Im Fokus: Samsung
Cinema LED Screen: Revolutioniert Samsung das Kino?

In Seoul konnte ich mich kürzlich von den Qualitäten des Cinema LED Screens überzeugen. Geht es nach Samsung, wird die Technologie in den nächsten Jahren in vielen Kinos der Welt Einzug halten.
von Carsten Drees am 20. November 2017

Dieser Beitrag ist der Auftakt einer mehrteiligen Reihe über Samsung. Ich hatte die Chance, auf mehrere Tage verteilt in Südkorea viele interessante Eindrücke zu gewinnen, besuchte Samsungs R&D-Center, war bei Samsung Semiconductor zu Gast und einiges mehr. Im ersten Teil dieser “Im Fokus”-Reihe erzähle ich euch von Samsungs Cinema LED Screen-Technologie.

Die Zukunft des Kinos ist bereits da – LED-Display statt Projektor

Das Kino, wie wir es kennen, ist im Grunde uralt. 1895 bereits gab es erste Filmvorführungen, erste Lichtspieltheater entstanden dann verstärkt etwa ab der Jahrhundertwende. Die Technologie wurde in den folgenden Jahrzehnten natürlich verbessert, aber grundsätzlich setzen wir auch heute noch auf die Technik, die vor weit über 100 Jahren eingeführt wurde.

Noch heute sorgt also ein Projektor für das Bild auf unserer Kinoleinwand, während die Entwicklung im heimischen Wohnzimmer voranschritt und wir dort auf High-End-Fernsehern Bilder genießen können, bei denen das Kino nicht mehr mitkommt. Bei Samsung ist man der Meinung, dass sich das zu ändern hat und den Kinos dieser Welt nun auch diese LED-Revolution bevorsteht.

Das Ergebnis von Samsungs Bemühungen ist die Cinema LED-Screen-Technologie, bei denen riesige LED-Panels das Bild liefern anstelle von Projektion und Leinwand. Die wurde von den Koreanern Ende März dieses Jahres im Rahmen der CinemaCon 2017 Conference in Las Vegas vorgestellt. Dazu erklärt Samsung in der Pressemitteilung:

Der Samsung Cinema Screen ist modular aufgebaut: Er besteht aus vielen einzelnen Cabinets und lässt sich daher auf nahezu jede Größe skalieren. Durch das rahmenlose Design liefert der Screen ein nahtloses Gesamtbild. Unabhängig vom Format bietet die LED-Technologie diverse Vorteile für die Bildwiedergabe. Der Cinema Screen erreicht einen bis zu zehnmal höheren Helligkeitswert als Standard-Kinoprojektoren (500 cd/m² vs. 48 cd/m²). Helligkeitsunterschiede im Bild werden indes durch HDR-Technologie intensiviert. Hierdurch gelingt die Darstellung des gesamten Spektrums sichtbarer Details – sowohl in lichtintensiven als auch in schattigen Bildszenen.

In der Tat besteht also eine solche Kino-“Leinwand” nach Samsung-Bauart nicht aus einem riesigen LED-Panel, sondern aus vielen kleinen LED-Panel-Quadraten. Auch das dürfte für die Zukunft noch spannend werden, dass sich der Screen dazu beliebig skalieren lässt, egal ob es nun um den Filmpalast oder doch eher um das luxuriöse Heimkino handelt.

Nette zeitliche Parallele: Kurz, nachdem Samsung in Las Vegas seine neue Kino-Technologie präsentierte, gab es auch in Seoul selbst eine Premiere: Dort eröffnete nämlich der Lotte World Tower, mit 555 Metern Höhe und 123 Stockwerken aktuell das fünftgrößte Gebäude der Welt. So präsentiert sich das nächtliche Seoul, wenn ihr aus diesem Wolkenkratzer aus einem der oberen Stockwerke hinausblickt:

Wieso erzähle ich euch von diesem riesigen Gebäude? Weil es hier nicht nur ein riesiges Einkaufszentrum gibt, sondern eben auch ein Multiplex-Kino. Dort hat sich auch Samsung eingenistet und präsentiert in einem Kinosaal mit außergewöhnlich gemütlichen Kinosesseln seine LED-Kino-Technologie.

Dorthin wurden wir jüngst also eingeladen und konnten uns persönlich davon überzeugen, wie sich Samsung Cinema Screen gegenüber herkömmlichen Leinwänden bewährt. Und ganz ehrlich, Freunde: Wir haben dort verschiedene Trailer gesehen (u.a. “Transformers: The Last Knight” und “Die Insel der besonderen Kinder”) und ich kann jetzt schon nicht mehr abwarten, dass es so ein Kinoerlebnis auch in unserer Nähe gibt.

Das geht schon los damit, dass der Cinema Screen Helligkeitswerte von bis zu 500 cd/m² erreicht. Damit ist dieser Screen bis zu 10 x heller als das, was ihr von konventionellen Kinoleinwänden gewohnt seid. Samsung ist zudem stolz darauf, dass der Cinema LED Screen im Mai 2017 als weltweit erstes Produkt mit dem Kinotechnologie-Standard der Digital Cinema Initiatives (DCI) zertifiziert worden. Dabei handelt es sich um einen Dachverband verschiedener US-amerikanischer Filmstudios, die den DCI-Standard weltweit als Marktführer für digitales Kino etabliert haben.

Dank HDR-Technologie habt ihr unglaublich knackige Kontraste im Bild, egal ob es sich gerade um sehr lichtintensive oder um dunkle Filmszenen handelt. Der insgesamt mehr als zehn Meter breite Screen löst mit 4.096 x 2.160 Pixeln auf, bietet also 4K-Auflösung und hat darüber hinaus weitere Vorteile, die ihr mit einem Projektor nicht geboten bekommt.

Zum Beispiel die hohe Farbtreue, die auch dann noch geboten ist, wenn der Screen besonders hell ist. Bei herkömmlichen Kinos werdet ihr feststellen, dass die Farbgenauigkeit zunehmend mehr verloren geht, desto heller das Bild wird – nicht so bei der Cinema Screen-Technik.

Bei einer sehr dunklen Szene im Film “Die Insel der besonderen Kinder” konnten wir uns davon überzeugen, dass Kontrast und Detailtreue auch dann gegeben sind, wenn wir es mit einer düsteren, atmosphärischen Szene zu tun haben. Auch in der Dunkelheit war alles sehr detailliert dargestellt — kein Vergleich zu dem oftmals ausgewaschenen grau-schwarzem Einerlei einer normalen Kinoleinwand.

Dadurch, dass das Bild nicht via Projektor vor unseren Augen auftaucht, gibt es auch keine Verzerrungen mehr, wie sie auf großen Leinwänden üblich sind. Dadurch, dass die LED-Technologie so überlegen ist, könnt ihr das Gezeigte auch dann genießen, wenn sich der Saal nicht in völliger Dunkelheit befindet.

Dazu hat man uns auch eine Gaming-Demo präsentiert, während der Raum erhellt war. Dieser Screen bietet sich also nicht nur für Hollywood-Streifen an, sondern ebenso gut für Sport-, eSport- oder sonstige Live-Events. Im Kinosaal in Seoul hat Samsung nichts dem Zufall überlassen und hat dank seiner Partnerschaft mit Harman auch erstklassigen JBL-Sound installiert. So hatten wir jederzeit das Gefühl, wirklich rundum beste Kino-Atmosphäre genießen zu können.

Mein persönlicher Eindruck während der Demonstration war übrigens, dass man sogar leichte 3D-Effekte auf diese Weise realisieren kann, wenn sich also Gegenstände im Bild vermeintlich auf uns zubewegen. Den Filmstudios wird dadurch mehr Macht über die eigenen Inhalte gewährt: Muss man bislang manches mal Kompromisse machen — zum Beispiel bei den bereits angesprochenen sehr dunklen, atmosphärischen Szenen — so können sich die Kreativen künftig beliebig austoben und können davon ausgehen, dass die Bilder den Zuschauer auch so erreichen, wie sie gedacht sind.

Und wann kommt die Technologie nach Europa?

Damit bleibt zum Schluss jetzt nur noch die große Preisfrage: Wann werden wir diesen Spaß in unseren Kinos genießen können? Das dürfte auch mit am Preis liegen, den uns unser Ansprechpartner vor Ort partout nicht verraten wollte. Er sprach davon, dass das Errichten eines komplett neuen Kinosaals nicht teurer wäre mit der Samsung-Technologie, verglichen zu einem herkömmlich ausgestatteten Saal. Daraus lässt sich aber nicht viel ableiten, weil das auch mit der jeweiligen Größe zusammenhängt, mit Absatzmengen etc.

Gehen wir also einfach mal davon aus, dass diese wirklich überlegene Technologie den Kinobetreibern nicht gerade besonders günstig angeboten werden kann, wird es definitiv noch einige Jahre dauern, bis wirklich jeder von uns irgendwo in seiner Nähe ein solches Kino vorfinden wird. In einer Pressemitteilung erklärte Samsung, dass man sich erhoffe, bis zum Jahr 2020 bereits in 10 Prozent der Kinos weltweit mit seiner Cinema Screen-Technologie vertreten zu sein.

Samsung selbst hat heute neben dem Kino in Seoul bereits zwei weitere Standorte realisieren können: Ebenfalls in Korea liegt Busan und außerdem hat man den Cinema Screen jüngst auch nach Bangkok, Thailand exportiert. Natürlich will Samsung die Technologie auch nach Europa und in die USA bringen und im kleinen Kreis versprach man uns auch, dass wir im Jahr 2018 erstmals auch in Europa einen Cinema Screen im Einsatz sehen werden. Ich tippe auf London, hoffe aber natürlich auch, dass zumindest Berlin sehr bald bedacht wird – es lohnt sich, glaubt mir.