„Bompeln“: Boden-Ampeln für Smartphone-Nutzer

In Augsburg will man den Straßenverkehr für Smartphone-Nutzer sicherer gestalten, indem man "Bompeln" - Boden-Ampeln - in der Straße versenkt. Mit diesen blinkenden LED-Leuchten will man dafür sorgen, dass Passanten auch dann das rote Ampel-Signal sehen, wenn der Blick zum Boden gerichtet ist. 

Erst kürzlich berichteten wir über eine Dekra-Studie, die sich mit Smartphone-Nutzern im Straßenverkehr befasst. Faktisch werden die Straßen zusehends öfter von Passanten bevölkert, die auch beim Überqueren der Straße ihre Konzentration zu sehr auf das Smartphone richten statt auf den Verkehr. Diese schlechte Angewohnheit erhöht das Unfallrisiko, sowohl die betreffende Person als auch alle anderen Verkehrsteilnehmer werden durch dieses Verhalten in Gefahr gebracht.

In Augsburg hat man das ebenfalls beobachtet und versucht es nun mit einem ziemlich smarten Move: Als Pilotprojekt an zwei Standorten (an der Haltestelle Haunstetter Straße und am Überweg zur Haltestelle Von-Parseval-Straße) haben die Stadtwerke Augsburg LED-Leuchten im Boden installiert, die durch rotes Blinken auf eine passierende Straßenbahn aufmerksam machen. Damit reagiert die Stadt auf das veränderte Verhalten der Fußgänger, deren Blick auch an Ampeln durch das Smartphone oft auf den Boden gerichtet ist.

LED-Lichter auf der Straße
Test der Stadtwerke: Blinkende LED-Leuchten im Boden sollen Smartphone-Nutzer auf das Rotlicht der Ampel am Fußgängerüberweg der Straßenbahnhaltestelle Haunstetter Straße hinweisen.
Foto: swa / Thomas Hosemann

Hinweise in Augenhöhe – also das übliche Ampel-Signal – werden immer öfter nicht wahrgenommen, so dass nun mit diesen LEDs experimentiert wird, die auch wahrgenommen werden, wenn man nach unten schaut. N-TV berichtet über dieses Pilotprojekt mit dem Kunstwort „Bompel“, welches sich aus Boden und Ampel zusammensetzt. Klingt einigermaßen behämmert, gerade im Kontext mit „Smombies“ – den Smartphone-Zombies, wie diese Fußgänger auch bezeichnet werden. Die Idee an sich hingegen klingt aber alles andere als behämmert, wenn ihr mich fragt. Natürlich sollte jeder Verkehrsteilnehmer seine volle Konzentration auf die Geschehnisse auf den Straßen richten, aber die Welt verändert sich, die Technologien verändern sich – und im Endeffekt verändern diese Technologien eben auch unsere Gewohnheiten.

Daher finde ich den Schritt, auf das veränderte Sichtfeld zu reagieren, absolut nachvollziehbar und recht clever. Unabhängig davon, dass Smartphone-Nutzer davon profitieren, bietet dieses rot blinkende LED-Licht für alle Verkehrsteilnehmer eine höhere Sicherheit, da es schließlich für jedermann auch aus größerer Distanz gut sichtbar installiert wurde.

Bompeln

Ich hoffe, dass sich diese Tests in Augsburg als erfolgreich herausstellen und dann auf weitere Standorte ausgeweitet werden. Funktioniert die Idee, dann werden mit Sicherheit auch andere Städte darüber nachdenken, es den Augsburgern gleichzutun. Natürlich sollen Smartphone-Nutzer auf diese Weise nicht noch zusätzlich ermutigt werden, weiter aufs Display zu starren. Aber wenn sich herausstellt, dass das klassische Ampel-Modell überholt ist und es sinnvollere Lösungen oder Ergänzungen gibt, dann sollten auch neue Wege beschritten werden.

Quelle: Stadtwerke Augsburg via N-TV