Blackbar: Wenn Zensur unsere Gesellschaft bestimmt

Erdogan will die Satiresendung extra 3 zensieren, aber wir lassen uns das nicht gefallen. Blackbar für iOS und Android stellt sich der Frage: Wie würde die Welt wohl aussehen, wenn Meinungsfreiheit nicht im Grundgesetz verankert wäre?

Zensur ist in unserer Welt allgegenwärtig. Sei es in Filmen, die für den deutschen Markt geschnitten werden oder Videospielen, in denen Symbole oder ganze Spielmissionen abgeändert werden müssen, damit es dem deutschen Endverbraucher zumutbar ist. Auch wenn diese Beschränkungen oftmals nerven, haben wir in Deutschland doch in eigentlich allen anderen Bereichen die Möglichkeit uns unzensiert auszuleben.

Wir haben das Recht auf freie Meinungsäußerung, können uns mit wenigen Einschränkungen so an- oder ausgezogen zeigen, wie wir wollen und unsere Informationen bekommen wir ungefiltert im Internet und von der Presse. Weder Staat noch Kirche dürfen Einfluss auf unsere Presse nehmen oder gar Nachrichten zensieren.

Blackbar Screenshot (1)

In Ländern wie China sieht das schon anders aus. Die Kommunistische Partei zensiert hier nicht nur die lokalen und nationalen Medien, sondern auch das gesamte Internet. Seiten wie Google oder Facebook sind gesperrt und Nachrichtendienste oft gar nicht oder nur eingeschränkt aufrufbar. Journalisten, die Kritik an der Regierung üben, werden jedoch nicht nur zensiert, sondern oftmals sogar gleich inhaftiert.

Doch auch hier, in unserem direkten Umfeld, ist die Zensur der Presse plötzlich wieder ein Thema. Der türkische Staatspräsident Erdogan äußert seinen Unmut über einen Beitrag der deutschen Satiresendung extra 3 und der deutsche Botschafter wird ins Außenministerium bestellt, um sich dafür zu rechtfertigen. Extra 3 reagiert darauf mit noch mehr Satire und Erdogan will die Inhalte aus dem Netz nehmen lassen. Aber das geht nicht, denn wir lassen uns hier nicht einschränken.

Bedeutet Zensur Sicherheit?

Was wäre jedoch, wenn wir all diese Regeln zum Schutz unserer freien Meinung nicht mehr hätten? Das Spiel Blackbar thematisiert genau diese Vorstellung. In einer dystopischen Gesellschaft tauchen wir ein in die Kommunikation zweier Freundinnen, die vom Staat zensiert wird – zu ihrem eigenen Schutz versteht sich.

blackbarDoch finden die Konversationen nicht öffentlich, in einer Zeitung oder einem Blog statt, sondern in ihren privaten Briefen. Die Aufgabe des Spielers ist es dabei, die zensierten schwarzen Balken wieder mit den richtigen Worten zu füllen. Meist ergibt sich die Lösung aus dem Kontext, oftmals ist jedoch einiges an Knobelei von Nöten.

 

Je länger wir den Briefen folgen, desto brisanter wird die Geschichte und die Situation, in denen die Protagonisten stecken, und je mehr brisante Themen zur Sprache kommen, desto mehr Worte werden im Brief zensiert.

Da wir immer alle Worte auf dem Bildschirm herausknobeln müssen, um auf die nächste Seite zu gelangen, kann Blackbar manchmal etwas frustrierend werden. Doch dafür, die in den Briefen nur vage skizzierte Welt Stück für Stück zusammenzusetzen, lohnt sich die Mühe für Knobelfreunde allemal.

Blackbar
Blackbar
Entwickler:
Preis: 3,49 €
Blackbar
Blackbar
Entwickler: Colin Cornaby
Preis: 1,46 €

Leider gibt es im Deutschen noch einige schlecht, bzw. nicht übersetzte Passagen die das Worteraten an manchen Stellen erschweren. Wer also des englischen mächtig ist, spielt das Zensurrätsel vielleicht besser im Original, andernfalls müssen manche Worte nachgeschlagen werden.

Fazit:

Zensur ist einer der tiefsten Eingriffe, die ein Staat vornehmen kann, denn Meinungs- und Pressefreiheit sind wichtige Pfeiler der Demokratie. Gerade deshalb ist es so interessant, wie Blackbar spielerisch zeigt, wie bedrücken bis hin zu beängstigend sich Zensur anfühlen kann und wie schwer und gefährlich es ist, sich dagegen aufzulehnen. Ein fantastisches kurzes Intermezzo, für das Wortspiel- und Knobelfreunde auf jeden Fall einen Blick riskieren sollten.