iOS 11: Features im Überblick

Apple spendiert iOS 11 viele neue Features. Wir haben die wichtigsten Neuerungen für euch im Überblick.
von Jake Pietras am 6. Juni 2017

Apple hat auf dem WWDC17 die neuen Features und Funktionen von iOS 11 vorgestellt.

In vielen Bereichen soll iOS 11 zu Android mindestens aufschließen. Wir haben die Highlights für euch zusammengefasst.

Siri

Nachdem Google bei der diesjährigen I/O schwer mit KI- und Machine Learning-Geschützen aufgefahren ist, zog Apple jetzt nach und hat Siri nun cleverer gemacht. Zum einen klingt die Sprache der Assistentin nun natürlicher, was dank Deep Learning erreicht wird. Zum anderen könnt ihr Siri jetzt Folgefragen nach eurer Anfrage stellen, die Siri in dem Kontext auch versteht.

Siri funktioniert in verschiedenen Apps und macht kontextabhängig Vorschläge

Hier zieht Apple also zu Google nach, denn deren Assistant kann das bereits seit dem Release. Weitere Parallelen zu “OK Google” (warum hat der Google Assistant eigentlich noch keinen richtigen Namen?) ist die Ausbreitung der Künstlichen Intelligenz über das gesamte Betriebssystem hinaus.

Siri kann jetzt Vorschläge für Restaurants und andere Locations in eurer Umgebung machen. Dazu kommen weitere Features, wie Übersetzungen in fünf Sprachen (darunter auch Deutsch), falls ihr in New York mal nach Schweinshaxe fragen wollt.

Siri übersetzt jetzt in fünf Sprachen

Zusammenfassend kann man einfach sagen, dass Apple den Anschluss an Googles KI und vor allem die immense Datenflut nicht verlieren will, mit der die kontextabhängigen Informationen überhaupt in der Qualität möglich gemacht werden.

Control Center

Das Apple Control Center bekommt in iOS 11 endlich mehr Möglichkeiten, Funktionen von iDevices zu steuern. Das, was in iOS 10 nur in einer Reihe unten zu erreichen war, bekommt nun einen gesamten Bildschirm. Diesen erreicht man per Swipe vom ersten Homescreen aus.

Das neue Control Center in iOS 11 im eigenen Bildschirm

Im Control Center von iOS 11 finden sich diverse Mini-Widgets. Neben den Toggles für das iPhone oder iPad unter anderem auch Schieberegler für Smart Home-Lampen undLautsprecherregler. Die Benachrichtigungen zeigt ihr dagegen wie bei Android mit einem Swipe von oben an. Hier kommt ihr auch vom Lock-Screen hin und könnt alle Benachrichtigungen auf einen Blick sehen.

Dank 3D-Touch sind noch mehr Features hinter den Widgets möglich, was Apple bereits seit der Einführung für normale Apps anbietet.

App Store

Der App Store erhält mit iOS 11 den ersten Umbau seit seiner Einführung vor neun Jahren. Die Oberfläche wird aufgeräumt und vereinfacht. Sie zeigt nicht mehr Dutzende Apps in teils unzusammenhängenden Auflistungen an, sondern fokussiert sich vorrangig auf drei Tabs:

  • Today
  • Games
  • Apps
Der App Store bekommt einen neuen Look

Im Today-Reiter werden tagesaktuelle Empfehlungen gezeigt. Das sind Apps, die gerade besonders populär sind und gut laufen oder auch die Editor’s Picks, die Apple immer prominenter auf der bisherigen Hauptseite darstellt. Hier wird es für Developer vermutlich auch die Möglichkeit geben, Apps finanziell zu promoten, aber das spekuliere ich jetzt einfach mal.

Im Games-Tab werden – wer hätte es gedacht – Games angezeigt. Zusätzlich können Entwickler Gameplay-Videos einbauen.

Genauso sieht der App-Tab auch aus, nur dass stattdessen How-To-Videos unter die Beschreibung integriert werden können, um euch die Apps schmackhafter zu machen.

Die App-Seiten können nun durch How-Tos ergänzt werden

Apple bewirbt das Feature mit dem Vorteil, dass ein Besuch bereits heruntergeladener App-Seiten lohnen kann, da die Entwickler immer wieder neue Anleitungen und anderes ergänzendes Material hinzufügen können. Strategisch gesehen sorgt das ganze vermutlich dafür, dass die User öfter mal in den App Store kommen und wiederum andere Apps kaufen, denke ich.

Kamera

Die iOS 11 Kamera-App verspricht gleiche Video-Qualität bei halbem Speicherplatz. Dazu werden Videos jetzt nicht mehr mit dem H.264- sondern dem H.265 Codec, auch bekannt als HEVC, komprimiert. Der soll Videos nun zwei Mal so klein encodieren, wobei die Qualität nahezu gleich zum H.264-Codec ist. Der H.265-Codec ist allerdings etwas hardwarehungriger.

Apple setzt bei Fotos und Videos in iOS 11 auf HEVC

Bei Bildern setzt Apple nicht mehr auf JPEGs sondern auf das HEIF-Dateiformat. Das ist dem wohl am meisten verbreiteten Bildformat technisch überlegen und kann beispielsweise mehrere Bilder und Animationen in einer Datei speichern. Außerdem soll hier der benötigte Speicherplatz wieder nur halb so groß sein. Bewegt ihr euch in Apples Photos-App, werdet ihr den Unterschied also nicht wahrnehmen, habt dafür aber eben bei mehr freiem Speicherplatz.

Photos

Apples Photo-App erhält in iOS 11 ebenfalls Siri-Integration erhalten. Sie erkennt jetzt besser, was auf den Bildern zu sehen ist und sortiert eure Fotos auf Wunsch entsprechend. Ein weiteres Feature erinnert hier wiederum an Google, nämlich “Memories”. Dank Deep Learning soll Siri Bilder und Videos zu kurzen Videos zusammenschneiden und dabei die besten Aufnahmen auswählen.

Die neue Memories-Funktion in iOS 11

Außerdem gibt es jetzt für normale Bilder, wie auch Apples animierte Live Photos neue Bearbeitungsmöglichkeiten, die an Instagrams Boomerang-App erinnern. Ihr könnt euch selbst auf einem Live Photo also immer wieder in einen Swimming Pool rein- und rausspringen lassen.

Messages

iMessage hat ein paar Neuerungen bekommen und zeigt nun eine Art Drawer unter dem Fenster an, aus dem ihr Sticker ziehen und eurem Gegenüber schicken könnt. Also das Feature, das der Messenger von Facebook auch hat. Und gelöschte Nachrichten werden jetzt auch auf anderen iDevices gelöscht, auf denen ihr eingeloggt sein, wie auch jetzt sonst alles synchronisiert wird.

Der App-Drawer und die Sticker in iMessage

Alle Nachrichten liegen also in der iCloud, nur die neueren liegen dabei im Speicher eures Gerätes. Das soll Speicherplatz auf dem Gerät speichern, shifted das Ganze aber dafür in die iCloud, die mit fünf Gigabyte kostenlosem Platz aber natürlich auch begrenzt ist.

Ein sehr nettes, aber wohl wieder nur in den USA funktionierendes Features ist die Integration von Apple Pay in Messages. Das erlaubt euch das Senden von Geld an Freunde. Apple hat das Feature sehr einfach gestaltet, da es euch direkt aus iMessage heraus erlaubt, einen Geldbetrag auszuwählen und jemandem nach Authentifizierung mit dem Fingerabdruck zu schicken.

Dieses Feature bieten auch andere dedizierte Apps oder beispielsweise die Banksoftware zum gleichnamigen Konto N26. Nur ist das ganze jetzt eben direkt in Apples Ökosystem integriert. Auch bei iMessage arbeitet wieder die Künstliche Intelligenz und macht Vorschläge zu Antworten oder erkennt beispielsweise, wenn euer Gegenüber schreibt “Du schuldest mir noch 20 Euro” und schlägt den Betrag direkt per Apple Pay vor.

Maps

Auch Apples “Sorgenkind” Apple Maps bekommt mit iOS 11 ein Mini-Update und zeigt jetzt auch Innenbereiche an. Beispielsweise Flughäfen oder Shoppingcenter. Das erlaubt die einfache Navigation für Orientierungswunder wie mich und zeigt Geschäfte, Abfluggates oder die Passkontrolle auf den Karten an.

Apple Maps funktioniert jetzt auch in Shopping Centern und Flughäfen – in den USA

Momentan sind aber vergleichsweise wenige Locations in Maps zu finden, monatlich sollen aber hunderte hinzukommen, wie Craig “Hairforce One” Federighi in der Keynote erwähnte. Bis zum Release dürfte es also mehr Indoor-Maps geben. Ob und wie viele in Deutschland, bleibt jetzt abzuwarten.

CarPlay und Augmented Reality

Apple hat iOS 11 noch einige weitere Features spendiert.

Die Music App zeigt nun wie Spotify an, was Freunde hören.

Die Smart Home-Schnittstelle HomeKit steuert jetzt mittels AppleTV Lautsprecher und spielt Musik direkt aus der Cloud ab. Auch eine Multiroom-Funktion gibt es. Außerdem können eure Freunde bei einer Party Lieder zu einer Playlist hinzufügen, die den laufenden Song nicht unterbrechen.

Die “Nicht Stören”-Funktion fürs Auto

In Verbindung mit CarPlay im Auto erkennt iOS jetzt automatisch, dass ihr fahrt und stellt Benachrichtigungen und andere Ablenkungen aus. Damit ihr nicht euch und vor allem andere im Straßenverkehr gefährdet, wenn ihr wie die Trottel beim Fahren unbedingt irgendwas bei Facebook nachgucken oder Emojis verschicken müsst.

Das ist im Grunde das gleiche wie der “Nicht stören”-Modus, nur dass er automatisch angeht, wenn ihr euch mit CarPlay mit eurem Auto verbindet. Ausnahmen für wichtige Anrufe oder Nachrichten könnt ihr aber trotzdem einrichten.

Wingnut VRs Demo von Augmented Reality auf iOS 11

Und dann gab es noch etwas zu sehen, was an Googles Tango erinnert und im Grunde genau das ist. Ein Augmented Reality-Feature, mit dem ihr die echte Welt um Objekte und Spiele oder Simulationen erweitern könnt.

Auf der WWDC17 hat Wingnut VR eine sehr schöne Präsentation einer Schlacht gezeigt, die von der neuen Firma vom Herr der Ringe-Regisseur Peter Jackson entwickelt wurde. Meiner Ansicht nach sah das ganze reifer oder zumindest imposanter aus, als Googles Tango-Demos bisher und auch hier zeichnet sich nach den Assistenten der nächste Kampf zwischen Google, Apple und Microsofts “Mixed Reality” mit Hololens ab.

Innova…was?

Alles in allem kann man sagen, dass Apple mit iOS 11 mit vielen Features zur Konkurrenz aufschließen will, sei es zu Google und Amazon im Bereich KI und VR oder auch zu Android bei den Features und Apps. Aber auch zu Microsoft möchte Apple jetzt Land abgraben, denn es gibt noch mehr iOS-Features speziell für das neue iPad, das ich im nächsten Artikel vorstelle.

Bahnbrechend Neues gab es bei der WWDC17 zu iOS 11 irgendwie nicht zu sehen, wie ihr euch bestimmt beim Durchlesen der Features mehrfach gedacht habt. Alles irgendwie von woanders bekannt und richtige Widgets sind irgendwie scheinbar immer noch zu viel verlangt. Man kann natürlich nicht immer das Rad neu erfinden, aber so es zeichnet sich deutlich ab, dass Apple finanziell, aber nicht mehr gedanklich vorne ist.