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Daimler: In Car Office und Smart Health Systeme fürs Auto

Quality Time Machines nennt Daimler die Fahrzeuge der Zukunft und meint damit Autos, die nicht elektrisch und autonom, sondern auch intelligent sind. Smart Cars, die dem Fahrer über die Fahrzeugsteuerung hinaus Aufgaben abnehmen und dafür sorgen sollen, dass man entspannter aussteigt, als man eingestiegen ist. Wir schauen uns einige der Features an.

von Bernd Rubel am 3. September 2016

Mit dem F015 hatte Daimler bereits im vergangenen Jahr eine beeindruckende Vision vom Auto der Zukunft vorgestellt. Elektrisch betrieben, und vollgepackt mit Assistenzsystemen und der entsprechenden Rechenkapazität sollen Fahrzeuge wie dieses irgendwann Level 5 in der Einordnung autonomer Autos erreichen und dem Fahrer – auf Wunsch – die Mühe des Autofahrens abnehmen.

Auf der IFA 2016 in Berlin hat Daimler diese Pläne konkretisiert und zeigt, wie man sich bereits heute schrittweise diesem Entwicklungsstand nähert und dabei mittelfristig auf eine modellübergreifende Integration von Fahrassistenzsystemen und anderen Erweiterungen hinarbeitet.

Smart Health über „intelligente“ Sitze

So will Mercedes-Benz den Innenraum und insbesondere die Sitze in ein „Motion Seating“ Konzept einbinden, das zur Stressreduzierung und/oder zum „Wohlbefinden“ während der Fahrt beitragen soll. Die Herausforderung, die sich den Produktentwicklern, Designern, Entwicklern und Ingenieuren hier stellt ist – zusammengefasst – das richtige Maß. Der Fahrer soll entspannt ans Ziel gelangen und sich während der Fahrt wohl fühlen – aber nicht „eingelullt“ werden und dadurch eventuell unaufmerksam werden.

Motion Seating wird deshalb in einem allerersten Schritt tatsächlich Sitze beinhalten, bei denen sich die Position der Sitzfläche und Rückenlehne permanent ein wenig verändert. Verkrampftes Sitzen und gelegentliches Herumrutschen auf dem Sitz sollen damit ein Ende haben, stattdessen wird man bei der permanenten Bewegung und Lockerung „unterstützt“.

In einem nächsten Schritt soll ein Fahrzeug in der Lage sein, auf den allgemeinen oder momentanen Gesundheitszustand seines Fahrers zu reagieren. Ein vernetztes Auto von Daimler ist dann in der Lage, die Fitnessdaten eines entsprechenden Trackers bzw. der zugehörigen App zu empfangen und sich darauf einzustellen. So könnte das Fahrzeug, in Kombination mit manuell voreingestellten Vorlieben, z.B. die Klimaanlage automatisch justieren oder eine Massage vorschlagen, die dann wiederum der Sitz übernimmt.

Mit „Me Concierge“ will Mercedes wiederum einen weiteren Schritt zum Fahrzeug als „digitalen Assistenten“ vollziehen. Der Fahrer – bzw. das Fahrzeug – soll in die Lage versetzt werden, ähnlich einem Personal Bot, sprachgesteuert und vernetzt „lästige“ Aufgaben wie Hotelreservierungen, Theaterkartenkäufe oder Tischreservierungen zu übernehmen.

Community Based Parking und Paketannahme

Besonders in Innenstädten dürfte eine weitere Funktion ihre Freunde finden. Mit Community Based Parking sollen Autos selbstständig in der Lage sein, einen freien Parkplatz zu finden. „Selbstständig“ ist dabei wörtlich zu verstehen, wie ein momentan bereits laufender Test in Stuttgart zeigt. Dort steigt man aus seinem Mercedes aus und schickt ihn völlig autonom auf Parkplatzsuche. Der Wagen sucht sich eine freie passende Lücke, parkt selbstständig ein und kann mit dem Smartphone und einer dazu autorisierten App wieder zum Fahrer zurückbeordert werden.

Ebenfalls in Stuttgart läuft momentan ein Pilotprojekt mit DHL. Eine im Kofferraum verschiedener Smarts platzierte Box fungiert als „Paketstation“ zur Annahme von Paketen. Der Paketbote wird per GPS und App zum Standort des Fahrzeugs geleitet, wo er die Box mit einem Code öffnen und die Lieferung ablegen kann. Weitere Tests sollen in Köln und Berlin anlaufen.

„In Car Office“ – Das Fahrzeug als Büro

Wie stark IT und Fahrzeugbau mittlerweile zusammenwachsen, demonstriert Mercedes mit „In Car Office“. Die auf Exchange basierende Funktion im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen Mercedes-Benz und Microsoft kann beispielsweise an anstehende Telefonkonferenzen erinnern bzw. die Teilnahme aus dem Fahrzeug heraus zusagen oder ablehnen – je nachdem, ob sich der Fahrer momentan im Fahrzeug befindet.

Schon in der ersten Jahreshälfte 2017 soll In Car Office in den ersten Daimler-Modellen bereitstehen und Schritt für Schritt erweitert werden. Im asiatischen Raum wäre eine Integration von WeChat denkbar, hierzulande könnte es auf eine Integration von Skype, Facebook Live oder Facetime hinauslaufen. Mercedes scheint sich hier alle Optionen offen zu halten und trotz der anfänglichen Kooperation mit Microsoft nicht zwingend auf nur einen Anbieter zu setzen.