Apple Watch Series 6 vorgestellt: Die beste Smartwatch der Welt wird noch besser

Wie zu erwarten war, hat Apple heute mit der Watch 6 seine neue Smartwatch vorgestellt, zusammen mit einer günstigeren Apple Watch SE. Sehr viel Neues bietet Apple hier nicht - muss man aber auch gar nicht.

von Carsten Drees am 15. September 2020

Heute war es wieder soweit: Ein Apple-Event stand ins Haus. Der Zeit entsprechend war es natürlich ein virtuelles Event. Hut ab an dieser Stelle nach Cupertino: Besonders spannend ist so eine Veranstaltung auch dann nicht, wenn die Presse vor Ort ist und die Speaker von der Bühne sprechen. Dazu fehlte heute der eigentliche Star dieser Events — das iPhone. Dennoch schaffen es die Apple-Menschen, das Ganze ziemlich ansprechend zu präsentieren.

Damit meine ich, dass die Nummer toll geschnitten war, zwischen den Beiträgen gab es immer starke Übergänge, alles wirkte professionell und aus einem Guss — vielleicht sogar schon wieder ein bisschen zu perfekt. Ansonsten fiel mir bei der Präsentation aus Kalifornien auf, dass die jeweiligen Beiträge schon ein paar Tage älter sein dürften, weil wir schönen, blauen Himmel sehen und nicht etwa einen von Waldbränden orange gefärbten oder gar rauchverhangenen Himmel.

Wenn man aber schon auf Details wie die Wetterbedingungen und die Qualität der Präsentation achtet, könnt ihr euch denken, dass es dafür an anderer Stelle an etwas gemangelt hat. Die Produkte, die gezeigt wurden, haben mich nicht völlig umgehauen und wirkliche Innovationen habe ich auch keine gesehen. Der Witz dabei: Apple muss auch gar nicht das Rad neu erfinden, aber dazu später mehr.

Erst mal schauen wir auf die Fakten zur neuen Apple Watch Series 6: Am auffälligsten ist vermutlich, dass ihr jetzt neue Farb-Optionen geboten bekommt. Neu ist beispielsweise ein kräftiges Rot, wie ihr im Bild sehen könnt — außerdem gibt es die Uhr auch in Blau.

Technisch können wir berichten, dass ein neuer Sensor hinzugekommen ist. Es handelt sich dabei um einen Infrarot-Sensor, der euren Blutsauerstoff messen kann, also den Sauerstoffgehalt in eurem Blut. Das Always-On-Display soll bis zu 2,5 mal heller sein und im Innern sorgt jetzt der neue S6-Prozessor. Natürlich gibt es auch wieder neue Zifferblätter und da u.a. die Möglichkeit, eure Memojis aufs Display zu zaubern – wer’s braucht …

Natürlich gibt es auch wieder neue Armbänder und dabei erstmals das “Solo Loop”-Armband, welches aus einem Stück weichen Silikon gefertigt ist und das es euch ermöglicht, die Uhr einfach überzustreifen.

In Deutschland gibt es die Apple Watch Series 6 ab 418,15 Euro und sie kann ab heute bestellt werden. Ausgeliefert wird dann ab Freitag dem 18. September. Zusätzlich zu dieser neuen Uhr zeigte man auch die günstigere Apple Watch SE, die nicht nur funktionell, sondern auch im Preis abgespeckt daherkommt und in Deutschland ab 291,45 Euro zu haben ist.

Der Elefant im Raum

Sagen wir es, wie es ist: Es war kein sehr spektakuläres Event, die Apple Watch 6 ist keine spektakulär neue Uhr und somit war ich als Berichterstatter froh, dass das Event relativ flott vorbei war. Der Punkt ist aber, dass Apple hier kein Rad neu erfinden muss oder für offene Münder und heruntergeklappte Kinnladen sorgen.

Weit und breit gibt es auf dem Smartwatch-Markt nichts, was Apple hier das Wasser reichen kann und diesen Satz adressiere ich ausdrücklich Richtung Google. Die Apple Watch ist der Elefant im Raum, wann immer sich bei Google oder deren Partnern über smarte Uhren unterhalten wird. Für mein Empfinden hat bei den mobilen Betriebssystemen Android immer öfter gegenüber iOS die Nase vorn — es kann also nicht darum gehen, dass Google Software-Defizite hat. Ebenso hat man unter den Hardware-Partnern absolute Hochkaräter, so dass es auch nicht das Problem sein sollte, hochwertige Uhren zu bauen, zumal mit Samsung ja auch ein wirklich alter Wearable-Hase dabei ist.

Nicht falsch verstehen: Es gibt schöne Uhren mit Wear OS und auch viele funktionell ordentliche Smartwatches und Fitness-Tracker aus dem Android-Lager. Aber für mein Empfinden ist es lediglich die Apple Watch, die tatsächlich vollumfänglich die Produktklasse “Smartwatch” rechtfertigt, während es bei anderen Herstellern immer eher wie eine Smartphone-Erweiterung anmutet. Wo sind bei Google die Stories von Smartwatches, die sogar Leben retten? Stories, die Apple immer wieder gerne präsentiert.

Vor einem Jahr stellte The Verge mit Blick auf eine Fossil-Smartwatch die Frage: Was kann Google tun, um mit der Apple Watch mitzuhalten?  Mit “Not much” lieferte man noch in der Headline die Antwort gleich mit. Wie gesagt, das ist jetzt ein Jahr her und es hat sich nichts geändert. Die Apple Watch mit ihrem Fokus auf Gesundheit und Fitness ist im Vergleich zu den Google-Gegenstücken so kompromisslos ambitioniert und ich fürchte, dass man bei Google auch heute wieder schulterzuckend den Stream aus Cupertino verfolgt hat, weil man dem einfach nichts entgegenzusetzen hat. Ich überlege fieberhaft, woran es liegt, denn im Grunde liegt alles auf dem Tisch: Die Skills sowohl bei Hard- und Software, zudem kann man sich die Apple Watch ja gründlich anschauen und lernen.

Dennoch kommen die Google-Uhren nicht mal in die Nähe der Apple Watch und so kann man es sich dann auch erklären, dass Apple mit einem relativ lamen Event heute durchkommt und Uhren zeigen konnte, die nicht wirklich stark verbessert sind gegenüber dem Vorgänger. Ich bin sicher, dass die meisten Besitzer von “Series 5”-Uhren nicht upgraden werden. Ich bin ebenso sicher, dass Apple das auch einkalkuliert. Dennoch schaffen sie neue Mehrwerte, sowohl auf der Hardware-Seite als auch an anderen Stellen des Ökosystems. Sie haben heute eine nur eine punktuell verbesserte Uhr vorgestellt, dazu außerdem eine günstigere Variante — mehr braucht es nicht, um die Konkurrenz auf Abstand zu halten.