für weniger als 50 Prozent des Umsatzes verantwortlich, den Apple in einem Quartal erzielt. Genau gesagt liegt der Anteil jetzt bei 48 Prozent und das bedeutet, dass das Smartphone natürlich immer noch eine sehr wichtige Komponente darstellt, selbst bei rückläufigen Verkaufszahlen.

Wie es heißt, konnte Apple besonders bei der Kategorie Wearables — Apple Watch, AirPods etc — deutlich zulegen, aber wichtiger für Apples Zukunft ist weiterhin der Bereich der Services. 10,17 Milliarden US-Dollar betrug der Umsatz vor einem Jahr — jetzt ist er bereits auf 11,45 Milliarden US-Dollar gestiegen. Nirgends wächst Apple aktuell schneller als in dieser Sparte, zu der Dienste wie Apple Music, Apple Pay und viele mehr zählen.

Bekanntlich kommen weitere Services hinzu mit dem Gaming-Dienst Arcade, der eigenen Kreditkarte und dem Netflix-Konkurrenten Apple TV+. Apple verkündet zudem, dass über die verschiedenen Dienste hinweg über 420 Millionen Nutzer diese Services abonniert hätten, Tendenz natürlich auch stark ansteigend.

Das “Next Big Thing” braucht man bei Apple nicht mehr

Jahrelang haben wir uns gefragt, was denn das nächste große Ding sein wird, welches Apple nach dem iPhone raushaut. Das iPad war es nicht, die Watch irgendwie auch nicht, auch wenn wir es hier mit tollen Produkten zu tun haben. Den Hype wie beim iPhone erreichten sie jedoch niemals auch nur annähernd. Auch Apple hat sich vermutlich lange damit beschäftigt, welche neue Produktsparte man revolutionieren könnte. Immer wieder wurde spekuliert, dass es das Apple Car sein könnte oder ein Apple-Fernseher.

Jetzt dürfte klar sein, dass das Apple der Zukunft nicht auf der Suche nach dem “Next Big Thing” ist, sondern einfach sehr breit aufgestellt sein wird mit einem Ökosystem, welches immer noch auf Hardware setzt, immer häufiger aber eben Geld mit seinen Services und Abos verdient. Auch ohne Jony Ive und mit einem schwächelnden iPhone muss sich in der Chefetage in Cupertino niemand ernsthaft graue Haare wachsen lassen. Der Umbau geht weiter und das Apple der Zukunft wird ein sehr vielseitiges sein, keine Smartphone-Company.

Quelle: Apple