Kommentar

Cats: Bitte bringt keine unfertigen Filme ins Kino!

In den USA ist der Kinofilm "Cats" angelaufen. Es gibt einigen Applaus, aber deutlich mehr Kritik und Häme. Jetzt kündigt man an, dass eine "verbesserte Version" als Update kommt. Eine Ausnahme oder öffnet Universal hier die Büchse der Pandora?

von Carsten Drees am 23. Dezember 2019

Vor etwas mehr als einem Monat hat der geschätzte Kollege André Westphal auf Caschys Blog einen ziemlich bemerkenswerten, zweiteiligen Kommentar übers Gaming geschrieben.

Vor wenigen Tagen ist in den USA die Kino-Umsetzung des Musicals “Cats” von Andrew Lloyd Webber in die Kinos gekommen und wird am ersten Weihnachtstag auch in Deutschland anlaufen. Wieso das beides was miteinander zu tun hat, möchte ich in diesem Beitrag erklären.

André hat sich nämlich zum Thema Gaming all seinen Frust von der Seele geschrieben. Unter anderem kritisierte er die Macher der Games dafür, dass sie immer häufiger unfertige Titel auf die Spieler loslassen — “Early Access” und “Road Map” sind die Stichworte.

Beim Early Access fungiert der Spieler quasi als Beta-Tester — zahlt allerdings bereits den vollen Preis für einen Spieletitel, bei dem er keine Garantie hat, dass er tatsächlich mal voll fertig gestellt wird. Bei der Road Map hingegen geht man noch dreister vor und kündigt von Anfang an, dass man das Spiel künftig noch um weitere Inhalte ergänzen möchte. Das soll vortäuschen, dass ein langjähriger Plan für ein Game vorhanden ist, in Wahrheit jedoch gibt man dem Käufer damit die Info an die Hand, dass er zwar einen vollen Preis zahlt, einige Inhalte aber noch längst nicht verfügbar sind. Auch hier hat man als Spieler keinerlei Garantie, dass den Ankündigungen auch tatsächlich Taten folgen.

Schon über Jahre hinweg ist zu beobachten, dass der Zeitdruck die Software-Schmieden dazu bringt, unfertige Spiele ins Rennen zu schicken. Von Tag 1 an wird dann fröhlich gepatcht, bis es dann hoffentlich mal irgendwann ein tatsächlich einwandfrei zu spielendes Game ergibt. Was das mit dem Hollywood-Streifen Cats zu tun hat? Dazu komm ich jetzt:

Cats: Hier ist die Premiere – und hier jetzt die bessere Version

Wenn ihr ein noch einigermaßen unfertiges Spiel kauft, gehört es immerhin euch. Vorausgesetzt, es wird zeitnah dann auch tatsächlich fertig, habt ihr kein Geld verschenkt. Im Kinosaal sieht das anders aus: Wenn ihr euch direkt zum Kinostart einen Streifen anschaut und wenige Tage später eine verbesserte Version in die Kinos kommt, habt ihr Pech gehabt — und müsst noch mal löhnen, falls ihr auch diese Fassung sehen möchtet.

Ganz genau das ist jetzt beim Streifen “Cats” passiert. Zunächst mal zum Film selbst: Bereits seit dem ersten Trailer sind sehr viele Kino-Fans verstört, was diesen Film angeht. Es gibt ein fettes Staraufgebot mit Namen wie James Corden, Judi Dench, Jason Derulo, Idris Elba, Jennifer Hudson, Ian McKellen und Taylor Swift, aber es gibt eben auch diese merkwürdigen Katzen-Kostüme (plus CGI-Effekte), in die man diese Stars gesteckt hat und was dann doch irgendwie sehr befremdlich aussieht.

In den USA ist der Film bereits angelaufen, hier ist es ab dem ersten Weihnachtstag ebenfalls soweit. Zahlreiche Kritiken sind niederschmetternd, die meisten Kinobesucher sind ebenfalls nicht begeistert und zudem sind sie auch nicht gerade in Scharen in die Filmpaläste gepilgert. Das ist besonders ärgerlich, wenn so ein Star-gespickter und mit massig CGI-Effekten aufgemotzter Streifen schon ohne Marketingkosten auf etwa 100 Millionen US-Dollar Kosten kommt.

Laut Hollywood Reporter, der einen Blick auf ein Memo von Universal an die Kinobetreiber werfen konnte, bessert Universal jetzt anscheinend nach: Auf dringenden Wunsch des Directors und Producers Tom Hooper wird nun nämlich eine verbesserte Version verteilt, die “verbesserte Visual Effects” bieten soll. Seit dem 22. Dezember sind entsprechende Downloads für die Kinobetreiber verfügbar, wer keinen Zugriff auf die Server hat, bekommt eine Hard-Drive-Variante bis zum 24. Dezember zugestellt.

Damit ist es das erste Mal überhaupt, dass ein gerade erst angelaufener Film ein solches kosmetisches Update bekommt, noch während er also frisch im Kino läuft. Die Hollywood-Variante des aus der Gaming-Szene so üblichen Patches. Die Verbesserungen scheinen dem Zeitdruck geschuldet, der herrschte, um den Film pünktlich zur Weltpremiere vor einer Woche in New York im Kasten zu haben.

Die Frage ist, ob der Kinobesucher möchte, dass so megateure Hollywood-Filme mit einer so heißen Nadel gestrickt werden, dass sie beim Kinostart nicht in der selben Fassung zu sehen sind, die den Besuchern eine Woche später geboten wird.  Dem Memo zufolge ist die Filmlänge unverändert, es soll sich also tatsächlich nur um visuelle Veränderungen bei den Effekten handeln. Sie verändern also nicht den Film an sich, aber eben das Erscheinungsbild — und diese optische Änderung scheint eben so dringend und wichtig gewesen zu sein, dass man bereits letzten Freitag  intern ankündigen musste, dass eine Verbesserung auf dem Weg ist. Offiziell gibt es hierzu von Universal übrigens noch keine Stellungnahme.

Aber nochmal: Kann das der Weg sein, dass wir Filme präsentiert bekommen, die anscheinend noch nicht wirklich fertig sind? Wir sind es gewohnt, dass Monate nach dem Kinostart veränderte und optimierte Fassungen der Filme in den Verkauf gehen. Aber so ein Film-Patch , der wenige Tage nach dem Kinostart kommt? Meines Erachtens ist das ein Tritt in den Hintern für die Menschen, die bereits am Premieren-Wochenende ins Kino gerannt sind.

Das kann man ein mal machen, aber spätestens beim zweiten mal wird man sich überlegen, ob man nicht lieber direkt ein paar Wochen wartet, bis man ins Kino geht. Und wenn es sich dann um ein Machwerk handelt, welches eh schon vernichtende Kritiken erhält, dann bezweifle ich, dass man dann überhaupt noch ins Kino gehen möchte.

Mir ist es übrigens dabei auch egal, ob man noch visuell nachbessert, anders schneidet, nachträglich Szenen implementiert oder sonst was: Man zahlt eine Menge Geld für einen Kinobesuch und das Mindeste an Anspruch, was man an einen Film stellen kann, sollte doch wohl sein, dass die Produzenten ihn zumindest einmal wirklich fertig gestellt haben, oder nicht?

Ich möchte nicht, dass dieser Gaming-Trend mit den dem Zeitdruck geschuldeten Patches auch in Hollywood Einzug erhält. Hoffen wir, dass es sich hier um einen schrägen Einzelfall handelt und nicht um ein Muster, dessen sich die Branche nun öfter bedient.

Quelle: Hollywood Reporter via Engadget