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Audi und Volvo statten ihre Fahrzeuge mit Android aus

Google kann mit Volvo und Audi zwei Fahrzeughersteller gewinnen, die ihre Fahrzeuge werkseitig mit Android ausstatten werden. Neben Google Maps und verschiedenen Streamingdiensten sollen die Fahrer auf die Personalisierungsfunktionen der Plattform zugreifen können. Spannend wird nicht nur, wie sehr sich alle Beteiligten bei der Oberfläche entgegenkommen werden.

von Bernd Rubel am 16. Mai 2017

Während der anstehenden Entwicklerkonferenz Google i/o will das Unternehmen Fahrzeuge zeigen, in denen Android fester Bestandteil des eingebauten Infotainment-Systems ist. Bisher verfolgt Google mit Android Auto den Ansatz, dass lediglich der Bildschirm des Systems als Ausgabegerät für eine speziell angepasste Android-Oberfläche auf dem gekoppelten Smartphone des Fahrers genutzt wird.

Die präsentierten “Smart Cars” stammen von Audi und Volvo und könnten für Google ein wichtiger Schritt zur Eroberung des Cockpits sein. Bisher sträuben sich die meisten Fahrzeughersteller gegen eine vollständige Implementierung von Android in ihren Autos und befürchten, dass man damit auch – gänzlich oder teilweise – die Hoheit über die vom Fahrzeug gesammelten Daten abgeben könnte.

Zudem gibt es Bedenken, die auf der bisherigen Entwicklungsgeschichte von Android basieren. Das System gilt als fragmentiert, die Umsetzung von u.U. sicherheitsrelevanten Updates läuft bei weitem nicht optimal. Da die meisten Hersteller schon aus Gründen der Verkehrssicherheit und Herstellerhaftung für die Software “im” Auto verantwortlich sind, könnte eine Abhängigkeit von Google zu späteren Problemen führen.

Auf der anderen Seite weckt der bisherige Vorsprung gegenüber vielen Entwicklungsansätzen der Hersteller sicherlich die Hoffnung, dass man ohne eigene Aufwendungen ein bereits funktionierendes System erhalten könnte. Google liefert mit Google Maps zur Kartennavigation unbestritten eine der besten Lösungen am Markt und dürfte partnerschaftswilligen Fahrzeugherstellern auch bei den evtl. Anfallenden Lizenzkosten enorm entgegenkommen. Mit der zugleich möglichen Integration verschiedener Streamingdienste oder der Bereitstellung des Google Assistant zur Sprachsteuerung der Anwendungen würden die Hersteller Lösungen erhalten, die – wenn überhaupt – nur mit erheblichem Aufwand umzusetzen wären.

Denkbar wäre, dass ein derart eng mit dem Fahrzeug gekoppeltes Android einen verschärften Zertifizierungsprozess absolvieren muss, bevor der Hersteller die Freigabe erteilt. Ähnliches dürfte dann auch für Apps oder eventuell tatsächlich bereitgestellte System-Updates gelten, die genaugenommen ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten.

Zugleich könnten die Hersteller darauf bestehen, dass ihnen Google weitreichende Befugnisse bei der grafischen Anpassung der Oberfläche einräumt, die weit über die momentane Anpassbarkeit von Android Auto hinausgehen. Momentan ist das System bewusst simpel gestaltet, optisch dominieren große bunte Anwendungssymbole und Steuerelemente. Der ein oder andere für das Innenraumdesign verantwortliche Ingenieur wird nur ungern die mitunter in Jahrzehnten entwickelte Optik aufgeben wollen, die sich am Rest des Cockpits orientiert.

Die weitere Entwicklung wird aus all’ diesen Gründen besonders spannend, denn letztendlich treffen hier in mehreren Bereichen Welten aufeinander. Während Google in den zurückliegenden Jahren einen enormen Aufwand zur Etablierung hersteller- und modellübergreifender Standards betrieben hat, fehlen selbige in den Cockpits der Hersteller nahezu völlig. Es gibt weder eine gemeinsame Symbolsprache noch intuitiv erfassbare Display-Oberflächen, sobald ein Fahrer den Sitz in seinem eigenen Fahrzeug gegen den in einem fremden Fahrzeug eintauscht. Oftmals vergeht ein langer Zeitraum, bis man sich an die neue Position und Anordnung aller Schalter und Knöpfe gewöhnt hat und mit zunehmender Funktionsvielfalt steigt auch die Komplexität der Infotainmentsysteme.

Volvo verspricht, dass die neue Partnerschaft mit Google langfristig ausgelegt ist und dass man innerhalb der kommenden zwei Jahre in neuen Modellen auf Android setzen will. Neben den bereitgestellten Diensten sehen die Schweden einen Kundenvorteil in den von Google realisierten Personalisierungsmöglichkeiten, zudem sei die Plattform bei Entwicklern etabliert.

Quelle: blog.google