Dank Google Earth: Regenwald und neue Spezies entdeckt

In Mosambik wurde dank Google Earth bislang unentdeckter Regenwald ausfindig gemacht. Ein absoluter Glücksfall für Wissenschaftler.

Ihr wisst, dass ich ein großer Serien- und Film-Fan bin. Dazu gehören auch Filme, in denen es wackere Helden in den Dschungel verschlägt. Unentdeckte Regenwälder, die nie ein zivilisierter Mensch betreten hat, exotische Tiere und Pflanzen — das klingt doch alles automatisch nach Abenteuer, oder nicht?

Vermutlich würde so ein Film aber nicht damit anfangen, dass ein Wissenschaftler sich auf Google Earth umschaut. Genau das ist aber passiert und das Resultat ist tatsächlich ein außergewöhnliches Abenteuer, bei dem ein Team von 28 Menschen unentdeckten und seit Hunderten Jahren unberührten Boden erkunden konnten.

Auf der Suche nach unberührtem Regenwald wurde Dr. Julian Bayliss schon mal fündig, als er nämlich am Monte Mabu den größten Regenwald ausfindig machte, den es im Süden Afrikas gibt. Auch damals war ihm Google Earth eine Hilfe und das Kunststück wiederholte er nun. In Mosambik, gar nicht weit vom Monte Mabu entfernt, liegt der Monte Lico. Dieser erloschene Vulkan beherbergt in seinem Krater unberührten Regenwald, was damit zusammenhängt, dass wir es hier mit einem Inselberg zu tun haben. Der insgesamt 700 Meter hohe Berg besitzt ein fast senkrecht ansteigendes und 125 Meter hohes Kliff an der Spitze, welches man ohne entsprechende Kletter-Ausrüstung und Übung nicht erklimmen kann.

(Foto: Jeffrey Barbee/Allianceearth.org)

So kommt es also, dass seit Hunderten von Jahren kein Mensch diesen Regenwald im Krater betreten hat. Für die Wissenschaftler um Dr. Bayliss ist das eine absolute Sensation. Mosambik besitzt sehr viele dieser Wälder, aber nach aktuellem Kenntnisstand ist der jetzt erklommene Regenwald im Monte Lico der letzte unberührte gewesen.

Die Wissenschaft profitiert, weil man hier sehr schön sehen kann, wie sich dieser Regenwald im Vergleich zu anderen entwickelt hat. Man kann aber nicht nur sehen, wie sich die bekannten Regenwälder von einem solchen Wald unterscheiden, bei dem lediglich die Natur selbst eingegriffen hat, sondern es gibt auch neue Flora und Fauna zu entdecken.

Im Mai konnte das Team sich auf diesen aufregenden Trip begeben, entdeckt hatte Dr. Bayliss diesen Urwald aber bereits 2012. Sechs volle Jahre hat man damit verbracht, sich auf die Expedition vorzubereiten, die richtigen Leute zusammenzustellen. Teil der Vorbereitung war auch eine spezielle Ausbildung im Klettern. Dazu waren zwei Kletter-Profis Teil des Teams, die diese Ausbildung übernommen haben.

Bereits jetzt — die Auswertung läuft natürlich noch — können sich die Wissenschaftler über neu entdeckte Spezies freuen. So wurde eine neue Maus-Art entdeckt und ein neuer Schmetterling. Durch die Isolation des Regenwaldes dürfen wir davon ausgehen, dass hier weitere Pflanzen und Tierarten entdeckt werden bei der Auswertung oder künftigen Missionen.

Eine Raupe, aus der einmal ein Schmetterling werden wird. (Foto: Jeffrey Barbee/Allianceearth.org)

Erstaunlicherweise verdanken die Wissenschaftler die ganzen neuen Erkenntnisse und Entdeckungen nicht nur Google Earth, sondern auch dem Krieg, der in dem Land geherrscht hat. Mosambik wurde dadurch entwicklungstechnisch zurückgeworfen, weil sowohl die Industrialisierung als auch die Besiedlung dieses Landesteils auf diese Weise deutlich verlangsamt wurden.

Ich finde es schön, dass wir auf diesem Planeten eben noch lange nicht alles gesehen haben, was es zu entdecken gibt und ich hoffe, dass in diesem Falle die Regierung in Mosambik die richtigen Schlüsse zieht und die richtigen Entscheidungen trifft, um den Regenwald zu schützen. Noch schöner wäre es, wenn wir den Regenwald generell allesamt zu schätzen wüssten und mehr passieren würde, um ihn überall auf der Welt zu schützen.

Ja, vermutlich ein frommer Wunsch, aber generell habe ich schon den Eindruck, dass wir Menschen deutlich mehr für diese Thematiken und Probleme sensibilisiert werden und trotz aller menschlichen Verbrechen an der Natur immer öfter nachhaltig gedacht wird.

Quelle: Alliance Earth via Quartz