Calliope mini Bildungsplatine – der deutsche BBC micro:bit?

Während noch sehr intensiv über die theoretische Frage einer Digitalisierung der Schulen und des Unterrichts diskutiert wird, passiert schon einiges in dieser Richtung. Calliope mini gehört dazu, dieser Mini-Computer soll im kommenden Jahr allen Drittklässlern im Saarland bereit gestellt werden.

Die Ankündigung eines Digitalpakts von Bundesbildungsministerin Wanka hat für reichlich Diskussionen gesorgt, vor allem die Kritiker meldeten sich lautstark zu Wort. Dabei zeigt gerade der Calliope mini sehr deutlich, dass Kritiker wie Josef Kraus und Manfred Spitzer in der Vergangenheit leben. Denn die „böse Digitalisierung“ passiert bereits.

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Die Hardware

Calliope mini ist eine einfache Platine, die vor allem mal durch die Form auffällt, auf der sich neben dem Prozessor auch direkt schon LEDs, Schalter und Sensoren befinden, so dass erste Experimente sofort und ohne weiteres Zubehör möglich sind. Aber natürlich kann auch weiteres Zubehör angeschlossen werden, zum Beispiel Motoren und der Calliope mini so zur Steuerzentrale eines kleinen Roboters gemacht werden. Programmiert wird der Calliope mini über einen Desktop-Rechner oder per App über Smartphone und Tablet, die Programme können dann per USB oder Bluetooth auf das Board übertragen werden.

Das Board enthält ein 5×5-Feld mit roten LEDs, eine RGB-LED, zwei Knöpfe als frei belegbare Schalter, einen Resettaster, einen Kompass, einen Bewegungsensor und einen Beschleunigungssensor. Die Ecken sind Kontakte, davon zwei zum Anschließen einer Batterie und vier für weitere Sensoren, zwei davon sind berührungsempfindlich. Dazu kommen zwei Grove-Connectoren für Erweiterungen, Lautsprecher und ein Mikrofon. USB und Bluetooth sorgen dafür, dass die selbst entwickelten Programme auf das Board übertragen werden können und angetrieben wird das alles von einem Nordic-Prozessor vom Typ nRF51822.

Die Kernbotschaft
„Digitale Souveränität und Spaß beim Coden.“

Es ist also deutlich: Hier geht es nicht um die reine Anwendung von Computern und das Erlernen von Office-Software, sondern ganz klar um Programmierung und die Grundlagen der Computertechnik. Und die Entwickler der Calliope gGmbH haben das durchaus ambitionierte Ziel, dass in Zukunft alle Grundschüler in Deutschland so einen Mini-Rechner bekommen und damit die Grundlagen der IT nicht nur theoretisch lernen, sondern ganz praktisch ausprobieren können. Stephan Noller aus dem Calliope-Team hat hier eine sehr klare Vorstellung davon, welche digitalen Fertigkeiten Schule heute vermitteln sollte.

Vorbild dabei ist ganz eindeutig der britische BBC micro:bit, eine andere Experimentierplatine, der kostenlos an rund 1 Millionen britische Schüler ab der 7. Klasse verteilt wurde. Warum nicht direkt diese Platine übernommen wurde, beantworten die Entwickler in ihren FAQ:

Zwei wesentliche Gründe sprachen dagegen: Zum einen ist die Kontaktleiste beim microbit so angeordnet, dass GrundschülerInnen ständig Kurzschlüsse verursachen würden – die Kontakte liegen viel zu nah beieinander (das ist der Hauptgrund für die andere Form des mini). Zum anderen fehlen auf dem microbit aus unserer Sicht ein paar wichtige Bauteile um SchülerInnen in der Grundschule mit tollen Experimenten zu versorgen, insbs. der Lautsprecher, eine RGB LED und ein Mikrophon.

Software und Lehrmaterial

Trotzdem wurde bei der Entwicklung des Calliope mini auf Kompatibilität mit dem britischen Verwandten geachtet, so dass Tools und Programme für die micro:bit Plattform auch auf dem Calliope mini verwendet werden können. Es muss also nicht komplett bei 0 angefangen werden. Und natürlich wird auch an speziellem Lehrmaterial gearbeitet, es werden also nicht nur Schulen mit Platinen beschmissen, damit die mal schauen, was daraus wird. So soll es „von Online-Tutorials bis zu gedruckten Büchern und Klassenkisten“ alles geben – zumindest mittelfristig. Vieles davon auch auch direkt zum Download, da den Entwicklern OER (open education ressources) wichtig sind, weswegen auch bei dem Projekt wo möglich bei Hardware, Software und Begleitmaterial die cc-by-sa Lizenz verwendet wird.

caliope_mini_02

Start im Saarland

Losgehen soll es also im Saarland: Zum nationalen IT-Gipfel am 16. November soll das Projekt vorgestellt werden und das Saarland, Gastgeber des Gipfels, wird dann ankündigen, dass im kommenden Jahr bereits jedem Drittklässler ein Calliope mini bereit gestellt werden soll. “Im kommenden Jahr” bedeutet aber natürlich im Zweifelsfall erst im Schuljahr 2017/2018, aber immerhin. Wie genau die Verteilung ablaufen soll und vor allem, wie die Platine im Unterricht eingesetzt werden soll, wird dann hoffentlich auch dazu gesagt. Sollte die Landesregierung sich da schweigsam zeigen, dann wird mit Sicherheit die Opposition im entsprechenden Ausschuss für Bildung, Kultur und Medien (BKM) nachfragen.

Zukunft

Ziel ist es, das Board fest in den Schullalltag zu integrieren, nach den Grundschulen sollen auch weiterführende Schulen mit einbezogen werden. Und spätestens hier stellt sich die Frage: Was kostet das und wer soll es bezahlen? Das Team von Calliope setzt hier auf eine Anschubfinanzierung durch Unternehmen und Stiftungen, wobei die Kosten eines Boards aus der Serienproduktion bei 10-15 Euro liegen sollen.

Viele Schulbücher kosten deutlich mehr, andererseits können wir alle uns daran erinnern, wie lange so ein Buch in der Schule oft in Gebrauch ist, bevor es ersetzt wird. Langfristig wird es also dringend notwendig sein, dass die Länder hier in Sachen Digitalisierung der Schulen solche Projekte wie den Calliope mini einplanen und sich nicht auf Dauer darauf verlassen, dass es schon Firmen und Stiftungen geben wird, die das Geld dafür bereit stellen.