Payment
Apple Watch – an die Bezahlfunktion glaubt nicht mal Apple

Die Präsentation der Apple Watch am Montag war eine große Show. Dass man mit der Uhr und Apple Pay auch bezahlen kann, ging dabei allerdings ziemlich unter. Aus gutem Grund.

Da ist sie nun endlich, die heiß ersehnte Smartwatch aus dem Hause Apple. Tim Cook hat sie stolz vorgestellt und wollte augenscheinlich gar nicht mehr fertig werden, um all die Funktionen zu erklären. Zwischen 399 Euro und 18.000 Euro kostet das gute Stück Technik für das Handgelenk.

Bei der Präsentation wurde schnell klar: Die Apple Watch mag zwar auch ein bisschen Schmuck sein, aber vor allem ist sie ein Gadget, um Faulenzer vom Sofa hoch zu bekommen. Und trotzdem: Wie Carsten in seinem übersichtlichen Beitrag über alles Wichtige schreibt, sieht er auch im Fitness-Bereich noch nicht, “was die Apple-Uhr entscheidend besser kann als andere.”

Mobile Payment – geile Sache?

Wenn die Apple Watch in Sachen Fitness nicht überragend anders und genialer ist als die Konkurrenz, dann ist es vielleicht die Bezahlfunktion – könnte man denken. Habe ich auch gehofft. Denn wie groß wurde Apple Pay vor einigen Monaten angekündigt

Und es ist ja so: Die Apple Watch hat tatsächlich einen NFC-Chip integriert und kann daher als Zahlungsgerät eingesetzt werden – übrigens sogar ohne Passwort oder TouchID, solange die Uhr getragen und vom iPhone entsperrt wurde. Rein technisch also gar nicht mal so schlecht.

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Kommen wir von der Theorie zur Praxis. Ich habe hier zwar keine Glaskugel und kann deshalb nur Vermutungen anstellen, aber die Wahrscheinlichkeit dürfte äußerst gering sein, dass bald vielerorts Uhren an ein Terminal gehalten werden zum Bezahlen. Die These stützt sich in erster Linie auf die geringe Durchschlagskraft von Payment-Diensten für Smartphones. Wenn man die Menschen hierzulande noch nicht mal dazu bewegen kann, ihr Smartphone als digitales Portemonnaie zu nutzen, wie soll das dann mit einer Uhr funktionieren?

Apple Pay – nicht so wichtig

Und so wie es aussieht, ist auch Apple nicht wirklich überzeugt davon, dass Apple Pay auf der Apple Watch ein nennenswerter Erfolg wird. Denn trotz der großen Ankündigungen und Erwartungen hat die Bezahlfunktion bei der Apple-Watch-Präsentation nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Auch Carsten “hätte gedacht, dass man der Möglichkeit, per Uhr zu bezahlen, ein größeres Zeitfenster einräumen würde.”

Abgesehen davon: Was will man denn auch mit einem Portemonnaie 2.0, wenn nach nicht mal einem Tag kein Geld mehr zur Verfügung steht, weil der Akku schlapp macht?

Update: Weil meine Argumentation – den Kommentaren nach zu urteilen – nicht klar wurde, will ich hier nochmal nachsetzen. Es geht mir keinesfalls darum, Apple Pay im Allgemeinen schlecht zu reden. Ganz im Gegenteil: Auch ich erkenne natürlich das Potential, das dahintersteckt. Nicht nur bei Apple Pay, sondern auch bei vielen anderen Mobile-Payment-Diensten. Richtet man den Blick allerdings hier auf Deutschland, dann wird man feststellen, dass Mobile Payment zwar technisch auf einem gar nicht mal so schlechten Stand ist, aber sowohl auf Seiten der Nutzer als auch auf Seiten des Handels noch großer Aufholbedarf existiert. Und weil das so ist – das ist meine Vermutung! – glaube ich, dass mobiles Bezahlen im nächsten Schritt mit der Uhr noch ein ganzes Stück länger dauern wird, bis sich das – sollte es sich überhaupt etablieren – durchsetzt. Was die Apple-Präsentation angeht, so hätte ich schlichtweg mehr Aufmerksamkeit für die Bezahlfunktion der Apple Watch erwartet. Ob das jetzt ein schlechtes Zeichen ist oder nicht… das soll jeder für sich interpretieren.