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Mit diesen Services scheffelt Apple Milliarden

Apple baut sein Unternehmen langsam um: Fokus weniger auf Hardware, dafür mehr auf Services. Das bringt schon jetzt gutes Geld und wir zeigen euch, wo es besonders in der Kasse klingelt.

von Carsten Drees am 22. März 2019

Wir haben hier auf dem Blog schon mehrfach darüber gesprochen, dass das Unternehmen bestrebt ist, seine Zukunft auf komplett andere Beine zu stellen. “Andere Beine” bedeutet, dass man nicht länger drauf hoffen möchte, dass sich das iPhone bis in alle Ewigkeit so gut verkauft, wie das immer noch der Fall ist.

Das ist auch eine wirklich gute Idee, denn die Smartphone-Märkte sind zunehmend mehr gesättigt, Android-Spitzen-Handsets sind längst so gut wie iPhones und dadurch, dass die Geräte durch die Bank besser werden, verlängern sich die Zyklen, in denen die Smartphone-Besitzer neue Devices anschaffen.

Da ist es in der Tat pfiffig, sich auf andere Geschäftsfelder auszudehnen, denn auch mit Macs und Tablets wird der Gigant aus Cupertino es nicht kompensieren können, wenn die iPhone-Zahlen sich zunehmend negativ entwickeln in den nächsten Jahren. Für Apple steht fest, dass man auf die Services setzen muss, um auch künftig erfolgreich zu sein. Diese Services umfassen jetzt schon jede Menge Dienste von Apple Music und AppleCare über den App Store bis zu verschiedenen Lizenzabkommen.

Kürzlich erst habe ich zu dem Thema geschrieben, dass Apple an der Post-iPhone-Ära bastelt und die Service-Sparte ist für diesen Plan existenziell wichtig. In diesem Beitrag nun wollen wir ein wenig Licht ins Dunkel bringen und auflisten, um welche verschiedenen Services es sich überhaupt handelt — und wie Apple Geld in den jeweiligen Sparten verdienen kann. Leider ist Apple bekanntlich nicht sehr freizügig mit diesen Infos, so dass wir kaum tatsächliche Zahlen nennen können, aber ich denke, man kann zumindest das Potenzial dieser Service-Sparte erahnen.

Apple Music

Wie so oft ist Apple auch mit seinem Streaming-Portal, das schlicht “Apple Music” betitelt ist, an den Start gegangen. In Cupertino nimmt man sich gerne viel Zeit und versucht dann, aus guten Ideen der Konkurrenz etwas besseres zu basteln. Ob ihnen das bei Apple Music gelungen ist, mag ich an dieser Stelle nicht bewerten, aber definitiv sind sie das einzige Musik-Streaming-Angebot, welches mit Spotify mithalten kann, was die Nutzerzahlen angeht. So berichtete die Financial Times Ende 2018, dass Apple Music auf immerhin 56 Millionen Nutzer käme, während Spotify sich mit 96 Millionen Usern dem 100-Millionen-Meilenstein nähert.

Geld verdient Apple hier hauptsächlich mit Abonnement-Gebühren, aber auch mit Carrier-Partnerschaften. Ganz exakt können wir nicht ermitteln, wie viel Kohle Apple mit diesem Service macht, weil das die Tarifstruktur nicht zulässt. So gibt es Nutzer, die nur die kostenlosen Testmonate nutzen, Schüler, die für fünf Dollar pro Monat dabei sind und Familienpläne, bei denen 15 Dollar fällig werden. Der Normalpreis von 10 Dollar sollte dann in diesem Fall auch der Richtwert sein, an dem wir uns orientieren.

Rechnen wir also einfach mal über den Daumen mit 10 US-Dollar pro Nutzer, wären das etwa 6,72 Milliarden US-Dollar pro Jahr, die in die Apple-Kassen reinrauschen. Das ist immerhin schon mal etwa ein Viertel dessen, was das Unternehmen pro Jahr Umsatz mit seinen Macs macht

Apple Pay

Auch, wenn Zalando etwas anderes vermuten lässt: Apple Pay nimmt endlich auch in Deutschland Fahrt auf, nachdem der Deutschland-Start lange auf sich warten ließ. Mit seinem mobilen Bezahl-Service verdient Apple Geld durch Transaktionskosten, die für Kunden und Banken fällig werden. Für Kunden entfallen Kosten in Höhe von drei Prozent aller mit Apple Pay Cash gesendeten Gelder, die an eine Kreditkarte gebunden sind.

Mit Apple Pay bezahlt ihr im Einzelhandel kontaktlos, aber ihr könnt eben auch online shoppen gehen mit diesem Service. Gebühren fallen für euch nicht an, jedoch aber für Händler, wobei Apple hier keine Zahlen nennt. Daher können wir hier auch nicht errechnen, wie viel sich das Unternehmen mit diesem Bezahl-Dienst einsackt, aber zumindest können wir festhalten, dass es im letzten Quartal 1,8 Milliarden Transaktionen gab.

Apple Pay ist damit ganz sicher kein großer Posten, wenn es um die Umsätze geht, wohl aber ein ganz wichtiger Baustein, um Kunden an sich zu binden.

Apple App Store

Der App Store ist einer von Apples Service-Klassikern, der bereits seit über zehn Jahren besteht. Kosten entstehen uns hier auf unterschiedliche Weise, je nach Inhalt, den wir kaufen. Es können also Kaufpreise für Anwendungen sein, ebenso aber auch In-Game-Käufe oder Abo-Beträge für Dienste wie Netflix.

Apple hat bis Juni 2018 insgesamt bereits über 100 Milliarden US-Dollar an Entwickler ausgeschüttet. Davon ausgehend, dass in den meisten Fällen Apple 30 Prozent Gebühren kassiert, kämen wir auf einen Geldberg in Höhe von etwa 42 Milliarden US-Dollar, die Apple im Laufe des Jahrzehnts allein durch diese Gebühren einkassiert hat.

Allerdings droht Apple Ungemach in Form von kartellrechtlichen Beschwerden verschiedener Unternehmen. Die werfen Apple vor, ein Monopol zu betreiben und sich bei eigenen Diensten einen Vorteil zu verschaffen. Öffentlich haben sich dazu bereits Netflix und Spotify geäußert bzw. sogar Kartellbeschwerde bei der EU eingereicht, jüngst hat sich Kaspersky ebenfalls mit Kritik zu Wort gemeldet.

iTunes

Noch so ein Klassiker aus der Apple-Werkstatt. In den letzten Jahren bröckelt ein wenig der Putz an iTunes, denn früher war es ein reines Shopping-Paradies für Inhalte aller Art. In Zeiten, in denen viele Millionen Menschen Serien und Filme aber bei Netflix, Amazon usw. streamen und Musik bei Spotify, werden mittlerweile weniger Serien, Filme und Songs bzw. Alben verkauft.

Dennoch ist iTunes vor allem für Benutzer von Apple-Hardware immer im Fokus und mittlerweile ist iTunes auch auf den Smart TVs von Samsung vertreten. Auch Apple Books unter dem Dach von iTunes ist immer noch einer der größten Bücher-Shops und somit absolut relevant. Zahlen zu den Einnahmen können wir euch hier nicht nennen, aber auch bei iTunes verdient Apple an den Gebühren, die für die Produkte und Abos anfallen.

Als Endverbraucher merkt ihr von diesen Gebühren natürlich nichts, wohl aber von den Kosten für iTunes Match, die mit knapp 25 US-Dollar zu buche stehen, wenn man nicht Apple Music nutzt, wo auch iTunes Match inkludiert ist.

iCloud

Die iCloud mag nicht so einen Stellenwert haben wie Dropbox oder Google Drive, aber für Besitzer von Apple-Hardware ist sie insofern wichtig, weil jeder kostenlose 5 GB in der iCloud besitzt. Blöd ist allerdings, dass diese 5 GB schnell eng werden müssen, denn dort laufen nicht nur Fotos etc. auf, sondern auch eure Backups für iOS-Gerätschaften.

Das bedeutet: Kommt ihr hier an die Grenzen, sind keine Backups mehr möglich. Aber fairerweise bietet Apple Upgrades für recht kleines Geld, so dass das Volumen in der iCloud mit Leichtigkeit aufgestockt werden kann.

Wem 50 GB reichen, der zahlt monatlich lediglich 99 US-Cent. Drei US-Doller sind es bei 200 GB und wer sogar einen Zehner pro Monat abdrückt, kann sich über mächtige 2 TB Speicherplatz freuen. Auch hier gilt wieder einmal, dass Apple keine Zahlen rausrückt, was die exakten Einnahmen angeht.

Bei über eine Milliarde iOS-Devices weltweit gibt es also zwangsläufig auch eine sehr hohe Zahl an iCloud-Nutzern. Hier wissen wir allerdings nicht, wie viele davon auf die kostenpflichtige Variante ausweichen. Wer sich mit 50 GB begnügt, zahlt zwar in der Summe nur 12 US-Dollar pro Jahr, aber wie heißt es so schön: Kleinvieh macht auch Mist und bei den unzähligen Nutzern von iPhones und iPad dürften es auch viele Millionen Menschen sein, die sich für einen der Abo-Tarife entscheiden und die Apple-Kassen damit noch ein wenig voller machen.

AppleCare

AppleCare+ beispielsweise ist der erweiterte Garantieservice von Apple. Der bietet euch verlängerte Garantien, vergünstigte Reparaturen und besseren Support. Die Kosten dafür variieren je nach Produkt, beim iPhone beispielsweise liegen sie zwischen 129 und 199 US-Dollar.

Lizenzeinnahmen

Auch, wenn es kein Service ist, der sich direkt an uns richtet: Auch mit Lizenzen verdient Apple sehr viel Geld. So wurde vor Jahren bekannt, dass Google über eine Milliarde US-Dollar an Apple überweist, damit Google die Standardsuche auf den iPhones ist. Jüngsten Schätzungen von Analysten zufolge solle dieser Kostenblock mittlerweile aber deutlich höher liegen, nämlich bei 9 Milliarden US-Dollar.Das ist nicht verifiziert, wäre aber ein massiver Baustein in Apples Service-Konstrukt, wenn es stimmt.


Am 25. März findet ein Event statt, bei dem Apple zwei weitere Services vorstellen wird. Einmal um den lange erwarteten vermeintlichen Netflix-Konkurrenten, auf dem Apple verschiedene TV-Dienste bündeln möchte, aber auch eigene Shows produzieren und senden lässt. Außerdem steht noch ein “Netflix für News” an, also ein journalistisches Angebot. Bei beiden kennen wir noch nicht wirklich viele Details, aber auch diese Dienste werden weiter dafür sorgen, dass die Service-Sparte des Unternehmens fetter und fetter wird.

Wir sagten es bereits, dass Apple sich nicht wirklich viele Sorgen um die Zukunft machen muss, was eventuelle Einbußen beim iPhone angeht. Die Jungs und Mädels aus Cupertino sind breit aufgestellt und auch, wenn wir in diesem Überblick wenig absolute Zahlen nennen konnten, werdet ihr nachvollziehen können, dass dieser Service-Bereich des Konzerns schon jetzt eine echte Goldgrube ist und weiter wachsen wird.

via The Verge