Ohne Lenkrad, ohne Pedale: Der “Cruise AV” von General Motors

Der “Cruise AV” ist ein Fahrzeug von General Motors, das ohne Lenkrad und ohne Pedale im öffentlichen Straßenverkehr getestet werden soll. Das Auto basiert auf dem Chevrolet Bolt und wäre in der vorgestellten Bauweise eines der ersten autonomen Fahrzeuge, bei denen die Insassen nicht mehr in das Fahrgeschehen eingreifen sollen.

von Bernd Rubel am 15. Januar 2018

Bereits im kommenden Jahr will der Autohersteller General Motors mit dem “Cruise AV” ein pedal- und lenkradloses Auto im öffentlichen Straßenverkehr testen. Eine entsprechende Anfrage an die US-amerikanische Verkehrsbehörde NHTSA sei gestellt, teilte das Unternehmen mit. Die will die Zulassung des Fahrzeugs “sorgfältig prüfen”.

Der “Cruise AV” basiert auf dem Chevrolet Bolt und stellt die mittlerweile vierte Entwicklungsstufe der bisher teilautonomen Fahrzeuggeneration dar. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Fahrzeuge mit geschulten Testfahrern besetzt, die jederzeit in den Fahrbetrieb eingreifen und eventuelle Fehlfunktionen korrigieren können. Mit einer entsprechenden Genehmigung dürfen die Autos in verschiedenen Bundesstaaten bzw. Städten erprobt werden und sollen dabei wertvolle Daten sammeln, die mit dem bisher in Simulationen trainiertem Verhalten abgeglichen werden.

Verschiedene Anbieter wie z.B. die Google-Tochter Waymo drängen bereits seit Längerem darauf, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Tests teil- und vollautonomer Autos vereinheitlicht werden, damit man die Fahrzeuge in allen Bundesstaaten erproben könne. Mit dem Self Drive Act liegt dem Gesetzgeber schon ein Entwurf vor, mit dem dieses Vorhaben umgesetzt werden könnte.

Der “Cruise AV” ist aufsehenerregend, weil ein Fahrer in diesem Fahrzeug keinerlei Einfluss auf das Fahrgeschehen hätte. Das Auto müsste dementsprechend “Level 5” in den verbindlich festgelegten Entwicklungsstufen des autonomen Fahrens beherrschen, was den Hersteller vor enorme Herausforderungen stellt. Zum einen müssen die Sensoren des Fahrzeugs die Umgebung mindestens genaus so gut erfassen können wie ein aufmerksamer menschlicher Fahrer. Zum anderen muss die im Fahrzeug eingebaute Hardware in der Lage sei, diese enormen Datenmengen in Bruchteilen von Sekunden zu verarbeiten.

An diesem Punkt kommt die Software in’s Spiel, die aus den verarbeiteten Daten nicht nur die jeweilige (Re)aktion des Fahrzeugs ableiten muss. Im Idealfall ist die Software in der Lage, das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer – Autos, Fussgänger, Radfahrer, etc. – vorherzusagen, damit u.U. präventiv die in der nächsten Sekunde anstehende Situation inklusive einem eventuellen Fehlverhalten vorhergesagt werden kann.

Tatsächlich ist der „Cruise AV“ in der jetzt vorgestellten Form ein überaus spannender Ausblick auf das, was in den kommenden Jahr(zehnt)en auf Auto”fahrer” zukommen könnte. Fast alle Hersteller arbeiten in ihren eigenen Entwicklungsabteilungen und in sehr interessanten, vor wenigen Jahren noch undenkbaren Kooperationen an Fahrzeugen, die irgendwann einmal vollautonom und u.U. sogar ohne Insassen von A nach B fahren können. Dabei verfolgen sie z.T. völlig verschiedene Ansätze: Während sich die Einen Schritt für Schritt das jeweils technisch und gesetzlich erreichte Level produzieren und freischalten werden, testen andere parallel dazu die nächste Entwicklungsstufe in kontrollierten Szenarien und Umgebungen, z.B. auf Firmengeländen. Viele Experten sagen voraus, dass insbesondere dem Logistiksektor eine enorme Bedeutung zukommen wird, weil man in diesem Bereich z.B. Frachten fahrerlos zwischen zwei immer gleichen Orten transportieren könnte.

Nach den bisher vorliegenden, recht spärlichen Angaben will General Motors in einer Testflotte über 2500 “Cruise AV” einsetzen. Sollten sich die Fahrzeuge in der Praxis bewähren, könnte das enorme Auswirkungen auf weitere Zulassungen ähnlicher Projekte haben und vor allem dazu führen, dass die dringend notwendige Debatte über die ungeklärten gesellschaftlichen und juristischen Fragen geführt wird.