BlackBerry Priv: Diese Gründe sprechen für ein physisches Keyboard

BlackBerry hat mit seinem Android-Smartphone für ein kleines Comeback der physischen Tastatur gesorgt und tatsächlich gibt es auch heute immer noch Gründe, die für eine solche Hardware-Tastatur sprechen - wir nennen sie euch.
von Carsten Drees am 28. Dezember 2015

Wenn ihr irgendwann mal eure physische Tastatur auf dem Mobiltelefon geliebt habt, könntet ihr euch heute unter Umständen ein wenig alt vorkommen. Denn mittlerweile leben wir in einer Welt, in welcher mehr Menschen auf einem Touch-Panel getippt haben als auf „echten“ Tasten. Daher ist es auch fast schon ein wenig überraschend, dass wir im Jahr 2015 so etwas wie ein kleines Comeback dieser physischen Tastatur feiern. Wir haben zum Beispiel von Samsung Keyboard Cases für das Note 5 sowie das S6 Edge+ gesehen. Hauptverantwortlich dafür, dass wir auch in diesem Jahr noch über solche Tastaturen reden, ist aber selbstverständlich das BlackBerry Priv.

Das Priv ist eben nicht nur das erste BlackBerry-Smartphone mit Android, sondern auch ein klares Bekenntnis des kanadischen Unternehmens zur Hardware-Tastatur. Sprechen wir über diese Art der Smartphone-Keyboards, dann wird als Vorteil oft und gerne davon gesprochen, dass man darauf schneller tippen kann als auf einer Software-Tastatur.

Daher jetzt die schlechten Neuigkeiten für diese Hardware-Fraktion: Nein, stimmt nicht! In den heutigen Zeiten mit oftmals sehr pfiffigen Ideen für die Umsetzung einer solchen Touch-Tastatur kann die Hardware-Variante nicht mehr mit Tempo punkten. Aber abseits von der reinen Nostalgie gibt es dennoch durchaus ein paar Punkte, die für die echten Tasten sprechen – wir nennen euch gleich mehrere:

1. Muskelgedächtnis: Wenn der Körper einen immer gleichen Bewegungsablauf absolviert, setzt das motorische Lernen ein. Unser Muskelgedächtnis sorgt dann dafür, dass wir einem motorischen Prozess weniger Aufmerksamkeit schenken müssen – so, wie wir beim Gehen zum Beispiel nicht darüber nachdenken, wie wir jetzt am besten einen Fuß vor den anderen setzen. Bezogen auf das Smartphone mit Hardware-Tastatur bedeutet das, dass es für uns leichter ist, blind zu tippen, weil uns auch diese Bewegungen in Fleisch und Blut übergehen. Somit müssen wir nicht wie ein Zombie mit dem Blick nach unten durch die Straßen ziehen, sondern können sowohl tippen als auch gleichzeitig unsere Umwelt wahrnehmen.

Noch ein Punkt, bei dem euch das Muskelgedächtnis zur Hilfe eilt: Müsst ihr zum Tippen schon mal die Brille aufsetzen, damit ihr jeden Buchstaben oder jedes Zeichen auf einer Software-Tastatur erkennen könnt? Größer werden die Beschriftungen auf einer Hardware-Tastatur natürlich auch nicht, aber die zusätzliche Haptik und dadurch die Möglichkeit, die Tasten durch Fühlen voneinander unterscheiden zu können, erleichtert das Schreiben und könnte zusammen mit der höheren Präzision durch das Muskelgedächtnis dafür sorgen, dass die Brille beim Tippen in der Tasche bleiben kann.

BlackBerry Priv

2. Mehr Platz auf dem Display: Ein Slider wie das BlackBerry Priv hat den Vorteil, dass ihr sowohl ein großes Display als auch eine separate Hardware-Tastatur vorfindet. Eine Software-Tastatur überlagert große Teile des Displays, beim Priv ist das nicht der Fall und ihr könnt viel mehr Text lesen, ohne scrollen zu müssen.

3. Keyboard = Touchpad: BlackBerry ist bekannt für seine starken Tastaturen und hat in diesem Bereich für so manche Innovation gesorgt. Dazu gehört zweifelsohne auch, dass ihr die Tastatur nicht nur zum Tippen nutzen könnt, sondern auch als Touchpad nutzen könnt, um auf dem Display zu manövrieren und den Cursor punktgenau zu platzieren.

BlackBerry Priv 006

4. Der Sound: Wir kennen es aus dem Automobilbereich: Dort werden eigens Sound-Designer beschäftigt, die beispielsweise dafür sorgen, dass die sich schließende Autotür einen besonderen Sound macht. Gut möglich, dass so jemand auch bei der Entwicklung des BlackBerry Priv zum Einsatz kam, denn sowohl beim Aufspringen als auch beim Zurückschieben macht die Tastatur des Priv einen höchst befriedigenden Sound.

Dieses Gefühl, dieses haptische Feedback des Slider-Mechanismus, der mit einem dumpfen Klack einrastet. Mich würde angesichts dieser Tatsache nicht wundern, wenn hier sogar Soundengineers Hand anlegen durften, die wir bisher nur aus der Automobilindustrie kannten. Klasse! Sascha Pallenberg

5. Weniger Fehler: Ihr könnt unter Umständen einfach auf die Autokorrektur verzichten. Gerade, wenn man oft Passwörter, Namen, URLs oder hin und wieder mal in einer anderen Sprache schreibt (aber eben nicht so oft, dass sich der Multi-Language-Support lohnt), kann einem die Autokorrektur mit unpassenden Vorschlägen einen ordentlichen Strich durch die Rechnung machen. Verzichtet ihr nun auf die Autokorrektur, habt ihr mehr Kontrolle über das, was ihr schreibt.

7. Besseres Tippen mit langen Fingernägeln: Mehr ein Thema für die Damen. Mag sein, dass ein Touchscreen mit Handschuh-Modus dafür sorgt, dass auch Frauen mit langen Fingernägeln unkomplizierter tippen können – das ist aber immer noch nicht dasselbe, als würde man auf einer physischen Tastatur schreiben. Auch hier hat das BlackBerry Priv gegenüber Touch-only-Smartphones die Nase vorn.

Auch, wenn wir euch jetzt hier ein paar Vorteile einer „echten“ Tastatur aufzählen konnten, heißt das natürlich nicht, dass wir nicht mehr ohne physisches Keyboard leben können oder wollen. Sobald man wieder ein anderes Smartphone nutzt, fühlt man sich auch dort wieder direkt heimisch. Aber wir können zumindest erkennen, dass es da eine Nische gibt, in der es sich BlackBerry bequem machen könnte mit seiner Kombination aus Hardware der Spitzenklasse mit physischer Tastatur, den eigenen Security-Features und den unzähligen Möglichkeiten, die sich durch Android erschließen.

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Durch das letzte große Software-Update in diesem Monat wurde so mancher kleinerer Fehler des BlackBerry Priv beseitigt, was auch für die Kamera gilt und das Priv somit noch ein Stückchen besser macht (Lest dazu auch unseren BlackBerry Priv Test). Dennoch muss sich auch Nicole jetzt bereits wieder mit dem nächsten Smartphone beschäftigen und ist durchaus der Meinung, dass sie das Priv samt Tastatur ein wenig vermissen wird – und das sagt sie sicher nicht nur, weil sie Kanadierin ist ;)