Audi VR Experience: Wunsch-Autos vor dem Kauf testen

Potenzielle Käufer von Audi-Produkten werden mit neuen Virtual Reality Präsentationen gelockt. Dadurch können die zukünftigen Kunden ihre Wunschkonfiguration schon vor dem Kauf anschauen und testen.

von Mika Baumeister am 28. Dezember 2015

Künftig werden Käufer der Automarke Audi auf ein weiteres Gimmick beim Autokauf zurückgreifen können: Virtual Reality. So kann jede x-beliebige Kombination eines Audi-Automobils getestet werden.

Der Audi R8 - hier in der virtuellen Realität nachgestellt
Der Audi R8 – hier in der virtuellen Realität nachgestellt

Die computergenerierte 3D-Welt bietet den Vorteil, dass der Händler einen Wagen nicht in der exakt gewünschten Konfiguration direkt vor Ort zeigen muss – für einen Ersteindruck reicht es dann, die VR-Brille aufzusetzen und sich das Auto in allen Einzelheiten von innen und außen ansehen zu können. Der Händler hat die Möglichkeit, alle Ausstattungsdetails eines vom Kunden verlangten Wagens in den gerenderten Audi zu übernehmen. Sportsitze, Infotainment-Anlage, Heads-Up-Display, verschiedene Farben, Oberflächenbeschaffenheiten, Materialien und Co. können so auch präsentiert werden, ohne physisch vor Ort zu sein.

Für die Händler macht es Audi besonders leicht: Das Starterpaket erhält neben einer VR-Brille eine Remote-Fernbedienung, sodass auch in der virtuellen Welt etwa eine Tür geöffnet werden kann. Dazu gibt es noch drahtlose Kopfhörer, um den Motorensound zu übertragen. Die Bedienung soll für Kunden und Händler einfach sein: Denn sobald sich eine der beiden Seiten unwohl fühlt, leidet die Kauferfahrung darunter.

Ich erlebe bei unseren Tests und Vorführungen zurzeit täglich kindliche Begeisterung – selbst bei gestandenen Managern. Marcus Kühne, Projektleiter Audi VR Expierience

Die Brille selbst scheint zum jetzigen Zeitpunkt eine Oculus Rift in der Crescent Bay-Variante zu sein – da wird Audi zum Start der finalen Oculus Rift aber sicherlich noch aufrüsten. Auch eine Version mit der HTC Vive hat Audi parat: Diese ist speziell für Außenansichten gedacht. Wer sich den R8, A6 oder Q7 von außen anschauen möchte, darf sich in einem Areal von 5×5 Metern frei bewegen.

Damit nicht nur optisch, sondern auch audiotechnisch alles stimmt, verbrachte Audi einige Zeit damit, die Autogeräusche binaural aufzunehmen. Das heißt: Zwei speziell in einem Kunststoffkopf eingesetzte Mikrofone nehmen die Töne genauso auf, wie auch ein normaler Mensch diese wahrnehmen würde. Das ist für den Stereo-Effekt und die realitätsnahe Wiedergabe besonders wichtig.

Radspeichen des Auto-Union
Radspeichen des Auto-Union

Um den Detailgrad der Simulation zu präsentieren, hat Audi ein ganz besonderes Auto digital nachgebildet: Das Audi Union-Auto. Man achte bei dem entsprechenden Bild nur einmal auf die Spiegelungen und Kratzer auf der Radkappe. Technisch gesehen werden hier viele Ressourcen benötigt: Laut Audi sind pro Auto mindestens 5 Millionen Polygone im Gebrauch; angetrieben wird das Rechensystem von einem SLI-System zweier Nvidia Quatro M6000. Von der Leistung her entsprechen die M6000 der Titan X – letztere bietet lediglich nicht die optimierten Workstation-Grafiktreiber.

Ähnlich detailliert werden auch die aktuellen Autos werden – und das nicht nur in der Außenansicht: Per “Röntgenblick” ist auch das Betrachten des Motorraums möglich.

Audi VR Basisstation mit Oculus Rift, Controller und Drahtlos-Headset
Audi VR Basisstation mit Oculus Rift, Controller und Drahtlos-Headset

Autos könnt ihr selbstverständlich auch ganz normal bei Audi-Händlern ausprobieren – jedoch fehlt die exakte Ausstattung, welche mit Virtual Reality gezeigt werden kann. Für die Öffentlichkeit wird das ambitionierte Projekt auf der CES 2016 vorgestellt – unter anderem auf einer grafisch ansprechenden Mond-Umgebung. Wir werden dann weitergehend ausführlich darüber berichten.

Bei den Kollegen vom c’t gibt es ein vollständiges Interview mit Markus Kühne – er ist Projektleiter der Audi VR Expierience und erzählt, wie der Autokonzern dieser erst etwas abwegigen Idee zugestimmt hat.