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CES Asia 2015 - Die Zusammenfassung

CES Asia 2015 – Alle Neuerungen, alle Videos und eine kritische Nachbetrachtung

Die CES expandiert nach Asien und wir haben uns die erste Ausgabe in Shanghai angeschaut. 2 uebersichtliche Hallen, einige wenige Ankuendigungen und ganz viel heisse Luft, was nicht nur an den oertlichen Temperaturen lag.

von Sascha Pallenberg am 29. Mai 2015

Mit der CES Asia wollen die Veranstalter der Consumer Electronics Show in Las Vegas einen Konkurrenten zur Computex und Ceatec schaffen. Zwar wurde in den Medien ordentlich getrommelt (und selbige aus allen moeglichen Laendern auch eingeflogen), letztendlich lies aber der “Content” auf dem Showfloor schwer zu wuenschen uebrig.

Automotive als Aufhaenger ohne Wow-Faktor

Der Techblogger eures Vertrauens wurde von Audi eingeladen (die in diesem Falle natuerlich Flug, Unterkunft und diverse Abendessen uebernahmen) und durfte im Rahmen der Veranstaltung an diversen erklaerenden Events teilnehmen. Die lokalen Chefs erklaerten dann genau das, was eigentlich jedem bekannt ist, der den Markt verfolgt… womit ich hoffentlich keine Ausnahme darstelle. Das grosse Wachstum ist vorbei, der Markt normalisiert sich, die Volumen-Modelle nehmen zu und der durschnittliche Chinesische Kunde ist jung und extrem technik-interessiert. Ok, das wissen wir bereits seit einer Dekade (technik-interessiert) bzw. seit knapp 2 Jahren (Normalisierung des Wachstums).

Aehnlich entwickelte sich dann auch am Abend die Eroeffnungs-Keynote, die ebenfalls von den Ingolstaedtern durchgefuehrt wurde. Von der disruptiven und veraendernden Energie der digitalen Transformation war da immer wieder die Rede, wobei das ein oder andere mal ein gedachtes “Bingo” zwischen meinen Synapsen Ping-Pong spielte, angesichts der Buzzword-Dichte die dort aufgefahren wurde. Auffahren ist dann auch die passende Ueberleitung, denn der Audi Q7 e-tron und der R8 e-tron “piloted driving” sahen schwer nach dem Motto des Abends aus: “Hauptsache was gesagt bzw. was gezeigt”.

Damit wir uns hier nicht falsch verstehen… Q7 und vor allen Dingen der R8 sind wunderschoene Fahrzeuge und gehoeren zu den besten ihrer jeweiligen Klasse… aber es gab da ehrlich gesagt nicht viel zu bestaunen fuer eine Eroeffnungs-Keynote, die dann leider aehnlich… sagen wir mal fundamental ausfiel, wie die gesamte Messe.

Audi tut in der Zukunft daran, solche Show-Hacks nicht mitzumachen bzw. dann auch entsprechende Ankuendigungen zu haben. Was in den Mainstream-Medien noch ein wenig Reichweite generiert, ist letztendlich alles andere als nachhaltig. Dabei sind die Ingolstaedter im Bereich des autonomen Fahrens ganz klar fuehrend. Der A7 “piloted driving” fuhr u.a. ausgewaehlte Journalisten durch Shanghai. Die ebenfalls eingeflogenen Blogger kamen nicht in diesen Genuss, was einen schalen Beigeschmack gibt und mich fragen laesst, ob man da wohl nicht einfach nur ein Kontingent an Medienvertretern unbedingt vollbekommen musste (Disclaimer am Rande… Audi hatte uns angeboten 2 Tage frueher eingeflogen zu werden, um den A7 ausfuehrlich unter die Lupe zu nehmen).
Auch im Bereich der Navigation und des Infotainments gehoeren die Bayern zum Feinsten, was der Markt zu bieten hat. Das neue Dashboard ist fuer mich mit Abstand Marktfuehrer und auch mit der nun flaechendeckend im Volkswagen-Konzern ausrollbaren “Modularen Infotainment Box 2” hat man als erster Hersteller die Zeichen der Zeit erkannt und darauf reagiert.

Audi R8 e-tron piloted driving

Die Kooperation mit Baidu war nicht mehr und nicht weniger als ein Announcement auf dem Papier. Die CarLife Integration konnte nicht gezeigt werden und wer interessiert sich denn bitteschoen fuer ein LTE-Modul? Freunde, wir befinden uns im Jahre 2015 und diese Ankuendigungen waren auf dem Level als wenn Samsung naechste Woche die Keynote auf der Computex in Taiwan gibt und sagt, dass ihr Galaxy S Edge nun auch in Taiwan erhaeltlich ist und man nun noch besser mit Google fuer zukuenftige Android Updates kooperiert. Sorry, ich fands verdammt enttaeuschend.

Immerhin kommte ich endlich das Audi Tablet ausprobieren und das ist so ziemlich das schoenste Android Brett, welches man besitzen kann. Problem an der Nummer…. Ihr muesst wohl auch noch nen kleinen Audi Q7 dazu kaufen oder umgekehrt J Anyways, die Gestensteuerung ist voellig daneben und wird bei mir unter der Rubrik „wir probieren was aus“ gefuehrt. Das hatten wir in der mobilen Welt auch mal.. so vor 2-3 Jahren!

Auch Mercedes zeigt… NICHTS!

Photo 5-25-15, 11 23 33 AMAber die Ingolstaedter waren in guter Gesellschaft und durften sich ueber „Schuetzenhilfe“ von den Kollegen aus Stuttgart freuen. Auch Mercedes kuendigte eine Partnerschaft mit Baidu und die CarLife Integration an. Da man aber bereits auf der CES in Vegas die Keynote erhalten hat, wurde der F015 nur auf dem Stand gezeigt, neben einer kleinen Sitzecke in der man ein wenig mit einem Tablet rumspielen konnte. Liebe Freunde in Stuttgart… eure Maxime ist „Das Beste oder nichts…“ Dass ihr euch dann fuer die CES 2015 dann aber fuer „nichts“ entscheidet, sehr schade das alles und leider nur eine Marketing-Luftblase.

Lichtblick aus Wolfsburg

Endlich, nach 2 Tagen Shanghai gab es dann doch einen Lichtblick und der kam aus Wolfsburg. Hatten wir waehrend der CES noch fundamentale Probleme mit der Motivation der auf dem Messestand eingesetzten Mitarbeitern, so kuemmerte man sich nicht nur vorbildlich um uns, ja uns wurden auch alle Freiheiten gegeben.

Zum einen durften wir uns richtig ausfuehrlich mit dem Golf R Touch auseinandersetzen. Er ist zwar ebenfalls schon fast ein halbes Jahr alt, dennoch habe ich mich wie bei meinem ersten Kosmos Elektronikbaukasten gefreut. Volkswagen hat hier wirklich feinste Technik verbaut und zeigt insbesondere beim haptischen Display, wo der Frosch die Locken hat. Im Vergleich dazu ist Apples Force Touch dann doch eher… na sagen wir mal eine Technologie die man unbedingt mit Begriffen wie „magical“ promoten muss.

Damit wir uns hier nicht falsch vestehen… es handelt sich hier um einen Prototypen, einen Versuchstraeger, eine Spielwiese fuer die die Tueftler und Designer bei den Wolfsburgern. Die konnten sich also richtig austoben und haben dabei sensationelles geschaffen. Nein, die Sensoren fuer die Seitenscheiben und den Spiegeln halte ich nicht fuer sinnvoll. Zum einen ist der dort verfuegbare Platz und die entsprechenden Winkel begrenzt, plus es handelt sich hierbei um eine Funktion die mit einem Klick ausgefuehrt werden kann. Mit der linken Hand ist dies viel einfacher auszufuehren, aber das ist nur meine bescheidene Meinung.

Wenn es um das Schiebedach geht, dann kann ich nur sagen YES, so muss das sein. Ein Wisch nach hinten und schon oeffnet sich selbiges. Diese konditionierte Bewegung (wenn sie auch urspruenglich eher abfaellige Statements unterstreichen soll) kann in meinen Augen direkt in Serie gehen und genau das habe ich auch Alf Pollex nach unserem Interview gesagt, denn als Chef fuer die Connected Cars kann er da die richtigen Hebel bedienen.

Womit wir beim naechsten Highlight waeren, welches zwar ebenfalls nicht ganz neu ist, dafuer aber richtungsweisen fuer die ganze Branche: Die MIB 2. Nein, hier handelt es sich nicht um den 2. Teil der Men in Black, sondern um eine kleine Box die ein PCB mit NVIDIA Tegra K1 SoC beherbergt. Bei Volkswagen nennt man den ganzen Spass dann MMX, was aber keine Bezeichnung fuer einen Formfaktor a‘ la Mini-ITX etc. ist. Jetzt mag es sich fuer einige Leser ein wenig ueberheblich anhoeren, aber ich bin nun einmal seit fast 2 Dekaden in der Embedded und IPC-Welt zuhause. Kleiner Teaser gefaelligst? Diese GIGA TV Ausschnitt stammt aus dem Jahre 2002 und dort haben wir u.a. ueber Car-PCs fuer den DIN-Schacht gesprochen:

Zurueck zum Thema… modulare Loesungen muessen her und die Volkswagen Gruppe (und damit natuerlich auch Audi) hat mit der MIB 2 ganz klar das feinste und durchdachteste System am Start. Ohne wenn und aber. So macht man das und nicht anders. In diesem Sinne ein dicker Wink mit dem Zaunpfahl an alle anderen dt. Hersteller: Uebernehmt bitte diese Loesung. Einigt euch auf einen Standard. Tegras verbaut ihr eh bereits fast alle!

Trained Parking und der E-Golf

Volkswagen hatte aber noch ein richtiges Schmankerl fuer uns vorbereitet und das nennt sich „Trained Parking“ Auf dem Aussengelaende der Messehallen wurde ein E-Golf praesentiert, der nicht nur autonom in die Garage fahren soll, sondern dort auch entsprechend ueber eine induktive Ladeplatte aufgeladen wird. Und das ganze bediene ich dann noch ueber meine Smartwatch. So stelle ich mir das vor und so sehe ich das Auto der Zukunft. Verbunden mit einem Wearable faehrt es in das Smart Home.

Und die anderen Hersteller?

Nix, nada, gar nichts. Bitte erspart es mir hier Updates. Ja Ford kuendigte SYNC3 an, zeigte MyEnergie Lifestyle und auch noch ein paar Models, die Modelautos via Fernbedienung einparkten. Das war dann der Parkingspotter, weshalb ich mich auch lieber auf den wunderschoenen GT40 konzentrierte.

GT 40 CES Asia

Nur wenige Premium Marken

Wenn wir mal von der Automobil-Industrie absehen, so wird es schnell richtig duenn bei den Premium Marken, die auf der CES Asia Produkte vorstellten. Intel hatte zwar einen grossen Stand in der Halle 1, zeigte aber auch dort nur bereits bekannte Produkte. Mal abgesehen vom Spider Dress 2.0 der wunderbaren Anouk Wipprecht (lest dazu auch unser Interview mit der Designerin) war da mehr oder weniger tote Hose, wohlgemerkt in Bezug auf Neuigkeiten.

Da mussten dann ein paar weniger bekannte Firmen ran, wie z.B. der Kuechenroboter von Moley, der den wartenden Journalisten ein leckeres Sueppchen zubereitete. Disclaimer: Die Suppe roch lecker, probiert habe ich sie nicht!

Ebenfalls richtig spannend war die Vorfuehrung der Remix OS Jungs und Maedels. Kann sich noch jemand an diesen Android Fork erinnern? Auf Kickstarter haben sie bereits gelauncht, jetzt gibt es schon einen Haufen Designwins mit OEMs und wir bekamen einen ersten Eindruck dieser Plattform.

Was ist Remix OS? Stellt euch Android fuer den Desktop mit einem richtigen Windows Manager vor! Das funktioniert erstaunlich gut und bietet Moeglichkeiten, von denen ich so nicht zu traeumen gewagt haette. Office Suite geoeffnet und dann noch die Facebook App dazu. Diese pinnen wir ueber Office fest und schon koennt ihr via Copy and Paste (ja, sogar via STRG + C bzw. V) Content zwischen den beiden Apps austauschen. Zum ersten mal sieht Android richtig schick auf einem 2 in 1 oder einem Laptop aus.

Mit der Rookioo Smartwatch gab es einen weiteren Exoten zu bestaunen, der ebenfalls via Crowdfunding in Richtung Massenmarkt schiessen will. Die mit einem SIM-Slot ausgestattete Uhr laeuft auf Android KitKat, also nicht Android Wear und erlaubt es sogar Telefongespraeche zu fuehren. Zur Akkulaufzeit und zum Preis gab es noch keine Auskuenfte. Da heisst es also abwarten.

VR-Glasses und Drohnen wie hin das Auge blickt

Eines muss man festhalten. Ich habe noch nie so viele VR-Headsets und Drohnen auf einen Haufen gesehen. Die Hallen waren voll davon und zeigten damit 2 der spannendsten Entwicklungen auf dem Markt. Insbesondere SVR Glass hat mich hier beeindruckt. Praktisch eine Samsung Gear-VR in guenstig. Dann bleibt noch genug Geld uebrig um sich so eine schicken Force Feedback Couch zu goennen.

SVR Glass

CES Asia war ein Rohrkrepierer, aber…

Ich will da ganz direkt sein… die dt. Automobil-Hersteller haben sich mit der CES Asia keinen Gefallen getan. Die Ankuendigungen moegen fuer die Mainstream-Medien noch fuer eine Schlagzeile gereicht haben, in der Fachpresse schuettelt man quer ueber die Kontinente nur den Kopf und ist mittelschwer enttaeuscht. Wenn man nichts zu zeigen hat, dann kann man einfach auch nichts zeigen. Die gesamte CES Asia fuehlte sich fuer mich wie eine schnell zusammengeschusterte Messe an und dabei haben wir doch ab Dienstag die Computex, die groesste Messe dieser Art in Asien. Warum also auf dieser 2. Hochzeit tanzen?

Ja, es gab ein paar Ausnahmen und ja, VW hat fuer mich persoenlich die Messe gerettet. Dennoch war die erste Ausgabe der CES schlichtweg eine Enttaeuschung, was aber nicht bedeuten muss, dass dies im naechsten Jahr auch so sein muss.