Don Dahlmann
Autonome Fahrzeuge – Die Gegner liegen falsch

Audi macht es. Mercedes auch. BMW sowieso. Selbst Volvo macht es schon länger. Die Rede ist von autonomen Fahrzeugen, die bald auf unseren Straßen fahren sollen. Die Gegner rüsten verbal auf, aber Recht haben sie nicht.

Audi macht es. Mercedes auch. BMW sowieso. Selbst Volvo macht es schon länger. Die Rede ist von autonomen Fahrzeugen, die bald auf unseren Straßen fahren sollen. Die Gegner rüsten verbal auf, aber Recht haben sie nicht.

2013 fuhr Mercedes mit einer leicht umgerüsteten S-Klasse autonom von Mannheim nach Pforzheim. In diesem Jahr schickte Audi den autonom fahrenden A7 auf eine 900 Kilometer lange Tour von San Francisco nach Las Vegas. Und Verkehrsminister Dobrindt will Teile der Autobahn A9 als Teststrecke für autonom fahrende Autos freigeben. Die Frage ist also nicht mehr ob selbstfahrende Auto kommen, sondern wann.

Die Hersteller halten sich in Sachen Prognose allerdings noch zurück. Der autonome Autobahnmodus wird für 2017 anvisiert – wenn denn die EU bis dahin eine Rechtsgrundlage für derartige Fahrzeuge schafft. Denn bisher gilt in Deutschland auch noch das Wiener Abkommen von 1968, in dem festgelegt ist, dass ein Fahrer jederzeit die volle Kontrolle über das von ihm bewegte Fahrzeug haben muss. Die UN hat zwar mittlerweile eine überarbeitete Version vorgelegt (pdf), ratifiziert ist sie aber noch lange nicht

Nicht wenige Autofahrer kommt die schleppende Gesetzgebung entgegen, denn sie finden die Idee autonomer Fahrzeuge eher so mittelgut.

Statistik: Können Sie sich vorstellen, in einem autonomen Fahrzeug unterwegs zu sein? | Statista

Und die Nachteile werden auch gleich benannt:

Statistik: Welche Probleme sehen Sie bei autonomen Fahrzeugen? | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Private Umfragen unter Kollegen bei Fahrveranstaltungen, ob sie denn ihr Leben einem autonom fahrenden Auto anvertrauen würden, reichten von „Och jo, mal sehen“ bis „Niemals!“. Nachfolgende Diskussionen erreichen dann auch gerne mal die Vehemenz jener Auseinandersetzung, die seinerzeit um die Gurtpflicht geführt wurden.

Die Argumente der Gegner reichen von „… und dann habe ich bei 200 km/h einen Blue Screen“ bis hin zu „Ich kann selber besser entscheiden, auch in Gefahrensituationen.“ Immerhin ein durchaus valides Beispiel dafür, warum autonome Fahrzeuge auch eine Gefahr sein könnten, brachte ein Bekannter ins Feld, der Flugzeugpilot ist.

Seine Maschinen fliegen seit Jahren mehr oder weniger alleine, selbst die Landung ist dank „Autoland“ oft eine Sache des Rechners. Und genau da, so der Bekannte, läge das Problem. Weil die Piloten immer weniger selber fliegen würden, seien einige in Gefahrensituationen, wenn der Rechner dann auch mal aussteigt, überfordert. Sie hätten einfach nicht mehr die Erfahrung, was zu tun ist und auch exzessives Training im Simulator würde daran nichts ändern. Das Problem hat mittlerweile derartige Auswüchse angenommen, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA sich genötigt sah, eine Sicherheitsempfehlung heraus zu geben, der Piloten aufgefordert wurden, doch mal wieder etwas mehr selbst zu fliegen.

autonom3Umgemünzt auf das Auto: Wenn ich jahrelang zu 95% nur noch gefahren werden, dann aber in einer Notsituation eingreifen muss, bin ich als Fahrer komplett überfordert. Ein Unfall wäre dann vielleicht zu verhindern gewesen, wenn der Fahrer mehr eigene Fahrerfahrung gehabt hätte. Das mag stimmen, gilt aber auch schon heute. Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Autofahrer vor allem ein Problem beim Bremsen haben. Die wenigsten wissen, wie massiv man auf das Bremspedal springen muss, will man den Wagen schnell zum Stehen bringen. Daher gibt es ja mittlerweile Bremsassistenzssysteme, die genau diese Arbeit übernehmen.

Ich halte aber fast alle Argumente, die sich gegen autonome Fahrzeugen wenden, für nicht stichhaltig. Autonome Fahrzeuge werden dafür sorgen, dass man in Zukunft sicherer und schneller unterwegs ist. Durch die kommende Vernetzung der Autos untereinander werden Verkehrsunfälle massiv reduziert. So wären Frontalzusammenstösse auf einer Landstrasse besser zu vermeiden, wenn die Wagen sich gegenseitig signalisieren würden, dass sie sich entgegen kommen. Ein riskantes Überholmanöver würde dann einfach durch die Steuerungselektronik geblockt. Gleiches gilt für Fahrer, die eine rote Ampel überfahren, auf der Autobahn gerne mal abrupt die Spur wechseln. Auch Massenunfälle auf der Autobahn mit Dutzenden von teilweise schwerverletzten Menschen wären eine Sache der Vergangenheit.

autonom4Schon jetzt sorgen Fahrassistenzsysteme dafür, dass die Zahl der Verkehrstoten massiv zurückgehen. 1970 gab es rund 21.000 Verkehrstote in Ost und West. 2013 waren es, trotz wachsenden Verkehrs, noch 3339 Tote. Und niemand würde wohl sein ABS aus dem Auto werfen, weil er denkt, er könne blockierende Reifen bei einer Vollbremsung besser kontrollieren als das System. Ähnliches gilt für Stabilisationsprogramme wie das ESP.

Autonome Fahrzeuge sind der nächste logische Schritt, wenn es darum geht das Fahren sicherer zu machen. Jeder, der schon mal in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt war oder sogar jemanden durch einen Autounfall verloren hat, kann nicht gegen die Einführung autonomer Fahrzeuge sein. Die fast kindische Angst vor einer neuen Technologie, die das Leben sicherer macht ist mir nicht verständlich und ich halte sie für geradezu gefährlich.

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