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Byton K-Byte Concept: Das zweite Elektroauto der Chinesen wird eine Limousine

K-Byte wird das zweite Elektroauto des chinesischen Autoherstellers heißen, der unter deutscher Führung den Markt erobern will. Auch der bereits bekannte Premium-SUV erhielt nun einen Namen: Er kommt vorher, folgt aber im Alphabet als M-Byte. Das neue Premium Sedan ist etwas experimenteller und lotet aus, wie man Sensorik und Co. als Designelemente nutzen kann.

von Bernd Rubel am 12. Juni 2018

Der chinesische Autohersteller Byton hat am Vorabend der CES in Shanghai sein zweites Elektroauto vorgestellt. Zur Weltpremiere der K-Byte Concept Limousine erhielt auch der bereits bekannte SUV seinen Modellnamen: Er wird als M-Byte in die anstehende Serienproduktion gehen. Zu den wenigen technischen Daten, die bisher zum K-Byte vorliegen, gab es eine Reihe von Einsichten in die momentane Entwicklung des Unternehmens.

Der Byton K-Byte Concept wird eine in der Seitenansicht klassische Limousine mit entsprechenden Abmessungen. Bei einer Länge von 4,95 Meter, einer Breite von 1,95 Metern und einer Höhe von 1,50 Metern soll der Radstand bei 3 Metern liegen.

In der Frontansicht nimmt der K-Byte Concept Design-Elemente auf, die man bereits beim Byton M-Byte sehen konnte. Unter dem dominanten Schriftzug befindet sich das Logo, das wiederum links und rechts in der insgesamt durchgehenden Fläche von den Scheinwerfern eingefasst werden. Die durchgehende Fläche, das “Smart Surface”, ist von Lichtlinien als Tagfahrlicht durchzogen, die der ganzen Front etwas dreidimensional-dynamisch “Lebendiges” geben. Der Wiedererkennungseffekt im Rückspiel dürfte damit gewährleistet sein, was für eine neue Marke ein nicht zu unterschätzender Faktor ist.

Die im direkten Vergleich mit dem M-Byte langgezogene Form, die sich hoch ins Dach ziehende Heckscheibe und insbesondere das Panorama-Glasdach bieten enorm viel Fläche für natürliches Licht in der Fahrerkabine. Die dahinterstehende Idee ist, dass die Insassen in einem zukünftig selbstfahrenden Auto ihre Aufmerksamkeit nicht auf die vor ihnen liegende Fahrbahn richten müssen, sondern viel öfter ihre Umgebung wahrnehmen können.

“Neue Technologien wie der Elektroantrieb oder Sensoren für autonomes Fahren gelten heute als neue Symbole und Herausforderungen im Automotive Design. Die Chrome-Grills, Gummispoiler und Doppelendrohre, die ich als kleiner Junge toll fand, sind längst anderen Fahrzeugattributen gewichen – zum Beispiel eben Sensoren, Kameras oder hochauflösenden Displays. Diese Elemente kann man jedoch genauso selbstbewusst in Szene setzen und sie als Design-Statements für digitale Power nutzen.” Benoit Jacob, VP und Chefdesigner Byton

Auf den bisher bereitgestellten Bildern des K-Byte Concept sieht man gut die LIDAR-Sensoren, die gemeinsam mit Kameras, Radar, etc. die Daten und Signale für den autonomen Modus erfassen. Im Vergleich zu anderen Autoherstellern integriert Byton die Sensoren geradezu prominent und keineswegs unauffällig. Die Message ist klar: Hier fährt High-Tech.

Ob sich die unterhalb der Seitenspiegel angebrachten “LiGuards” in der Serienversion durchsetzen werden muss man sehen, das hängt in vielen Ländern von den Zulassungsnormen für Karosserien ab. Zudem weist Byton ausdrücklich darauf hin, dass der K-Byte Concept wesentlich experimenteller als der M-Byte ist, der von Beginn an sehr nah an der Serienversion war. Der Grundgedanke ist aber interessant, denn die auffällige Sensorik soll zugleich Signale an die Umgebung angeben und z.B. Fussgänger darauf hinweisen, dass das Fahrzeug gerade einparkt. Blinker 5.0, sozusagen.

Die Chinesen hatten kürzlich verkündet, dass man ebenso wie Volkswagen eine Kooperation mit den umtriebigen Entwicklern von Aurora eingegangen sei, um deren Technologie für selbstfahrende Autos zu nutzen. Bereits 2020 will man eine Flotte von Testfahrzeugen einsetzen, die im SAE-Level 4 vollautomatisiert, aber immer noch mit einem Lenkrad und Pedalen für menschliche Fahrer unterwegs sind. Nach erfolgreichen Tests soll die Technologie in die Serienproduktion einfließen.

Im Rahmen der Vorstellung des K-Byte Concept gibt Byton auch ein paar Einblicke in die zukünftige Vertriebsstrategie. Ein Direktvertrieb soll es werden, dazu eröffnet man bereits bis zum Jahresende den ersten Store in Shanghai. Schon bis Ende 2019 soll es in ganz China zwischen 25 und 30 dieser Stores geben, danach folgt die Expansion in Europa und in Nordamerika.

Bereits mit dem Betreten der Stores dürfte deutlich werden, dass Byton die eigenen Fahrzeuge aus einer “ganzheitlichen” Kundenperspektive am Markt positionieren will. Interessenten können sich über ihr Smartphone im Store einloggen, werden “Teil” der “Community”, “lernen” das Fahrzeug kennen, das für sie “personalisiert” konfiguriert ist. Das auch im K-Byte Concept riesige Display demonstriert ohnehin, dass “das Auto” de facto ein Digital Device ist. In den Stores soll man dementsprechend auf Bildschirmen und in Simulationen verschiedene Szenarien erkunden, die man auf einer klassischen Testfahrt nicht durchführen würde. Handbuch 5.0 … sozusagen.

Wie weit die Fokussierung auf den Kunden (bzw. Fahrer) geht, kann man am ebenfalls vorgestellten “BYTON Co-Creator” Programm erahnen. Das Unternehmen wird Menschen mit einem professionellen Hintergrund und technischem Fachwissen in die fortlaufende Entwicklung der Fahrzeuge einbeziehen und ihr Feedback für den Design-Prozess, die User-Interfaces und die Services nutzen. Dabei ist man von Beginn an international aufgestellt: Schon im Juli wird eine Gruppe von “Co-Creators” is Design-Center nach München eingeladen und soll dort sowohl am Exterieur als auch am Interieur der Fahrzeuge “arbeiten”.

Unterdessen soll die Errichtung der Fertigungsstätte in Nanjing Plant weiterhin planmäßig voranschreiten. Bereits im April habe man die Versuchsbereiche der Schweißlinie, des Fließbands und der Qualitätsprüflinie abgeschlossen, in der vorletzen Mai-Woche sei dann der erste Prototyp vom Band gelaufen. Bis zum Jahresende werde man insgesamt einhundert Prototypen gefertigt haben, mit denen dann die weiteren Tests durchgeführt werden.

Das dazu notwendige Kapital habe man in einer weiteren Finanzierungsrunde eingesammelt, nsgesamt 500 Millionen US-Dollar konnte man diesmal buchen. Neben der der FAW Group haben sich u.a. TusHoldings, der chinesische Batteriehersteller CATL, der Technologiekonzern Baidu, China Merchants Capital und der Jiangsu “One Belt and One Road” Fund an Byton beteiligt.

Und sonst: Nope. Angaben zur Akkukapazität, zur Reichweite und anderer Schnickschnack liegen zum K-Byte Concept noch nicht vor, was eigentlich gar nicht so verwundert. Momentan schreitet die Entwicklung in allen erdenklichen Bereichen ziemlich schnell voran – vermutlich wollen sich die Chinesen unter BMW-Führung weder in die Karten gucken noch an heutigen Maßstäben messen lassen. Festzuhalten bleibt: Schönes Auto, bisher alles im Plan, spannende Zeiten.