BYOD an deutschen Schulen: Lösung oder neues Problem?

“54 Prozent der Schüler sind mit dem Zustand der Computertechnik unzufrieden.” – Dieses markige Zitat stammt aus den Ergebnissen einer Umfrage, die der Branchenverband BITKOM in Kooperation mit der Fachmesse Learntec durchgeführt hat. Unter dem Titel “Digitale Schule – vernetztes lernen” wurden 512 Schüler weiterführender Schulen repräsentativ ausgewählt und befragt. Die Ergebnisse zeigen nicht nur wachsende Unzufriedenheit mit der Ausstattung, sondern auch einen Trend zu Bring Your Own Device (BYOD). Da stellt sich die Frage: Ist der Einsatz eigener Computer und Tablets durch Schüler tatsächlich die Lösung des Ausstattungsproblems? Oder bringt er weitere Probleme mit sich?

BYOD Laptop

Egal wie die Antwort ausfällt: Der Einsatz privater Laptops und Tablets im Unterricht ist längst im Alltag der weiterführenden Schulen angekommen. Die folgende Grafik aus der BITKOM/Learntec-Studie zeigt, dass bereits 35 Prozent aller befragten Schüler ihren Laptop in der Schule nutzen. An Universitäten und Hochschulen liegt der Anteil meiner Erfahrung nach oft noch deutlich höher.

BITKOM

Natürlich bedeutet das nicht, dass die Geräte ausschließlich für den Unterricht oder Mitschriebe verwendet werden, doch ein Großteil der Zeit dürfte der Arbeit im Unterricht oder für Schulprojekte gewidmet sein. Schulen und Universitäten haben den Trend durchaus erkannt und reagieren darauf – nur leider nicht immer positiv.

Manche Schulen verbieten beispielsweise die Nutzung privater Laptops, Tablets und Smartphones im Unterricht vollständig, oft jedoch ohne entsprechende Geräte selbst zur Verfügung zu stellen. Andere Schulen äußern sich gar nicht zum Einsatz der Geräte und überlassen den Lehrern den Umgang damit. Die Umfrage von BITKOM und Learntect zeichnet hier ein – nach dem Feedback in manchen Neuland-Podcast-Ausgaben – überraschendes Bild: 64 Prozent der befragten Schüler sehen bei ihren Lehrern eine positive Grundhaltung und Offenheit gegenüber digitalen Medien.

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BYOD: Sinnvoller Einsatz braucht (didaktische) Kompetenz

Das größte Problem beim BYOD-Ansatz im schulischen Bereich ist aktuell, dass der erfolgreiche Einsatz und die sinnvolle Integration der Geräte in den Unterricht noch zu stark von den Lehrkräften abhängen. Ihre Kompetenz und Affinität wird natürlich relevant sein, doch aktuell spielen digitale Medien in Studium und Ausbildung von Lehrern und Dozenten keine prominente Rolle.

Schüler müssen heute daher darauf hoffen, dass sie einen digital affinen Lehrer – die es zahlreich gibt, keine Frage – antreffen der dann noch dazu in der Lage ist, digitale Medien didaktisch gut in den Unterricht zu integrieren. Solange digitale Medien nicht standardmäßig Teil der Lehrerausbildung und -studiengänge sind, wird sich das auch nicht nachhaltig ändern.

Effektiv begrenzen lässt sich der Einsatz privater Laptops und Tablets nur durch die Bereitstellung passender Geräte durch die Schulen und den verstärkten Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Eine Forderung, die 70 Prozent der befragten Schüler vertreten. Das Potenzial des BYOD-Ansatzes ist – so lange die IT-Ausstattung deutscher Schulen noch zu wünschen übrig lässt – enorm. Die Umsetzung sollte jedoch deutlich strukturierter und systematischer geschehen, als es aktuell der Fall ist. Einen Lichtblick gibt es jedoch: Digitale Tafeln werden 2014 deutlich stärker genutzt als noch 2010. Die vorhandenen Mittel werden also durchaus sinnvoll eingesetzt.

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Um private Laptops und Tablets sinnvoll in den Unterricht zu integrieren, haben sich Lehrern, Referendaren und Dozenten in meinem Kollegen- und Bekanntenkreis einige Grundsätze bewährt:

  • Den Einsatz und die Nutzung der Geräte offen im Klassenverbund ansprechen.
  • Klare Regeln aufstellen – idealerweise zusammen mit Schülern und Studenten erarbeiten – und durchsetzen.
  • Die Geräte aktiv in den Unterricht integrieren und ihre Möglichkeiten bei Recherche, Projekt-Arbeiten und -Präsentationen nutzen.
  • Bewusst Zeiten und Aufgaben setzen, die offline und analog durchgeführt werden sollen.
  • Die vorhandenen Geräte sinnvoll auf Arbeitsgruppen verteilen.
  • Als Lehrer selbst die verfügbaren digitalen Medien für den Unterricht einsetzen.

Die Erfahrung zeigt: Werden Laptops und Tablets aktiv in den Unterricht eingebunden, können sie die Arbeit der Schüler und Studenten erleichtern und aufwerten. Eine systematische, schulweite Integration in ein klares Konzept wäre zu bevorzugen, doch solange das nicht vorhanden ist, liegt es in der Hand der Lehrkräfte, das Beste aus den verfügbaren Ressourcen zu machen. BYOD kann hier helfen.

Bildnachweis: contrastwerkstatt by fotolia.com, BYOD Laptop by chromebookblog.de, Grafiken von BITKOM.org