surface_pro_4

Detachables auf dem Vormarsch
Dank 2-in-1s mit Windows 10 erobert Microsoft den Tablet-Markt

Die IDC legt neue Zahlen vor, die Microsoft bescheinigen, mit Windows 10 und den Surface-Geräten einen neuen Trend losgetreten zu haben. Die klassischen Tablets leiden hingegen unter dem Aufschwung der "Detachables".

Der Tablet-Boom ist vorbei – eigentlich! Nach Erkenntnissen der International Data Corporation (IDC) werden in diesem Jahr 195 Millionen Tablets ausgeliefert. Haut diese Prognose hin, wären das 5,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Sowohl bei Android-Tablets als auch bei den iPads ist der Trend mittlerweile rückläufig. Frischen Wind in die Sparte bringen seit einiger Zeit aber die Detachables, also Tablets mit abnehmbarer Tastatur.

Auch bei der IDC spricht man nun von Detachables, nachdem in den letzten Jahren von 2-in-1s die Rede war. Mag sein, dass das Wording für viele nicht besonders interessant ist, aber für mein Empfinden macht die IDC hier nun einen klaren Schnitt zwischen Tablets mit abnehmbarer Tastatur und beispielsweise den Yoga-Geräten, bei denen durch Umklappen des Displays ebenfalls aus einem Notebook ein Tablet wird.

Soll uns jetzt aber nicht weiter interessieren fürs Erste, denn spannender als die Definition von 2-in-1s ist die Tatsache, dass der Tablet-Markt dank der neuen Hybriden wieder neue Impulse bekommt: Wurden von den Detachables im Jahr 2015 16,6 Millionen Einheiten abgesetzt, sieht die IDC-Prognose vor, dass es in vier Jahren bereits über 63 Millionen jährlich sein werden.

Der Trend hängt mit dem Anspruch der Nutzer zusammen, nicht nur ein klassisches Tablet einsetzen zu wollen, sondern dank der Tastatur auch produktiver werden zu können. Oft geht der Formfaktor der Detachables auch einher mit einer stärkeren Ausstattung, so dass produktives Arbeiten auf einem solchen Hybrid-Tablet wesentlich besser möglich ist als auf den einfachen Tablets.

The reason people want a detachable is that they want a bigger tablet screen with a keyboard. People want the performance you get with a larger screen and keyboard, not just the tablet for browsing and consuming of content. Jean Phillippe Bouchard, IDC-Analyst

Während wir also davon ausgehen dürfen, dass die klassischen Tablets weiterhin an Popularität einbüßen werden, ziehen die Verkäufe bei den 2-in-1s in den nächsten Jahren stetig an. Den „Schuldigen“ hat die IDC auch ausgemacht: Den Trend verdanken wir Microsoft, verrät IDC-Analyst Jean Phillippe Bouchard in einem Interview. Die haben mit dem Surface Pro 4 und dem Verkaufsstart von Windows 10 den entscheidenden Impuls geliefert, der immer mehr Hersteller dazu bewegt, auf den 2-in-1-Zug aufzuspringen.

Auch Google mit dem Pixel C und Apple mit dem iPad Pro versuchen sich an Tablets mit abnehmbarem Keyboard, aber die treibende Kraft ist hier ganz klar Microsoft mit Windows 10 – weder Android noch iOS können mit ihren Möglichkeiten und ihrer mobilen Ausrichtung mit dem produktiven OS aus Redmond mithalten.

Nachdem Microsoft bei den Smartphones nahezu keine Rolle spielt und bei den Tablets lange ebenfalls eine sehr untergeordnete, sind die Mannen um Satya Nadella nun dabei, sich den Tablet-Markt zu krallen. Das Timing für Windows 10 war scheinbar perfekt, denn dieses System funktioniert bestens sowohl auf klassischen Notebooks und Desktop-PC als auch auf Tablets. Der perfekte Nährboden also für besonders mobile Geräte, die ein starkes OS, hohe Rechenleistung und besagte Mobilität miteinander vereinen.

Das belegen auch die Zahlenspiele der IDC: 53 Prozent der verkauften Detachables kommen mit Windows 10, laut Prognose sollen es im Jahr 2020 an die 75 Prozent sein!

Apple springt den Trends hinterher

Das bringt uns zu den anderen Playern auf diesem Markt. Sowohl Google als auch Apple tun sich auch in Zukunft mit dieser Produktsparte schwer: Apple verdankt dem iPad Pro einen Marktanteil von 28 Prozent, bei Android sind es aktuell 18 Prozent. Während die ICD für 2020 prognostiziert, dass der Android-Anteil auf dem selben Niveau verbleibt, sollen die Zahlen bei Apple rückläufig sein und bis 2020 7,3 Prozent erreichen.

pixel-c

Nachdem Apple mit dem iPad dem kompletten Tablet-Segment überhaupt erst Leben eingehaucht und den Markt über Jahre deutlich dominiert hat, verkümmert das Unternehmen aus Cupertino in dieser Sparte zu einem kleinen Tech-Licht. Wir erinnern uns, dass man sowohl mit Tablets in kleiner Größe als auch mit einem Eingabegerät in Form eines Stifts nichts anfangen konnte und sich darüber sogar lustig machte.

Mittlerweile gibt es nicht nur das iPad mini, sondern auch das iPad Pro mit Stylus. Apple ist stets das Unternehmen gewesen, welches die mobile Technik vorantrieb und ganze Märkte prägte und dominierte – sei es mit dem iPod, dem iPhone oder auch dem iPad. Jetzt muss man sich zusammen mit Google erst einmal hinten anstellen und Nachfragen bedienen, die man nicht selbst bei den Kunden ausgelöst hat.

iPad Pro mit Pencil von der Seite

Microsoft wird es freuen, denn mit Windows 10, der dazugehörigen Strategie, Technologien wie Continuum scheinen die Redmonder bestens für die Zukunft aufgestellt zu sein. Unterdessen werden sich die Köpfe bei Google Gedanken machen, ob und wie man Android und Chrome verschmelzen lässt, während man sicher auch bei Apple grübelt, ob OS X künftig nicht besser Touch-Bedienung unterstützen sollte.

Quelle: IDC via Computerworld