Don Dahlmann
Apple vs. Google vs. die Autoindustrie

Hinter den Kulissen tobt seit zwei Jahren ein Machtkampf. Es geht um Einfluss, um die Macht über Bewegungsdaten und ob Europa sich gegen die USA durchsetzen kann.

Der geschätzte Kollege Jens Stratmann schrieb die Tage seinen Frust von der Seele. Ein Desaster sei das, was Daimler in Sachen Apple Car Play abliefern würde. Grund für seinen Ärger ist die Tatsache, dass Daimler den Termin für Apple Car Play immer wieder verschiebt, während andere Hersteller schon längst die digitale Schnittstelle von Apple zum Auto integriert haben. Jens beklagt sich da völlig zu Recht.

Aber Mercedes steht da nicht alleine. Auch andere deutscher Hersteller tun sich schwer, Apple Car Play und Android Auto ins eigene Entertainmentsystem zu lassen. Dabei macht die Integration eigentlich nicht viel Arbeit. Die Smartphones werden per USB-Kabel mit dem Auto verbunden, im Entertainmentsystem öffnet sich im Grunde eine App (die Apple und Google liefern) über die dann bestimmte Inhalte des Smartphones (Anrufe, SMS, Musik usw.) auf das Display des Entertainmentsystem spielen. Im Grunde ein zweiter Bildschirm des Smartphones. Aber warum wehren sich die Hersteller da so?

Mercedes-Benz-CarPlayBMW, Daimler und die VW-Marken haben schon mal Bauchschmerzen, was die Daten angeht. Im Moment sitzen die Hersteller auf einem immer größer werdenden Schatz, zum Beispiel was Bewegungsdaten angeht. Zwar teilen sie diesen Schatz mit Navi-Herstellern wie Garmin und TomTom, aber die haben halt nur die reinen Bewegungsdaten. Über die Sensoren können die Hersteller die Bewegungsdaten anreichern. Die versammelte Phalanx aller in VW-Modellen verbauten Regensensoren liefern ein genaueres Regenradar, als jede Wetterseite. Über die POI-Suche der Entertainmentsysteme erfahren die Hersteller, was den Fahrer sonst so interessiert. Diese Daten hätten auch Apple und Google gerne, auch wenn diese teilweise schon bei den Giganten vorliegen. Aber in Kombination mit den Fahrzeugdaten sind diese eben noch einmal wertvoller. Sucht da jemand in einem neuen 7er BWM nach einem Modegeschäft, oder sitzt er in der Strassenbahn? Verständlicherweise wollen die Hersteller diese Daten aber nicht so gerne teilen.

mercedesmeAm liebsten hätten es die Hersteller, dass deren Kunden ihr selbst gestricktes Ökosystem nutzen. Daimler bietet dafür schon die „MercedesMe“ Plattform an, was nichts anderes ist, als ein eigenes Betriebssystem, mit dem das Infotainmentsystem und Teile der Fahrzeugelektronik steuern kann. In Zukunft soll diese Plattform auch für ausgewählte Drittanbieter offen stehen. Schon jetzt kann man in den USA mittels des Anbieters „Nest“ aus dem Fahrzeug heraus die Heizung zu Hause steuern. Was Mercedes plant, ist offensichtlich. Man will das eigene Ökosystem so ausbauen, dass Apple und Google gezwungen werden, ihre Inhalte zu den Konditionen der Daimler AG ins Auto zu integrieren. Eine mögliche Version, wie so was aussehen kann, hat Mercedes mit dem F105 in diesem Jahr schon vorgestellt. Das Auto als zentraler Hub für alle Lebensbereiche, dass das Internet integriert – und war so, wie sich Mercedes das vorstellt.

Auch BMW wehrt sich vehement. Das BMW iDrive System wird kontinuierlich erweitert. Neuester Gag ist, dass BMW den Schlüssel des neuen 7er BMW mit Displays ausgestattet hat. Über dieses Display kann man verschiedene Funktionen des Fahrzeugs steuern. BMW hätte dies auch mit einer App lösen können, die dann über die herkömmlichen Smartphones bedient werden, aber man will ganz offensichtlich die Kunden auf die eigenen Systeme locken. Sinn macht macht in Sachen Usability nicht, aber für die strategische Position im Kampf gegen Apple und Google ist es schon wichtig.  Die Angst der Hersteller ist weiterhin, dass das Silicon Valley in Sachen Infotainment und Big Data die Macht übernimmt und man in Deutschland mal wieder das Nachsehen hat.

Es ist ein schwieriger Spagat, den viele Hersteller da planen. Und das gilt nicht nur für die Deutsche Autoindustrie. Einerseits erwarten die Kunden, dass sie ihre gewohnten Nutzeroberflächen im Auto wiederfinden. Andererseits will und kann die „alte“ Industrie den Kampf um die Daten aus den Autos und Infotainmentsystemen nicht einfach aufgeben. Man befürchtet, vermutlich nicht zu Unrecht, am Ende in der Hand der Internetgiganten aus den USA zu sein, die dann der Industrie die Standards vorschreiben- Gleichzeitig müssen die Hersteller aber auch mit den Beschwerden der Kunden leben, die sich fragen, warum sie mehrere tausend Euro für ein Infotainmentsystem ausgeben sollen, wenn ihr Smartphone für 500 Euro eigentlich schon alles mitbringt und nur eingestöpselt werden müsste. Von daher ist es vielleicht kein Wunder, dass einige Hersteller in Sachen Apple und Google etwas zickig sind.