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Carsharing: Daimler und BMW wollen mit Car2Go und DriveNow fusionieren

Die beiden Fahrzeughersteller Daimler und BMW wollen angeblich ihre beiden Carsharing-Dienste Car2Go und DriveNow zusammenlegen. Kurz- und mittelfristig könnte das vor allem für die beiden Unternehmen zu Kosteneinsparungen führen, langfristig betrachtet ist das eine zukunftsweisende Kooperation. Die Bedeutung von Carsharing-Diensten und anderen Services soll in den kommenden Jahren vor allem in Städten und Ballungsräumen enorm zunehmen. [Update: Dementi von DriveNow am Ende des Artikels]

von Bernd Rubel am 15. Dezember 2016

Die beiden Automobil-Schwergewichte BMW und Daimler wollen angeblich ihre Carsharing-Dienste Car2Go und DriveNow fusionieren. Einerseits soll das selbstverständlich Kosten sparen, andererseits könnte das die lokalen, nationalen und internationalen Versorgungslücken für die Kunden der bisher miteinander konkurrierenden Dienste schließen.

Kooperationen in der Automobilindustrie sind nicht neu und im Vergleich zu vielen anderen Industriezweigen eine der Stärken der Branche. Angefangen bei gemeinsamen Entwicklungen von Zubehörteilen bis hin zur Auftragsvergabe für die Fertigung ganzer Motoren bilden sich mitunter Zusammenschlüsse, die – sofern sie nicht in einer Übernahme enden – von der Öffentlichkeit in der Regel kaum beachtet werden.

Die in den kommenden Jahren prognostizierten Herausforderungen für die Fahrzeughersteller werden diese Entwicklung vermutlich noch verstärken und z.B. dazu führen, dass man sich auf die gemeinsame Suche nach Technologiepartnern im Bereich Batteriezellen-Fertigung oder Sensorik begibt. Carsharing-Angebote wiederum sind kurz- und mittelfristig ein elementarer Bestandteil aller Planer, die sich mit (vorwiegend urbanen) Mobilitätskonzepten beschäftigen.

Langfristig dürfte die Bedeutung von Carsharing-Diensten spätestens dann zunehmen, wenn vollautonome Autos im Rahmen neuer gesetzlicher Regelungen die momentanen logistischen Probleme beheben könnten. Ein Kunde könnte dann ein irgendwo in der Stadt geparktes Fahrzeug ordern, das sich selbstständig zum Aufenthaltsort aufmacht, die Anbieter selbst müssten weitaus weniger Fahrzeuge betreiben um eine bestimmte Fläche abzudecken. Daimler und BMW arbeiten auch in diesem Bereich zusammen und wollen z.B. gemeinsam mit Audi alle zukünftigen Fahrzeuge in Echtzeit miteinander vernetzen. Experten prognostizieren, dass sich die Zahl der weltweiten CarSharing-Nutzer bis zum Jahr 2025 von derzeit 7,9 Millionen auf 36,7 Millionen nahezu verfünffachen wird. Gleichzeitig wächst die Bevölkerungszahl in den Ballungszentren und Metropolen.

Car2Go ist ein Joint Venture von Daimler und Europcar, das in insgesamt 30 Städten in 9 verschiedenen Ländern circa 14.000 Fahrzeuge unterhält, über 1.300 davon mit vollelektrischem Antrieb. Von den weltweit rund 2 Millionen registrierten Nutzern befinden sich mehr als 500.000 in Deutschland. DriveNow ist ein Joint Venture zwischen BMW und Sixt und hat momentan circa 4.500 Fahrzeuge auf der Straße, wobei der vollelektrische i3 vor allem in Kopenhagen und Berlin unterwegs ist.

Wie das Manager Magazin berichtet, sollen die Verhandlungen der beiden Unternehmen schon recht weit fortgeschritten sein. Gegenstand der Pläne soll auch die Frage sein, ob man u.U. noch weitere europäische Anbieter oder naheliegende Dienste in das neue Joint Venture aufnehmen könne, um frühzeitig die gemeinsame Marktposition zu stärken. Offenbar treibt die Unternehmen dabei auch die Sorge, dass der vor allem in den USA bereits sehr erfolgreiche Fahrdienst Uber größere Ambitionen in Europa entwickeln könnte.

Daimler ist z.B. beim Taxi-Vermittler MyTaxi involviert und betreibt mit Moovel eine Internetplattform, die auch die Verkehrsplanung der Kunden im ÖPNV abdeckt. BMW wiederum unterhält mit ChargeNow eines der größten Ladenetze für Elektroautos in Europa und betreibt mit Parknow eine Plattform für die Parkplatzsuche und Parkplatzvermittlung.

Auch Volkswagen hatte kürzlich angekündigt, dass man sich fernab der Fahrzeugproduktion und des Vertriebs mehr mit zukunftsfähigen Mobilitätskonzepten beschäftigen werde. Hinter dem neu gegründeten Unternehmen Moia steht die Idee für einen Shuttle-Service, der variable Strecken bedient.

Update: kurz nach der Veröffentlichung unseres Artikels hat sich DriveNow via Twitter gemeldet und entsprechende Gespräche mit car2go dementiert.