Chinesisch Neujahr

Taiwanreporter
Chinesisch Neujahr: Tiere, Drachen und ein Monster

In Taiwan ist die Ziegen-Plage ausgebrochen. Überall haben sie sich breit gemacht. In gezeichneter Form tummeln sie sich in fast jedem Laden, je niedlicher desto besser, und immer mit viel Rot und Gold. Denn in ganz Taiwan - wie auch in China, Singapur usw. - wird heute das Frühlingsfest gefeiert, auch bekannt als Chinesisch Neujahr.

Laut Mondkalender beginnt mit dem chinesischen Neujahr morgen (19. Februar 2015) das Jahr der Ziege (oder auch das Schafes oder Widders – Chinesisch ist da nicht ganz eindeutig). Im chinesischen Kulturkreis stehen die zwölf Tierkreiszeichen nicht für einzelne Monate wie bei uns, sondern immer für ein ganzes Jahr. In diesem astrologischen Zoo lösen sich Drachen und Schlangen, Affen und Pferde in einer festgelegten Reihenfolge ab.

Die höfliche Methode, nach dem Alter zu fragen

Wer also nicht allzu neugierig erscheinen will, fragt statt „Wie alt bist du?“ einfach „Was ist dein Sternzeichen?“ Ein „Affe“ etwa muss aktuell vor 12, 24, 36 etc. Jahren geboren sein.

Die Viecherei soll auch Auswirkungen auf den Charakter haben, und das sorgt für Schwankungen in der Geburtenrate. Tiger gelten als leicht reizbare, schwierige Persönlichkeiten – das wollten viele im Jahr 2010 sich und ihrem Nachwuchs ersparen und stellten die Familienplanung entsprechend um. Kaninchen seien pflegeleichter, heißt es, und Drachen gelten als starke Typen.

Das wichtigste Fest des Jahres

Als würden Weihnachten und Neujahr zusammenfallen, ist Chinesisch Neujahr das mit Abstand wichtigste Fest des Jahres. Am letzten Abend des alten Jahres versammelt sich jede Familie zum großen Festessen. Da ist kein Weg zu weit. Wozu der Feiertagsstress in den Familien führen kann, zeigt eine nette kleine Geschichte, die ich einmal aus dem Chinesisch-Lehrbuch übersetzt hatte.

Chinesisch Neujahr Dekoration

Rot und Gold sind die Farben des Festes. Statt Päckchen tauscht man Geldgeschenke in roten Umschlägen.

Am Anfang war ein Monster

Dass einige die Nacht gleich ganz durchmachen, hat ebenso einen ernsten Hintergrund wie die Böller-Knallerei, die sich bekanntlich bis nach Deutschland verbreitet hat: In grauer Vorzeit zitterte die Menschheit vor einem grausigen Untier namens Nian (spich: „Nien“). Zum Glück schlief das Biest die meiste Zeit, doch immer zu Beginn des Frühjahrs wachte es auf, drang in die Häuser ein, fraß die Bewohner bei lebendigem Leib und führte sich generell garstig auf.

Eines Tages bemerkte ein kluger Kopf, dass Nian Häuser mit roten Türen verschonte, weil es sich vor der Farbe Rot fürchtete. Bis heute klebt man daher zu Neujahr rote Papierstreifen mit glückbringenden Sprüchen an die Türrahmen. Auch der Chinaböller-Lärm soll das Untier in die Flucht schlagen. Wer diese gefährliche Nacht – möglichst wach – überstanden hat, begrüßt seine Nachbarn am Neujahrsmorgen mit „Herzlichen Glückwunsch“ – weil man wieder einmal nicht gefressen wurde. Und Nian ist heute das chinesische Wort für „Jahr“.

Die Herkunft des satten Rot ist damit geklärt. Gold steht für das Vermögen, das man im neuen Jahr gewiss anhäufen wird. Aus finanziellen Erwägungen gehören beim Neujahrs-Festessen auch Teigtaschen auf den Tisch, die geformt sind wie antike Goldbarren. Und unbedingt Fisch, denn „Fisch“ klingt auf chinesisch genau wie „Überfluss“.

Ziegen dagegen können aufatmen – sie gelten nicht als besondere Glücksbringer.

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