Die CEBIT der Tüchtigen

Vom 11. bis zum 15. Juni 2018 in Hannover: Die CEBIT, ehemals größte IT-Messe der Welt, trägt nun den Claim „Europas Business-Festival für Innovation und Digitalisierung“. Es wird ein Sommer-Festival, wird es auch ein Sommermärchen?
von Roland Panter am 9. April 2018

Gerade eben hat man noch in Hannover verkündet, dass im März, keine CEBIT sei. Und es stimmt, am angestammten Termin im März ist weit und breit keine Messeaktivität rund um das Messegelände in Hannover erkennbar gewesen. Die CEBIT wurde verschoben. In den Sommer. Nicht allen erschließt sich das, ändert sich schließlich mit dem Messetermin auch die komplette Ausgestaltung der CEBIT. Die ehemals größte IT-Messe der Welt trägt nun den Claim „Europas Business-Festival für Innovation und Digitalisierung“.

Eine schlüssige Veränderung, wie Kommunikationsspezialistin Meike Leopold findet, selbst viele Jahre für große Marken auf der Messe unterwegs: „Die CEBIT muss sich neu erfinden. Schon lange war der Überdruss vieler Aussteller und Besucher deutlich zu spüren. Ein bisschen war es wie mit dem Geburtstag der Erbtante. Man hat keine rechte Lust, aber man muss ja hin.“

Leopold: Die Latte hängt hoch

Meike Leopold fragt sich, ob es wirklich eine „geile CEBIT“ wird, wie es auch die FAZ gefragt hat. Kann diese neue CEBIT mit Branchen-Benchmarks wie der Dreamforce in San Francisco oder der South by Southwest Konferenz in Austin mithalten? „Die Latte hängt hoch“, sagt sie und fügt unmittelbar an „entsprechend groß ist die Fallhöhe“.

Diese Fragen interessieren natürlich auch die Macher in Hannover. Ich selbst konnte kürzlich mit dem Messevorstand Oliver Freese über seine Eindrücke von der SXSW sprechen und auch er sieht, dass es in Austin ein spannendes Format gibt. Das aber ganz klar weiterhin anders sein wird als die CEBIT. Da ist die Messe in die Stadt integriert, die CEBIT wird weiter auf dem Messegelände in Hannover stattfinden, da ist zwangsläufig ein Unterschied, merkte er mir gegenüber an.

Einzigartigkeit ist keine Kopie

Aus meiner Sicht ist Kultur ein wichtiges Unterscheidungskriterium. Daher kann es nicht darum gehen, eine Kopie einer anderen erfolgreichen Digitalveranstaltung mit einer gänzlich unterschiedlichen Kultur zu produzieren. So sieht man das auch in Hannover. Im Kuratorium der CEBIT, dem Künstler, Medien, Aussteller, wichtige Player aus Hannover und verschiedene Kommunikatoren (darunter auch ich selbst) angehören, diskutieren wir viel mit Vorstand und Projektleitern der CEBIT über die künftige Ausgestaltung der Messe. Da geht es ganz besonders darum, einen eigenen Charakter der CEBIT zu entwickeln. Einen Charakter, der einerseits neue Impulse gibt und andererseits die Vergangenheit der Veranstaltung nicht leugnet.

Meike Leopold ist da noch nicht zufrieden, „drei Monate vor dem großen Launch kann ich noch nicht sagen, warum ich nach Hannover fahren soll. Ich bin gespannt, ob es wirklich die große Party wird, die uns die Macher versprechen.“ So zeigt schon ein kleiner Schritt zur Seite, dass es da möglicherweise Filterblaseneffekte gibt, obwohl bei den Messeakteuren große Aktivität herrscht und alle Regler auf Go stehen. Andererseits sind drei Monate im Messegeschäft eine Ewigkeit. So sieht das auch Gunnar Sohn, der die CEBIT ebenfalls schon seit vielen Jahren gut kennt „Was ich bislang in den Vorbereitungen vieler Akteure mitbekommen habe, sagt mir, dass wir vom 11. bis 15. Juni eine völlig neue CEBIT mit sehr vielen kreativen Formaten und Konzepten erleben werden“. Eine Einschätzung, die ich selbst teile.

Spürbares Ideen-Gewimmel

Sohn ist über das Format CIO Kurator mit Live-Übertragungen, Interviews, Diskussionsrunden, Außenreportagen, wissenschaftlichen Kooperationen und anderen Themen ein Teil der neuen CEBIT. Längst ist er intensiv mit den Planungen beschäftigt. Er ist sich sicher, dass der Neustart gute Impulse geben wird, da die Veränderungen bereits ein hochinteressantes „Ideen-Gewimmel“ bei vielen Protagonisten ausgelöst haben. Dennoch sei es ein mutiger Schritt, diesen radikalen Neuanfang zu wagen und das klassische Messekonzept über Bord zu werfen. Er sagt aber wie Leopold, „das war überfällig, wenn es funktioniert, kann die CEBIT wieder zum Trendsetter werden. Das ist es wert es zu versuchen.“

So sieht man das auch in Hannover. Da sind alle Emotionen mit an Bord. Es geht um was. Und so ist da große Euphorie, wenn wieder ein neuer toller Aussteller gewonnen wurde und Respekt und Demut, wenn man sieht, wie andere Formate sich heute präsentieren. Inzwischen haben viele spannende Aussteller die Verträge unterzeichnet, darunter einige namhafte Erstaussteller. Es wird ein Riesenrad geben, eine Futtermeile mit neuem Konzept, Konzerte, viele interessante Talks, Vorträge und Podien. Sie wird wieder sehr international geprägt sein und es sind noch drei Monate. Diese Zeit werden die Hannoveraner Messeleute aktiv nutzen und uns im Juni eine völlig neue Messe präsentieren. Ich freue mich darauf.

Disclaimer:
Der Autor Roland Panter ist ehrenamtliches Mitglied des Kuratoriums der CEBIT