China will Quote für Elektroautos durchsetzen

Ein Gesetzesentwurf in China schreibt internationalen Fahrzeugherstellern eine Quote für Elektroautos vor. Nach dem Vorbild Kaliforniens können nicht erzielte Kreditpunkte von anderen Herstellern erworben werden. Die Pläne kommen nicht überraschend, China forciert das Tempo.

von Bernd Rubel am 1. November 2016

Die Volksrepublik China will schon ab dem Jahr 2018 eine Quote für Elektroautos einführen. Dies sieht ein neuer Gesetzesentwurf vor, der vor einige Wochen auf der Website des Ministeriums für Industrie- und Informationstechnologie veröffentlicht wurde. Alle in China vertretenen Fahrzeughersteller sollen in Zukunft gemessen an ihrem Gesamtabsatz eine bestimmte Zahl von Elektroautos verkaufen müssen.

Nach den momentan vorliegenden Angaben beinhaltet das chinesische Modell die Zuteilung sogenannter Kreditpunkte, sobald ein Elektrofahrzeug oder ein Plug-In Hybrid in China verkauft wird. Für ein Elektroauto gibt es vier Kreditpunkte, für einen Plug-In Hybriden zwei Kreditpunkte.

Ein Autohersteller in China wäre ab dem Jahr 2018 verpflichtet, für mindestens 8% seiner verkauften Fahrzeuge entsprechende Kreditpunkte zu sammeln. Ab dem Jahr 2019 soll die Quote auf 9%, im darauffolgenden Jahr 2020 auf 10% steigen.

Cui Dongshu, Generalsekretär der China Passenger Car Association macht gegenüber sueddeutsche.de eine konkrete Rechnung am Beispiel von Volkswagen auf. Der Konzern verkauft momentan in China circa 3 Millionen pro Jahr, dies führt zu folgender Bilanz:

 Volkswagen
Verkaufte Fahrzeuge3.000.000 Fahrzeuge
8%240.000 Fahrzeuge
4 Kreditpunkte je E-Auto60.000 Fahrzeuge
2 Kreditpunkte je Hybrid120.000 Fahrzeuge

Zum Erreichen der Elektroquote von 8% müsste VW also in China 60.000 Elektroautos oder 120.000 Plug-In Hybride oder eine Kombination aus beiden Fahrzeugtypen absetzen. Erreicht Volkswagen diese Zahl nicht, sieht der Gesetzesentwurf eine vorübergehende Drosselung der Produktion vor. Alternativ könnte ein Hersteller versuchen, einem anderen Unternehmen überschüssige Kreditpunkte abzukaufen.

Fakten zum Automobilabsatz in China:

  • Nach Schätzungen des IWF leben in China rund 400 Millionen Menschen mit einem ähnlichen realen Durchschnittseinkommen wie ein Durchschnittseuropäer
  • In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Pkw-Verkäufe in China mehr als versechsfacht (+537 %). Zum Vergleich: In Europa (EU plus EFTA) gingen die Verkäufe im selben Zeitraum um 7 Prozent zurück, in den USA stiegen sie gerade einmal um 2 Prozent (ohne „Light Trucks“). Weltweit legten die Pkw-Verkäufe in den vergangenen 10 Jahren um 45 Prozent zu – ohne den chinesischen Absatzmarkt hätte das weltweite Plus allerdings gerade einmal 8 Prozent betragen.
  • Der Anteil Chinas am weltweiten Neuwagenmarkt hat sich innerhalb von nur zehn Jahren mehr als vervierfacht – von sieben auf 31 Prozent.
  • Im vergangenen Jahr (2015) sank das Gesamtvolumen der von deutschen Herstellern in China verkauften Pkw, während der Gesamtmarkt um 9 Prozent zulegen konnte. Der Marktanteil der deutschen Autobauer sank damit um 2,3 Prozentpunkte auf 21,9 Prozent – dies bedeutet den stärksten Rückgang innerhalb der vergangenen 6 Jahre.
  • Den mit Abstand größten Anteil am Pkw-Gesamtabsatz deutscher Hersteller in China hat der Volkswagen-Konzern (36%). Bei BMW und Daimler liegt er mit 21 bzw. 19 Prozent deutlich niedriger.

Die Pläne der chinesischen Regierung waren vorhersehbar, kaum ein Fahrzeughersteller wird davon überrascht sein. China fördert die Elektromobilität bereits seit geraumer Zeit und will damit u.a. der Luftverschmutzung und dem unerträglichen Lärmpegel in den Städten begegnen. Bereits vor Jahren hatten viele Kommunen – darunter die Millionenmetropole Shanghai – eine groß angelegte Initiative zur Förderung von Elektrorollern bzw. Zur Verbannung von normalen Motorrollern angestoßen.

Während ein Elektroroller hierzulande bis zu 3.000 Euro kosten kann, wurden die 40 bis 50 Stundenkilometer flotten Zweiräder in China für circa 300 Euro angeboten. Seitdem gelang es den Chinesen zwar, die herkömmlichen Zweitakter fast vollständig aus den Innenstädten zu verbannen, allerdings stieg damit auch die Zahl der Verkehrsopfer massiv an.

ZEV Credits – Vorbild Kalifornien

Das geplante System der Zuteilung von Kreditpunkten entspricht weitestgehend dem, was andernorts schon lange praktiziert wird. Die letzte Quartalsbilanz von Tesla hatte das Augenmerk noch einmal auf die Zero Emission Vehicle Credits gerichtet, durch die die Kalifornier erstmals seit langer Zeit einen Gewinn ausweisen konnten. In dem us-amerikanischen Bundesstaat müssen Autohersteller ebenfalls eine bestimmte Quote von Fahrzeugen nachweisen, die keine Emissionen verursachen, können sich aber durch erworbene Credits von eventuellen Strafzahlungen freikaufen. Tesla verkauft die eigenen überschüssigen Credits, rechnet aber in den kommenden Quartalen mit einem Rückgang der dadurch erzielten Einnahmen.

Denza 400, gefertigt von Daimler und BYD
Denza 400, gefertigt von Daimler und BYD

Die nun in China geplanten Kreditpunkte ergänzen die ohnehin forcierte Strategie des Staates, ausländische Fahrzeughersteller entweder zur Kasse zu bitten oder zur Kooperation zu zwingen. Nach wie vor können Fahrzeughersteller in China in den meisten Fällen nur dann produzieren, wenn ein chinesischer Partner ins Boot geholt wird. Mercedes-Benz fertigt z.B. in Kooperation mit BYD den Denza 400 – und hätte angesichts des Preises und der Reichweite gute Chancen, hier ordentlich (übertragbare) Kreditpunkte zu sammeln.