Connected Toys – alles nur Spielerei?

“Warum?”

Das ist wohl die Frage, vor der sich alle Eltern fürchten – gefolgt von einem weiteren “Warum?”. Und einem weiteren. Und noch einem.

Es soll Eltern geben, die angesichts des unbändigen Wissensdursts ihrer Sprösslinge schon einmal die Nerven verloren haben. Man kann eben nicht alles wissen und das Smartphone hat man auch nicht jederzeit zur Hand. Kleiner Tipp: Gegenfragen stellen hilft – “Was glaubst du?”

Auch wir Eltern waren als Kind nicht anderes und die technischen Möglichkeiten waren damals noch lange nicht so weit wie heute – unsere Eltern müssen wandelnde Lexika gewesen sein!

Das “Problem” ist auch den Spielwarenherstellern aufgefallen und man arbeitet an den ersten “Lösungen”. Ich rede hier nicht von fischertechnik, LEGO Mindstorms oder diesen stumpf nachplappernden Furbys, ich rede von “intelligenten” Spielsachen die mehr als 2-Wort Dialoge mit unseren Kindern führen können. Spielsachen die mit einer Art “Kinder-Siri/Cortana” ausgestattet sind um all die “Wieso, weshalb, warum”-Fragen zu beantworten. Ein Traum denkt ihr euch?

Ein Dino mit dem Hirn eines Supercomputers

Dann solltet ihr euch mal die Kickstarter-Kampagne von Elemental Path anschauen. Die Jungs haben nicht nur die IBM Watson Mobile App Developer Challenge gewonnen, sondern wollen genau diese Technik einsetzen, um genervte Eltern zu unterstützen. Die Idee hinter CogniToys ist simpel: Man nehme die Rechenleistung des IBM Supercomputers Watson und bringe dieses Wissen über ein mit dem Internet verbundenen Spielzeug ins Kinderzimmer. Als Spielzeug hat man sich für einen Dinosaurier entschieden – denn seien wir mal ehrlich, wer mag keine Dinos? Der Dino soll nicht nur mit dem Kind kommunizieren und all seine Fragen beantworten können, er soll ebenfalls mit dem Kind wachsen und die Information dem Alter entsprechend ausgeben.

Eine Puppe, die auf Fragen antwortet

Hello Barbie

Auch Mattel hat den Trend wohl erkannt und will noch dieses Jahr die “Hello Barbie” auf den Markt bringen. Auch diese Puppe soll per WLAN mit dem Internet verbunden werden und soll mit dem Kind sprechen und auf die gestellten Fragen antworten können, wobei es sich hier mehr um vordefinierte Dialoge handeln soll (“Wie wird das Wetter” “Wie spät ist es”). Die aufgezeichneten Daten werden hierzu gesammelt und an die Server Server Mattel gesendet um dort ausgewertet und gespeichert zu werden.

Spione! Datenschutz! Privatsphäre!

Im Gegensatz zur “Hello Barbie” wurde bei Elemental Path auch an die Personen gedacht, die zuhause gerne einmal über den Bau einer Wasserstoffbombe reden. Die Interaktion mit dem Spielzeug funktioniert auf einen Push-Befehl, der Dino lauscht nicht die ganze Zeit. Wenn das Kind etwas wissen möchte, muss dem Dinosaurier einfach auf den Bauch gedrückt werden und schon erwacht der Kleine zum Leben und freut sich darauf die Fragen beantworten zu können.
Wie das ganze bei der “Hello Barbie” funktioniert ist noch nicht ganz klar – aus den bereits vorhanden Informationen lässt sich allerdings erkennen, dass die Puppe ständig und dauerhaft auf die Geräusche in der Umgebung reagieren soll, um Informationen wie Lieblingsfarbe, Lieblingstier etc. zu sammeln, damit auch diese Informationen für spätere Gespräche verwendet werden können. Die Grenze ist hier nur der Akku, der momentan bis zu 1 Stunde halten soll, danach muss Barbie wieder an den Strom (ich hoffe mal, dass die Ladeschale kein Stuhl ist).

Jugendschutz!

Auch daran wurde bei CogniToys gedacht – über ein Webportal können die Eltern nicht nur den Lernfortschritt der Kids kontrollieren, sondern auch die Inhalte freigeben & kontrollieren, auf die die Kleinen zugreifen können.

Bei der Barbie wird der “Konversationsumfang” wohl eher durch die vorhandenen Daten auf den Servern von Mattel begrenzt werden und mehr auf Mädchen ausgerichtet sein. Über einen “Hello Ken” wurde bis jetzt kein Wort verloren, denn wer will sich schon gerne mit Männern über Frauen-Probleme oder die neuesten Trendfarben von Lippenstift unterhalten.

Horrorszenarien!

Ich muss ganz ehrlich sein, als ich das erste mal von der Barbie gehört habe, musste ich unweigerlich an den Film “Small Soldiers” denken, in dem Bauteile von ausgemusterte Kampfroboter in Spielzeug recycled wurden. Bei CognyToys eher an HAL aus dem Film “2001“. Wer noch ein wenig weiter in die FSK18 Ecke will, kommt unweigerlich auf Chucky die Mörderpuppe.
Aber ganz wichtig, weder die Barbie noch der Dino haben Motoren eingebaut! Das müssen dann eure kleinen Genies selbst übernehmen indem sie einfach die LEGO Mindstorms Elemente mit dem Dino bzw. der Barbie kombinieren – aber das sollte für unsere kleinen Genies kein Problem sein, Bauanleitungen dazu gibt es im Internet.

Wo geht die Reise hin?

Anhand dieser beiden Spielsachen sieht man sehr schön, wie sich die Technik immer mehr in unser Leben schleicht. Ein Ende ist noch nicht auszumachen und die beiden vorgestellten Spielsachen sind wohl erst der Anfang einer ganzen Reihe an “Connected Toys” die in den kommenden Jahre auf uns zukomme werden. Fluch oder Segen muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, ebenso wie jeder sich überlegen sollte ob er seinem (Klein-)Kind ein Tablet zum spielen in die Hand geben sollte, wenn es ein Stifte und ein Blatt Papier ebenso tun.

Ich selbst finde die Idee die hinter CogniToys steckt faszinierend und habe deswegen eine der Spielzeug-Dinos für meine beiden Kids bestellt. Wenn ihr die Idee ebenso großartig findet wie ich, könnt ihr die Kampagne noch bis 18.März unterstützen. Bis Weihnachten sollte der Dino dann auch bei euch sein.

Die “Hello Barbie” soll ebenfalls zu Weihnachten 2015 (zunächst in den USA) für 75$ auf den Markt kommen, über einen Start in Europa ist bis jetzt noch nichts bekannt.

Anmerkung: Auf Nachfrage bei Elemental Path wurde mir zugesichert, dass es geplant ist die CogniToys auch in weiteren Sprachen kommunizieren zu lassen. Anhand des großen Erfolgs der Kampagne (das Ziel von 50.000$ wurde bereits am ersten Tag erreicht), denkt man momentan darüber nach weitere Sprachen als Stretchgoal/Update anzubieten.