Apps: Facebook dominiert, Lovoo & Tinder machen Umsatz

Der Jahresrückblick 2016 zeigt: die Deutschen nutzen die Apps von WhatsApp und Facebook - und sind dem digitalen Flirten und Schnäppchenjagden zugetan. Der Report untersucht neben der Zahl der Downloads auch die Umsätze, die mittlerweile mit einem der begehrten Plätze auf dem Startbildschirm des Smartphones erzeugt werden. Im internationalen Vergleich spielt Deutschland jedoch kaum eine Rolle: das große Geld wird in China, Indien, Japan und den USA verdient.

Der weltweite Markt für Apps ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen – trotz aller Unkenrufe, dass Apps ein Auslaufmodell seien und der Trend zu Web-Applikationen und Bots gehe. Allerdings ist es um die Vielfalt weiterhin nicht gut bestellt, ganz im Gegenteil. Die Spezialisten von App Annie sehen hierzulande mit WhatsApp, dem Facebook Messenger, Facebook und Instagram insgesamt vier Apps von Mark Zuckerberg in den Top 5. Beim Umsatz zeichnet sich jedoch ein ganz anderes Bild: Mit Lovoo, Spotify, Tinder, Bild+ und Netflix wird in Deutschland Geld verdient.

Die wachsende Zahl von Mobilgeräten und die steigende Kompetenz der Benutzer dürften die beiden maßgeblichen Gründe dafür sein, dass sowohl die Zahl der Downloads von Apps als auch der damit generierte Umsatz im vergangenen jahr erneut angestiegen sind. Sprich: sowohl unter iOS als auch unter Android werden allen Unkenrufen zum Trotz mehr Apps installiert und buhlen um den begehrten Platz auf dem Startbildschirm der Smartphones.

Ein Blick auf die Charts zeigt: Deutschland befindet sich fest in der Hand von Facebook. Die bei Politikern und mahnenden Datenschützern weiterhin umstrittene und skeptisch beäugtgte Company stellt mit WhatsApp, dem Facebook Messenger, Facebook und Instagram insgesamt vier Apps auf den vorderen fünf Plätzen zur Verfügung und wird lediglich vom im letzten Jahr enorm gehypten Snapchat an der absoluten Dominanz gehindert.

RangName
1WhatsApp Messenger
2Facebook Messenger
3Facebook
4Snapchat
5Instagram
6Amazon
7eBay Kleinanzeigen
8Skype
9Spotify
10Shpock

Top Apps by Downloads, Germany 2016

Ob die logische Schlussfolgerung daraus ist, dass der angeblich so technikfeindliche und wenig digitalaffine Bundesbürger tatsächlich weitaus mehr “Social” ist, als man allgemein vermutet? Wohl kaum, aber links und rechts von diesem vereinfachenden Resumee gibt es durchaus Interpretationsspielraum. Facebook ist, durchaus nicht unberechtigt, für einen großen Teil der Bevölkerung das Informations- und Kommunikationsmedium schlechthin – sowohl privat als auch beruflich.

Gleich danach entpuppen sich die Deutschen als Schnäppchenjäger und fleissige virtuelle Flohmarktbesucher, denn die Apps von Amazon und eBay Kleinanzeigen belegen die Plätze 6 und 7. Microsoft hält sich mit Skype tapfer auf Platz 8 und konnte damit allen Attacken anderer Video-Chat Plattformen erfolgreich widerstehen. Spotify dudelt hierzulande trotz Apple Music, Google Music & Co unangefochten auf Platz 9 und mit Shpock schiebt sich eine weitere Kleinanzeigen-Plattform in die Top 10.

Mit Flirt-Apps macht man Umsatz

Nun sagt die Zahl der Downloads einer App nur relativ wenig über deren finanziellen Erfolg aus. Fakt ist: Viele der erfolgreichsten Apps sind vermeintlich “kostenlos” und finanzieren sich hauptsächlich durch Werbeanzeigen oder ein großes, virtuelles “Nichts”, also Venture Capital und die Hoffnung auf ein irgendwann ersonnenes Geschäftsmodell. Dies ist die eine Seite der Medaille, doch es gibt auch eine Andere: die Apps, mit denen bereits richtiges Geld verdient wird, existieren durchaus.

Ein wenig überraschend offenbart der Blick auf die Umsatz-Charts, dass die Deutschen offenbar dem digitalen Flirten zugeneigt sind. Ausgerechnet die höchst umstrittene Dating-Plattform Lovoo führt die Umsatz-Charts 2016 in Deutschland an, was angesichts der Skandale um Fake Profile und Robots extrem verwundert. Mit Tinder (Platz 3) swipen sich die kontaktfreudigeren Deutschen zur Happy Hour mit anschliessendem One Night Stand – zumindest haben sie offenbar die Hoffnung, dass dies das Resultat der Wischbewegungen des Daumens sein könnte.

RangApp Name
1LOVOO
2Spotify
3Tinder
4BILD
5Netflix
6Babbel
7Freeletics
8Deezer
9WeatherPro
10Blitzer.de

Top Apps by Revenue, Germany 2016

Spotify wiederum nutzt die hohe Zahl der Downloads auch zum Generieren zahlender Kundschaft, der Musikstreaming-Dienst kann in puncto Umsatz immerhin Platz 2 behaupten. Netflix unterstreicht seine Dominanz im bereich der Video-Streaming Plattformen mit Platz 5, muss sich aber hierzulande tatsächlich der Bild(+) App auf Platz 4 geschlagen geben. Am Springer Verlag kommt – trotz (oder gerade wegen?) Facebook & Co. niemand vorbei, wenn es um bezahlte News geht.

In einem Rückblick auf das Jahr 2016 dürfen Games selbstverständlich nicht fehlen, immerhin erzeugte Pokémon GO einen bisher nur selten dagewesenen Hype und schlug via Augmented Reality eine Brücke zwischen Smartphone und dem “echten Leben”. Für einen Spitzenplatz im Bereich Games-Downloads reichte es trotzdem nicht, hier dominieren die von Supercell veröffentlichten Games Clash of Clans (1) und Clash Royale (2). Finanziell wiederum waren die Taubsis und Rattfratze ein voller Erfolg, wie ein Blick auf die Umsatz-Charts zeigt.

Das Fazit, im Rückblick auf das vergangene Jahr? Auch wenn Messagingdienste und soziale Apps den größten Anteil der App-Nutzungsdauer auf sich vereinen, legen auch andere App-Kategorien wie Shopping, Videostreaming oder Reise weiter zu. Insgesamt sind die deutschen Smartphone-Nutzer bereits durchschnittlich eineinhalb Stunden am Tag in Apps unterwegs. Gegenüber dem Vorjahr ist dies eine Steigerung um 10 Prozent.

Die erhöhte Nutzungsdauer führt auch dazu, dass die Deutschen mehr Geld für Apps ausgeben – im 2016 waren dies 750 Millionen Dollar. Das ist eine Steigerung von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im internationalen Vergleich ist Deutschland jedoch immer noch ein verschwindend kleiner Markt, wie der unter appannie.com abrufbare Report zeigt. In China, Indien, Japan oder den USA explodieren die Anwendungsdauer und die Umsätze.