< /CeBIT > – die einst größte IT-Messe ist am Ende

"Endlich", sagen jetzt Viele, dennoch ist es schade: Die CeBIT ist am Ende - die einst größte Computer- Messe der Welt wird bereits ab 2019 nicht mehr stattfinden.
von Carsten Drees am 28. November 2018

Hannover. Angesichts rückläufiger Flächenbuchungen für die CEBIT 2019 bereinigt die Deutsche Messe ihr Veranstaltungsportfolio. Die industrienahen Digitalthemen der CEBIT werden in der HANNOVER MESSE weitergeführt, für die übrigen Themenfelder der CEBIT sollen inhaltlich spitze Fachveranstaltungen entwickelt werden, die sich gezielt an Entscheider ausgewählter Branchen richten, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mit.

Viel nüchterner und sachlicher kann man es vermutlich nicht formulieren und letzten Endes zeigt das vielleicht auch ein bisschen, wieso es irgendwann so kommen musste, dass die CeBIT ihre Pforten für immer schließt: Die CeBIT war irgendwie gerade in den letzten Jahren immer diese nüchtern, sachliche, ein kleines bisschen dröge kleine Schwester von den “richtigen” und wichtigen Messen wie der CES in Las Vegas, dem MWC in Barcelona, der Computex in Taiwan und ja, auch der IFA in Berlin.

Schon seit Jahren hält der Abgesang auf die CeBIT an und das hing wohl — zumindest gefühlt — auch immer damit zusammen, dass sie altbackener wirkte als die Konkurrenz, von Jahr zu Jahr immer weniger spannend für Konsumenten war, weniger Anbieter anzog und nicht zuletzt der Himmel in Hannover immer noch ein bisschen grauer war als sonst wo in Deutschland.

Das mag ich auch gar nicht der Messe selbst allein anhaften, weil ich bekanntlich auch Deutschland generell für ein Land halte, in welchem Digitalisierung und Innovation oftmals nur in homöopathischen Dosen stattfinden. Folgendes Bild verdeutlicht da meiner Meinung nach ganz gut, worauf ich hinaus will:

Helge Braun reiht sich hier nahtlos ein.

Gepostet von Zündfunk am Montag, 26. November 2018

In diesem Kontext eingeordnet ist die CeBIT also vielleicht auch einfach zum Scheitern verurteilt gewesen. Damit will ich nicht sagen, dass in Deutschland eine solche Messe auch in dieser Größenordnung schlicht nicht (mehr) funktionieren kann, aber der Tod der CeBIT passt einfach perfekt ins derzeit herrschende Gesamtbild unserer Nation. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass die CeBIT, die letztes Jahr ein wenig gen SXSW schielte und sich mehr in eine Art Festival mit durchaus frischen Ideen verwandelte, sich selbst für die Transformation drei Jahre eingeräumt hat und dennoch nach einem Jahr aufgibt.

Dazu heißt es in einem internen Schreiben, welches der HAZ vorliegt, dass lediglich 6.000 Quadratmeter Fläche bereits gebucht wären, damit also nur ein Drittel dessen, was auf der ebenfalls schon dünn besuchten CeBIT 2018 zu diesem Zeitpunkt gebucht wurde. Das würde bedeuten, dass die Messe deutlich ins Minus rutscht und zu einem Verlustgeschäft würde.

Dass man so schnell den Stecker zieht, mag ich der Messe und deren Verantwortlichen gar nicht mal hundertprozentig in die Schuhe schieben, weil man selbstverständlich wirtschaftlich denken muss. Aber ich hätte es mir gewünscht, dass eine Regierung, die beispielsweise die Autoindustrie so hofiert und mit Geld zuscheißt, dass man vor Kohle kaum noch atmen kann, hier Mittel bereitgestellt hätte, um eine transformierte CeBIT zu erhalten und auch in den nächsten Jahren hätte wachsen und sich entwickeln können. Wieder eine Chance vertan also. Apropos “Regierung” — die schaute auch immer gern bei der Messe vorbei und präsentierte sich so manches mal eben genau so, wie man es befürchten musste:

Natürlich ist das Netz heute voll von “Na endlich”-Rufern und “Das war ja abzusehen”-Stimmen und zumindest letzteren muss man leider zustimmen. Dennoch — und auch trotz meiner eigenen Abwesenheit dort in den letzten drei Jahren — finde ich es sehr schade, dass eine 33-jährige Geschichte nun so traurig zu Ende gehen muss.

Vielleicht muss man sich auch selbst ein wenig in die Pflicht nehmen und anerkennen, dass man an der Entwicklung nicht ganz unschuldig ist. Mir sind zumindest jährlich mehr Blogger aufgefallen, die einen weiten Bogen um die CeBIT machen. Spannende Produktvorstellungen fanden halt immer öfter an anderen Orten statt, außerdem haben wir vielleicht zu wenig auf die tatsächlich vorhandenen Innovationen geschaut, weil sie mehr auf die Industrie als den Endverbraucher abzielten.

Unser einstiges Mobile Geeks-Mastermind Palle hat stets trotz seines kritischen Blicks eine Lanze für diese Messe brechen wollen. Bei allen Problemen hatte die CeBIT eben auch in den letzten Jahren immer noch aufzeigen können, dass es dieses gewaltige Potenzial grundsätzlich immer noch gibt. Aber all der gute Wille und die neuen Ideen waren unterm Strich dann eben doch zu wenig, so dass wir die CeBIT nun zu Grabe tragen müssen.

Ich werde sie ein wenig wehmütig in Erinnerung erhalten. Als das manchmal ein bisschen ungeliebte Kind neben den shiny, fancy Events in Vegas, Berlin, Las Vegas usw., welches immer ein bisschen grauer und dröger daher kam, aber dennoch seinen eigenen Charme hatte — nicht nur, wenn irgendwelche Nachwuchs-Blogger in der Intel-Bloghütte sitzend jubelnd in Palles Live-Stream platzten, wie unten auf dem Bild zu sehen ist ;-)

Haha, das war eines meiner persönlichen Highlights auf der CeBIT :D Schalke schießt das 1:0 gegen Dortmund und das…

Gepostet von Carsten Drees am Montag, 11. März 2013

Wenn man mal auf dem CeBIT-Kanal auf YouTube vorbeischaut, bekommt man schon ein Gefühl dafür, wie klasse die Messe in den Jahren immer besetzt war, was sich auch in unseren Live-Streams im Rahmen der tech.lounge in der Intel-Bloghütte immer wieder zeigte. Vielleicht werde ich mir den ein oder anderen Clip aus dieser Zeit heute nochmal geben und ein bisschen in Wehmut einer zuletzt ziemlich ungeliebten Messe gedenken. Schließlich bin ich als Neuling, der erst vor wenigen Jahren in die Blog-Welt geschlittert ist, dort zum allerersten Mal auf einer Tech-Messe unterwegs gewesen in beruflicher Mission — viele Jahre, nachdem sehr viele von euch dort bereits Stammgäste waren.

Auch in den letzten Jahren hatte die Messe immer noch einen nicht zu verkennenden Impact auf die Technik-Welt. Themen wie IoT oder künstliche Intelligenz, die jetzt (endlich) auch im Mainstream angekommen sind, wurden dort schon vor Jahren ganz oben auf die Agenda gesetzt, viele Innovationen sahen wir in Hannover in der Tat zuerst, wenn man heute zurückblickt.

Morgen dann gilt es, weiter in die Zukunft zu schauen und der Dinge zu harren, die da kommen werden. Teile der CeBIT werden in der Hannover Messe aufgehen, für andere Bereiche sollen kleinere Konferenzen geschaffen werden. Darüber mag ich an dieser Stelle noch nicht wirklich spekulieren, denn da sollte man erst mal abwarten, wie sich das weiter gestaltet. Für mich bleibt jetzt dieses “war irgendwie klar, aber ist dennoch schade”-Gefühl zurück — und ihr könnt mir in den Comments schreiben, was ich denkt und wer mag, kann vielleicht auch ein bisschen erzählen, was diese altehrwürdige CeBIT für eine Rolle in seinem Leben gespielt hat.

Es tut uns leid, aber es ist wahr: Die CEBIT Hannover wird abgesagt. Mehr Infos hier: https://bit.ly/2BCvuXa

Gepostet von CEBIT am Mittwoch, 28. November 2018

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