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Autonome Autos: Deutsche Autohersteller und Zulieferer führend

Die deutschen Zulieferer Bosch und Continental sowie die Autohersteller Audi, BMW, Volkswagen und Daimler dominieren die Top 10 der Unternehmen, die weltweit die meisten Patente für autonome Fahrzeuge registrieren. Darüber hinaus gab es in den vergangenen Jahren enorm wichtige Kooperationen und Joint Ventures, mit denen sich die Hersteller auf miteinander kommunizierende Fahrzeuge (V2V) vorbereiten.

von Bernd Rubel am 28. August 2017

Die deutschen Automobilhersteller und Zulieferer führen weltweit die Liste der Patentanmeldungen für Autonome Autos an. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von fast 6.000 Patentschriften, die seit dem Jahr 2010 eingereicht wurden. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung haben die vermeintlich disruptiven Unternehmen aus dem Silicon Valley nur einen ausgesprochen geringen Anteil an den Patenten, die letztendlich das Ergebnis von jahrelanger Forschung und hohen Entwicklungsinvestionen sind.

Die Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat die entsprechenden Patente aus der PATENTSCOPE-Datenbank der World Intellectual Property Organization identifiziert. Patente, die unmittelbar mit mit autonomen Fahrzeugen in Verbindung gebracht werden konnten wurden ebenso berücksichtigt wie Patentanmeldungen, auf die eine bestimmte Kombination aus Suchbegriffen in den Patentunterlagen und Kategorien der internationalen Patentklassifikation zutrifft. Die Ergebnisse wurden unternehmensspezifisch ausgewiesen und nach Gruppen und Ländern konsolidiert, wodurch wiederum einzelne gemeinsame Anmeldungen – also Überschneidungen und Dopplungen – herausgefiltert werden konnten.

Von den insgesamt 5.839 Patentanmeldungen entfallen über die Hälfte (52 Prozent) auf klassische Automobilhersteller, fast ein Drittel wird den etablierten Zuliefer-Unternehmen zugerechnet. Unternehmen wie Apple, Tesla, Uber oder Google, die man normalerweise als besonders innovative Herausforder wahrnimmt, vereinen gemeinsam gerade einmal 7 Prozent aller Patentanmeldungen auf sich. Google ist das einzige Digital-Unternehmen, dass sich in den Top 10 platzieren konnte und maßgeblich für den Anteil der Silicon Valley Unternehmen verantwortlich.

In den Top 10 befinden sich sechs Unternehmen aus Deutschland, davon vier Automobilhersteller (Audi, BMW, Volkswagen, Daimler) sowie zwei klassische Zulieferer auf den Plätzen 1 (Bosch) und 3 (Continental).

Insgesamt entfallen bei den etablierten Automobilherstellern fast 47 Prozent der weltweiten Patente auf deutsche Anbieter. Bei den Zulieferern kommt Deutschland sogar auf einen Anteil
von circa 76 Prozent der globalen Patente. Die Zahl der Patente hat weltweit zuletzt deutlich zugenommen, insbesondere Ford scheint seine Ambitionen sehr stark auszubauen.

Aus der Tabelle wird nicht unmittelbar ersichtlich, dass eine Reihe von großen Automobilherstellern und Zulieferern mittlerweile in einem überraschend großen Umfang kooperieren. Die Autohersteller Audi, BMW und Mercedes-Benz haben mit HERE bereits vor Jahren eine gemeinsame Plattform für ihre Fahrzeuge gebildet, über die die Autos zukünftig in Echtzeit verkehrs-, sicherheits- und fahrzeugrelevante Daten austauschen werden. Zu den Partnern gehören mittlerweile neben Nvidia und Intel auch NavInfo und der chinesische Megakonzern Tencent. Der ehemalige Tesla-Partner Mobileye wurde in der Zwischenzeit von Intel übernommen, während der deutsche Automobilzulieferer Bosch bereits mit Nvidia kooperiert.

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Experten gehen davon aus, dass insbesondere der hohe Anteil an Fahrzeugen der Oberklasse für ein vergleichsweise hohes Innovationsniveau sorgt. Kunden dieser Fahrzeuge legen besonderen Wert auf die Sicherheit und das Vorhandensein von modernen Fahrerassistenzsystemen und dürften sowohl dem teilautonomen als auch dem irgendwann möglichen vollautonomen Fahren gegenüber aufgeschlossen(er) sein. Zugleich haben die deutschen Hersteller die Möglichkeit, diese Innovationen recht schnell in die mittleren und unteren Fahrzeugklassen zu integrieren, wo sich dann angesichts der höheren Zahl der verkauften Fahrzeuge neue Erlösmöglichkeiten ergeben.

Aktuellen Umfragen zufolge sind deutsche Autofahrer gegenüber vollautonomen Fahrzeugen noch vergleichsweise skeptisch eingestellt. Neben weiterhin bestehenden gesetzlichen Hürden gibt es ungeklärte Fragen zur Verantwortung der Hersteller und zur Entscheidungsgewalt eines Fahrzeugsystems, denen sich z.B. eine Ethikkommission widmet. Experten wie Wolfgang Wahlster vom renommierten Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) gehen dennoch davon aus, dass teil- und vollautonome Autos spätestens im Jahr 2021 zum Straßenbild gehören werden.

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