App Annie Report Q1/2015
Die beliebtesten Apps für iOS und Android im ersten Quartal 2015

Die Spezialisten von App Annie haben wieder einmal die internationalen App-Stores von Google, Apple und diversen Drittanbietern unter die Lupe genommen und präsentieren heute ihren vierteljährlichen Quartals-Report über die beliebtesten und erfolgreichsten Apps für die beiden Smartphone-Betriebssysteme. Mit den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Japan, Süd-Korea und Deutschland werden wichtige Märkte analysiert, die z.T. ganz unterschiedliche Vorlieben der Benutzer in diesen Ländern offenbaren.

Der Report erstreckt sich wie üblich über mehrere hunderttausend Apps, zig Milliarden (!) Downloads und mehrere Millionen Benutzer, genau das macht ihn so relevant. Zudem kategorisieren die Analysten die Apps, so dass man schnell einen Überblick über die tatsächlichen Interessen der Benutzer in bestimmten Ländern erhält.

Wer einen Überblick über einen wesentlich längeren Zeitraum benötigt, kann sich den Jahresreport 2014 von App Annie ansehen.

Wenig überraschend ist, dass das Thema “Kommunikation” auch bei Apps dominiert. Während klassische Kommunikationswege wie z.B. die SMS immer mehr an Bedeutung verlieren, nehmen Apps wie WhatsApp, Google Hangouts, der Facebook Messenger oder sogar Snapchat immer öfter deren Position ein.

Somit belegt dieser Bereich in fast allen Ländern die Spitzenposition, wenn es um die die Häufigkeit und Regelmässigkeit der Nutzung geht. Lediglich in den USA hat der separat betrachtete Bereich “Social” schon das oberste Treppchen erobert. Facebook, Twitter, Google+, LinkedIN und diverse kleinere Netzwerke gehören dort einfach längst zum Alltag, während sich dieser Bereich hierzulande immer noch mit dem undankbaren vierten Platz zufriedengeben muss.

Sehr aufschlussreich wird es, wenn man die anderen wichtigen Kategorien betrachtet. “News und Magazine” nehmen in Deutschland direkt nach dem Kommunikationsbereich den zweiten Platz ein – so etwas freut uns als Publisher natürlich ganz besonders, denn es zeigt eine im internationalen Vergleich grundsätzlich hohe Nachfrage nach Nachrichten, Neuigkeiten und Informationen. Danach folgen in Deutschland Produktivitäts-Apps wie z.B. Kalender, und auf dem fünften Platz “Tools”.

Auffällig ist, dass die Kategorie “Spiele” bei der Häufigkeit der Nutzung lediglich in Südkorea unter den ersten fünf Platzierungen landen konnte. Weder in den USA noch in den beiden europäischen Ländern nimmt diese Kategorie somit den Status ein, den man eventuell vermutet hätte – so häufig wird auf dem Smartphone oder Tablet dann eben doch nicht gezockt, zumindest nicht ausserhalb von Asien, siehe unten.

In nackten Zahlen: die meistgenutzte Kommunikations-App in den USA wurde siebenmal häufiger genutzt als die meistgenutzten Games oder auch Musik-Apps – das Smartphone ist und bleibt also – vorerst, und in der westlichen Hemisphäre – in erster Linie ein Kommunikationsgerät.

1 App Sessions nach Kategorie

Smartphone-Apps als Zeitfresser

Häufige Nutzung ist das eine, doch wie steht es um die tatsächlich verbrachte Zeit? Auch hier haben die Sozialen Netzwerke und Messenger die Nase vorn, insbesondere Facebook und das in den Vereinigten Staaten vergleichsweise unbedeutende WhatsApp teilen sich in Großbritannien und Deutschland die Spitzenposition. Der Chrome Browser ist selbstverständlich die erste Wahl zum Surfen auf ganz normalen Internetseiten und behauptet sich dementsprechend wacker. Mit Instagram, Line, Twitter, KakaoTalk und Daum kommen je nach untersuchtem Land weitere soziale Plattformen oder Messenger hinzu.

Top Apps nach Zeitverbrauch

Besonders hervorzuheben ist, dass spätestens hier internationale Unterschiede in der “Art und Weise” der Kommunikation zu beobachten sind. Deutsche, aber auch Japaner und Südkoreaner bevorzugen offenbar eindeutig die 1-zu-1 Kommunikation über einen Messenger wie WhatsApp, KakaoTalk oder Line – während sich besonders die US-Amerikaner weiterhin auf der zumindest in Teilen öffentlichen Plattform Facebook immer noch pudelwohl fühlen. Lediglich das bildlastige Snapchat kann hier unter iOS-Nutzern eine mehr oder wenige große Konkurrenz aufbauen.

Gespielt wird in Asien …

Games sind schon immer ein wichtiger Indikator für die Akzeptanz von Technik in einem Land oder in einer bestimmten Bevölkerungs- bzw. Altersgruppe, das hat sich seit den ersten Zocker-PCs bis zum heutigen Tage nicht geändert. Freizeit ist überall auf der Welt wertvoll, und wenn diese mit Spielen auf dem Smartphone verbracht wird sagt das viel über die Integration der Technik in den ganz normalen Alltag von Menschen aus.

In diesem Bereich werden viele App-Entwickler erneut ihren Blick Richtung Osten richten, denn einen signifikanten Anteil an der App-Nutzung haben Gaming-Apps nur in Asien. Japaner spielen mehr als siebenmal so häufig wie Briten und dreimal so häufig wie US-Amerikaner, und verbringen dabei mindestens viermal so viel Zeit.

Zeit in Games

Die Titel in beiden Ländern ähneln sich: während sich in Südkorea z.B. “Seven Knights” oder “Hero for Kakao” besonderer Beliebtheit erfreuen, können dort und in Japan auch z.B. Candy Crush Saga, Line Disney Tsum Tsum oder Anipang 2 ihre Position auf dem Bildschirm des Benutzers behaupten.

… und verdient wird mit Spielen

Dieses besondere Augenmerk auf Spiele ist besonders wichtig, weil Games einen erheblichen Anteil am Umsatz haben, der sowohl im iOS-Store als auch in den diversen Android-Portalen erwirtschaftet wird. In Japan und Südkorea liegt dieser Anteil am Umsatz bei satten 90%, in den USA und in Großbritannien – trotz der wesentlich geringeren Nutzung – bei immer noch siebzig bis achtzig Prozent.

Games sind also extrem wichtig für das “Eco-System” eines mobilen Betriebssystems, denn sowohl Apple als auch Google verdienen an jedem Sale ihren Anteil. Alljährlich liefern sich die beiden Platzhirsche im App-Business einen erbitterten Kampf um den Titel des Bestverdieners. Erst vor wenigen Tagen wurde dieser in einer neuen Studie Google bzw. Android zugesprochen.

Auch sogenannte In-App-Sales – also z.B. das Zukaufen von weiteren Spiele-Leveln oder ähnlichen Erweiterungen – haben einen erheblichen Anteil, der sich bei anderen Apps einfach nicht ergibt.

Umsatz mit Games in Prozent

Last but not Least sind Games mit ihrer z.T. schon sehr anspruchsvollen Grafik natürlich ein Antriebsmotor für die Entwicklung und Verfügbarkeit neuer Hardware. Smartphone-Hersteller mit immer besseren Prozessoren und immer größeren oder hochauflösenderen Displays haben natürlich auch die als besonders spendabel bekannte Zielgruppe der Gamer im Visier.

Schlechte oder teure Datenverbindungen behindern Apps

In regelmässigen Abständen wird eine Sau durchs Dorf getrieben, und diesmal wieder völlig zu recht: Deutschland bekleckert sich weder bei der Qualität noch beim Preisniveau mobiler Datenverbindungen mit Ruhm. Von einer flächendeckenden LTE-Versorgung wie in Japan oder Südkorea können wir hierzulande (bzw. “hier, auf dem Lande”) nur träumen – von echten, unlimitierten Daten-Flatrates zu einem akzeptablen Preis ganz zu schweigen. Und auch im Festnetz ist längst nicht alles so magenta-rosarot, wie es die Werbespots der grossen Anbieter versprechen.

Selbstverständlich hat dieser Zustand auch Auswirkungen auf die Nutzung von Apps. Der ein oder andere wird schon des Öfteren auf das Anschauen eines Youtube-Videos mit einem Blick auf das restliche Datenvolumen verzichtet haben. Und wenn die Festnetz- oder Kabelverbindung fürs heimische WiFi-Netzwerk mal wieder Richtung 56K- oder ISDN-Speed sinkt, macht auch keine App mehr wirklich Spaß.

In Zahlen heisst das: in Südkorea ist der mobile Datenverkehr um circa 35% höher als in den Vereinigten Staaten. Der schleppende LTE-Ausbau in Deutschland wiederum sorgt dafür, dass wir gegenüber den USA um nochmals 70% zurückfallen.

Die ebenfalls protokollierten Zahlen zum WiFi-Datenverkehr zeigen einen weiteren Effekt: zum einen gibt es hierzulande auch in den Großstädten weniger WiFi-Hotspots, was bekanntermaßen an den rechtlichen Restriktionen und Unsicherheiten liegt. Zum anderen wechseln viele Menschen, einmal zu Hause oder in der Firma angekommen, zum Desktop-PC oder Notebook und rufen Facebook, Youtube, die deutschen News-Angebote oder sogar WhatsApp am grossen Bildschirm auf – das Smartphone dient dann allenfalls noch als “Second Screen”.

Und zum Dritten machen viele Apps einfach wenig Sinn, wenn man sie nicht mobil und stationär gleichwertig benutzen kann – also verzichten viele Benutzer einfach ganz auf den Gebrauch, auch im heimischen WLAN.

5 Mobiler und WiFi Datenverbrauch

Die beliebtesten Apps auf dem iPhone

Mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, dass Facebook in China keine Rolle spielt. In den anderen untersuchten Ländern platziert sich das weltweit grösste Social Network auf den iPhones der Benutzer in den Top 3, muss sich aber z.B. hierzulande WhatsApp geschlagen geben. Wie o. bereits erwähnt: Deutsche, Japaner und Südkoreaner kommunizieren offenbar lieber “persönlicher” bzw. “direkter”.

An Youtube kommt keine andere App vorbei, wenn es um die multimediale Unterhaltung geht. Auch in Deutschland ist die Plattform – trotz der bekannten Beschränkungen durch die GEMA – längst angekommen und platziert sich hierzulande souverän auf dem dritten Platz. Ob die vergleichsweise starke Position im nächsten Quartal gehalten werden kann, ist hingegen ungewiss, denn die Besitzer älterer iPhones gucken bald in die Röhre.

Auch mobiles Online-Shopping (oder der schnelle Preisvergleich im stationären Handel) sind in Deutschland längst angekommen, wie die Positionen der eBay- und Amazon-App zeigen.

Twitter, Snapchat und Instagram spielen bei uns keine wichtige Rolle. Etwas überraschend finde ich, dass sich in den Top 10 keine Musik-Streaming App wie z.B. Spotify befindet, vergleichbar mit dem amerikanischen Platzhirsch “Pandora Radio” – Musik hören wir Deutschen also anscheinend immer noch auf anderen Geräten oder über auf dem Smartphone abgespeicherte MP3s.

Top Apps Apple iPhone Q1-2015

Die beliebtesten Apps auf Android-Smartphones

Fällt euch was auf im Vergleich mit den o. gelisteten iPhone-Apps? Richtig, Facebook rutscht ab, stattdessen platzieren sich verschiedene Google-Apps auf den ersten Postionen. Besonders die Google-Suche profitiert von ihrer Integration in das Android-OS und muss sich in Deutschland lediglich dem auch hier starken WhatsApp geschlagen geben. Maps und Youtube, der Chrome-Browser, Gmail, sogar die ungerechtfertigt als “Geisterstadt” verschrie(be)ne Social Plattform Google+ erreichen in der Android-Welt gute Platzierungen.

Top Apps Android Smartphones Q1-2015

Die beliebtesten Games für Android und iOS

Andere Länder, andere Games – möchte man meinen. Und tatsächlich hat jedes untersuchte Land hier seine eigenen Favoriten. Hierzulande dreht das “Quizduell” seine Runde in der Top 10 und kann sich sowohl auf dem iPhone als auch auf Android-Smartphones sogar zweimal in den Charts festbeissen.

Top-Titel wie “Candy Crush Saga” oder “Clash of Clans” dürften mittlerweile ebenfalls jedem bekannt sein, der sich irgendwann einmal ein Game aufs Smartphone geladen hat. Und ja, der “Flappy Bird”-Hype aus dem letzten Jahr scheint tatsächlich vorbei zu sein – schneller Aufstieg, schneller Fall. Aber auch andere Games mussten im Vergleich zum Jahr 2014 “Federn lassen” (wo wir schon mal bei Vögeln sind).

Top Games Apple iPhone Q1-2015

Top Games Android Smartphones Q1-2015

So, wie sieht es aus? Könnt ihr diese Top-Listen bei einem Blick auf euer eigenes Smartphone oder iPhone nachvollziehen? Habt ihr die selben Apps und Games auf dem Gerät oder vielleicht sogar eine interessante Neuentdeckung gemacht? Oder interessiert euch dieser ganze Social- und Messenger-Kram überhaupt nicht und ihr nutzt euer “Handy” ganz anders?

Schreibt es uns in die Kommentare.

Quelle: App Annie