Danke! – Mein Deutschland ist zurück.

Ich bin nicht gerade sehr nah am Wasser gebaut. Ich habe schon immer eher realistisch auf eine Situation zu schauen versucht. Manche nannten mich cool (was ich früher irgendwie mochte), andere nannten es gefühlskalt (was sich erst mal blöd anhörte). So oder so, man attestierte mir hier und da, dass mir irgendwie schon früh das Gen abhanden gekommen sein muss, dauernd wie ein Schlosshund los zu heulen. Was sich für Mädchen offensichtlich so gehörte (#Aufschrei).

Titanic

Als ich „Titanic“ sah und alle um mich rum Rotz und Wasser heulten, fragte ich mich, warum der süße diCaprio (ja, so lange ist das schon her, dass Leo da noch attraktiv war – liebe Grüße an Toni an dieser Stelle) erfroren in den Ozean hinabgleitet, während die dicke Winslet … aber ich schweife ab. Und die Trolle zum Thema Fat Shaming hat ja diese Woche schon Nicole Arbour abgegriffen.

Das Comeback des Jahrzehnts

Die letzten Tage jedenfalls, beginnend mit dem vergangenen Wochenende, haben mir etwas zurück gebracht. Etwas, was ich schon lange nicht mehr verspürt hatte und das in den vergangenen Monaten in fast unerreichbare Ferne gerückt war. Als Flüchtlingsheime brannten, Facebook zur Plattform für menschenverachtende Nazi-Parolen der „Besorgten Bürger“ wurde und Politiker schwiegen, war mir nach vielem (das meiste davon hatte mit schon mal verdauten Nahrungsmitteln zu tun), aber nicht gerade danach, das Loblied auf unser Land zu singen.

Dann allerdings ging etwas durch dieses Land, das ich fast nicht mehr erwartet hätte. Der Ruck kam in Form von Gänsehaut. Gänsehaut im Minutentakt. Plötzlich, als hätte der Aufstand der Anständigen einen Weckruf erhalten, kamen sie über alle Kanäle und wurden für jeden sichtbar: Nachrichten aus jeder Ecke Deutschlands. Überall fassten sich Menschen ein Herz und wurden aktiv. Ohne Eigennutz, ohne Anspruch auf Dankbarkeit und ohne es an die große Glocke zu hängen. Sie wussten: Symbole alleine werden nicht helfen. Taten sprechen mehr als Worte. Ich kann hunderte Kolumnen schreiben, aber dadurch – so ehrlich muss man wohl sein – wird es vielleicht keinem einzigen Flüchtling besser gehen.

YZC3YT~1

Aufstand der Anständigen

Doch diese Menschen sind los gezogen. Sie alle haben einen Job, Kinder, Verantwortung. Alltagsstress und Probleme. Wie jeder. Und doch sind sie aus ihrer Komfortzone aufgestanden und haben Hilfe, Zuversicht, das Gefühl des Willkommenseins und Nächstenliebe mitgebracht. Sie brachten Liebe und ein Bild von Deutschland, das mir Tränen der Rührung in die Augen trieb, an die Bahnhöfe von München, Frankfurt, Hamburg, Dortmund, Saalfeld – um nur einige zu nennen.

Die Bilder von strahlenden Kindern und glücklichen Eltern, die nach teilweise monatelanger, lebensgefährlicher Flucht endlich sicheren deutschen Boden erreicht hatten, gingen mir ans Herz – und was noch viel wichtiger ist: sie gingen um die Welt.

2C02E40900000578-3223222-image-a-8_1441525027852

Refugees Welcome

Plötzlich ist Deutschland nicht mehr Kaltland. Die ganze Welt reibt sich beeindruckt die Augen. Und jubelt über das, was die Menschen in Deutschland in diesen Tagen erschaffen. Ein Land, das denen die Hand reicht, die sie gerade am meisten brauchen. Ein Land, das kurz schockiert war über die Aggressivität und Gewaltbereitschaft, mit der die aus ihren Löchern gekrochenen Nazi versucht haben, Stimmung zu machen. Aber dann kurz durchgeatmet hat und den braunen Abschaum in einer Welle von Sympathie und Herzlichkeit für Fremde, die unsere Hilfe brauchen, wegfegte.

1798107_855065614526779_512299426507955017_n

Ein Land, das die Nazis wieder zurück gejagt hat in ihre Hartz IV-Bruchbuden, in denen man eben hausen muss, wenn das einzige, was man jemals in seinem Leben erreicht hat, die Geburt in Deutschland war. Für die man nichts konnte und die einen für absolut gar nichts qualifiziert. Außer, dass man sein Leben lang demütig und dankbar sein sollte, dass man an einem so sicheren Ort leben darf.

Bereit

Die Menschen in Deutschland sind nicht besorgt. Sie sind bereit. Bereit, großes zu leisten. Menschlich und praktisch. Sie bringen das Lächeln zurück in die Gesichter der Ärmsten der Armen. Zu den Menschen, die ihr gutes Leben, all ihr Hab und Gut in der Heimat unverschuldet durch Krieg verloren haben. Und damit bringen sie ganz Deutschland zum strahlen. Dieses Engagement eines jeden einzelnen macht Deutschland wieder zu einem Leuchtturm. Ein Land, an dem man sich orientieren kann. Dem man nacheifern möchte. Ein Land, das Menschen anderswo dazu anregt, ihre Regierungen zu fragen, warum sie sich nicht wie Deutschland verhalten können. Deutschland erfindet sich gerade selber neu. Darf man darauf stolz sein? Ich bin es. Mit jeder Faser meines Körpers.

2C0392FC00000578-3223222-image-a-24_1441525742026

Helden wie Ihr

Für mich ist jeder einzelne ein Held. Der kleine Junge und das kleine Mädchen, die zu Hause Stofftiere und Spielsachen zusammensuchen, damit sie sie den Kindern in den Flüchtlingsunterkünften bringen können. Den Kindern, die nicht viel mehr als ihre Klamotten am Leib besitzen. Der Stundet, der Azubi, der von seinen sehr spärlichen finanziellen Mitteln im Supermarkt Hygieneartikel und Windeln kauft, um die Erstversorgung zu garantieren. Die jungen Mädchen, die ihre Freizeit opfern, um in den Flüchtlingsheimen zu helfen, Spenden zu sortieren und Ansprechpartner für Menschen zu sein, die noch völlig fremd und verängstigt hier ankommen. Die Rentner, die „Schrei nach Liebe“ singen. Und auch der Unternehmer, der eine große Geldsumme an Pro Asyl oder auch Aktion Deutschland hilft spendet. Helden.

I´m Starting With The Man In The Mirror

Millionen von Menschen haben ein Zeichen gesetzt. Sie haben darauf verzichtet, der Politik vorzuwerfen, zu spät und zu langsam reagiert zu haben. Die Situation durch verfehlte Zuwanderungspolitik und Duldung von Waffenexporten sogar herauf beschwört zu haben. Das sind alles sehr wichtige Punkte, die aber momentan zurück gestellt werden müssen. Jetzt sind Handlungen gefragt. Politische Konsequenzen sollen an anderer Stelle erörtert und genau überdacht werden, damit es in Zukunft eine etwas bessere Welt gibt. Dann, wenn wir diese Herausforderung heute gemeistert haben. Und daran glaube ich. Denn plötzlich sind nicht mehr „Bachelorette“ oder Fußball das wichtigste für den Durchschnittsdeutschen. Es ist der Mut und die Überzeugung, seinen kleinen Teil beizutragen. Damit haben Revolutionen begonnen und auch Wunder.

Das Wunder von Heidenau

Das Wunder von Bern rührt uns auch noch heute. Es gab Filme und Musicals – und doch war es nur Fußball. Die wichtigste Nebensache der Welt. Heute geht es um wichtigeres. Um Menschenleben. Und darum, in was für einem Land wir leben möchten. Es ist nur ein paar Tage her, als ich schockiert vor meinem Laptop saß und ertragen musste, dass es „Menschen“ in Heidenau gab, die tagelang eine Art Straßenkampf abliefern konnten. Die Flüchtlingsbusse blockieren und ohnehin schon von Krieg und Flucht traumatisierte Menschen mit Steinen und Nazi-Parolen empfingen. Und die Politik zunächst schwieg.

Ich gebe zu, ich hatte Angst. Ich wusste nicht, wie man diesem als besorgte Bürger verkleideten Naziabschaum Einhalt gebieten könnte. Diesem „Pack“, wie Sigmar Gabriel sie später nennen würde. Denn Gewalt, auch wenn man manchmal für ein paar Sekunden geneigt ist, es anders zu sehen, ist nie eine Lösung.

Und während ich noch dasaß und mit ein paar mittelmäßig lustigen Tweets versuchte, mir meine Panik nicht anmerken zu lassen, geschah es. Einfach so. Aus dem nichts (also, nicht aus den Gehirnen der Nazis, sondern aus dem Nichts im übertragenen Sinne): Das Wunder von Heidenau.

You May Say I´m A Dreamer, But I´m Not The Only One

Natürlich. Ich weiß. „Das Wunder von Heidenau“ klingt jetzt etwas zu heroisch. Es klingt nach dem Wunsch, über eine Marketingabteilung T-Shirts zu verkaufen. Und doch will ich es heute so nennen. Die Nazis mit ihren sinnentleerten Hasspredigten, mit denen sie die Straßen vor Flüchtlingsheimen und die Kommentarspalten im Internet überschwemmten, haben sich ihr eigenes Grab gegraben. Dort in Heidenau, wo Angela Merkel als „Hure“ beschimpft und Busse mit kleinen Kindern an Bord attackiert wurden, hielten die Kameras drauf. Dort haben die Gutmenschen-Kritiker sich selber begraben. Als noch kein einziger Politiker etwas zu Heidenau gesagt hatte, war diese Ansammlung von Verlierern bereits über die sozialen Medien in jedes Wohnzimmer geschwappt. Die auch in mir anfangs sehr starke Überzeugung, die Dummheit dieser Schwachköpfe würde sie nach kurzer Zeit selber disqualifizieren, schwand.

Plötzlich war man mit Fakten konfrontiert. Menschen wurden mit dem Leben bedroht – und das nicht in ihrem Heimatland, wo der Krieg tobte, sondern hier bei uns. Von „Asylkritikern“, die ihre Unterkünfte anzündeten. Auf deutschem Boden. Die Dummheit hatte in unsere Timelines Einzug gehalten. Die Gewalt war nicht mehr ein abstrakter Bericht in der Tagesschau über ein Land, das weiter von uns weg zu sein schien als Lothar Matthäus von einem Trainerposten in der Bundesliga. Sie war hier. Sie zeigte sich in den Fratzen von den Menschen, die ein Klima schafften, das die „Zeit“ als „Die nächste Stufe der Gewalt“ bezeichnete.

Ihr seid Deutschland!

Und irgendwo auf dem Weg von der Couch in die Küche muss es passiert sein. Junge, alte, Frauen, Männer, ja sogar Kinder haben sich daran erinnert, was vielleicht das wichtigste auf der Welt ist: Menschlichkeit. Und sie haben entschieden, dass sie sich ihr Land nicht kaputt machen lassen von einer Horde Intelligenz-Flüchtlinge, die ihren Selbsthass in absurde Vorwürfe und Gewalt gegen „Schmarotzer“ und „Wirtschaftsflüchtlinge“ kanalisieren. Ein Tsunami der Hilfsbereitschaft. Deutschland hat einfach aufgehört, ein paar gestörten Seelen, die glauben, dass ihr Hartz IV-Satz verdoppelt würde, wenn es uns nur gelänge, alle Asylanten aus Deutschland zu vertreiben, die Nachrichten und die Stimmungsmache zu überlassen.

Deutschland ist aufgestanden.

Das wart Ihr alle. Wirklich. Jeder von Euch, auch wenn er noch nicht selber als Helfer in Flüchtlingsheimen gestanden hat. Jeder Apfel, der einem kleinen Kind gereicht wird, ist ein Symbol. Jeder Kommentar, den Ihr unter eine Hetzparole im Internet schreibt, ist ein Symbol. Ein T-Shirt mit „Refugees Welcome“ zu tragen, ist ein Symbol. Ich danke jedem einzelnen für das, was er getan hat, um Teil dieser Umkehr zur Menschlichkeit zu sein.

Deichkind-refuges

Du hast dazu beigetragen. Genau Du. Du bist genau so wichtig wie Til Schweiger oder Joko & Klaas. Ja klar, irgendwie hat auch Til Schweiger den Stein mit ins Rollen gebracht. Und auch Joko & Klaas nutzen ihre Reichweite, um Stellung zu beziehen. Natürlich kann man jetzt die Theorie aufstellen, dass sie alle sich nur öffentlich im Licht des Gutmenschen sonnen wollen – aber selbst wenn es so wäre: Wenn nur ein einziger ihrer Fans dadurch dazu bewegt wird, sich gegen Fremdenfeindlichkeit zu stellen, war es das wert.

Wahre-Worte-Danke-@officiallyjoko-und-@damit_das_klaas-dafuer-Mundaufmachen-refugeeswelcome

Helene Fischer gefällt das nicht

Übrigens: Wenn es so einfach wäre, seine Popularität mit ein paar Pro-Flüchtlinge-Statements aufzufrischen, wo sind dann die ganzen anderen deutschen Promis, die auf den Zug aufspringen. Bei der IceBucketChallenge waren sie alle dabei. Das war aber auch risikolos – es ging um eine Krankheit und Spenden für die Forschung. Gegen „Besorgte Bürger“ sind es heute noch recht wenige. Die meisten halten sich bedeckt. Haben womöglich Angst, dass die bildungsferne Schicht von Besorgtbürgern möglicherweise genau die Klientel ist, die ihre Filme sieht oder CDs kauft.

Oder wo ist zum Beispiel Helene Fischer? Ist seit Jahren Dauergast in sämtlichen Medien und hält mit gefühlt nur einem einzigen Song Deutschland in Atemnot. Aber wenn es um Flüchtlinge geht – kommt gar nichts. Til Schweiger und andere, die sich positionieren, müssen sich auf ihren Facebookseiten tausenden von Beleidigungen und schlimmsten Hetzkommentaren stellen, während es auf der Facebook-Seite von Helene Fischer weiterhin nur um neue Live-DVDs, die man kaufen sollte und Farbenspiele geht. Dabei ist Helene Fischer in Krasnojarsk geboren. Das ist sogar noch etwas weiter im Osten als Heidenau oder Freital. Es liegt in Russland. Wirtschaftsflüchtling? Sozialschmarotzer? Man würde meinen, gerade sie, die Ikone der deutschen Schlichtheit, würde sich äußern. Scheint aber von ihrem PR-Team momentan als zu gefährlich eingestuft zu sein. Also schweigt man.

Aber Vorsicht. Eines muss an dieser Stelle klar gesagt werden: Es geht mir nicht darum, das Verhalten von Helene Fischer zu interpretieren. Sie steht nur als das erste Beispiel, das mir einfiel, um zu verdeutlichen, dass jeder einzelne viel machen kann und dass auch Menschen mit sehr großer Reichweite nicht gleich Publicitygeile Arschlöcher sein müssen, wenn sie sich in den Sturm stellen.

Werdet selber aktiv

Viel wichtiger ist es, jeden einzelnen weiter zu motivieren, den Weg zu gehen, der so wunderbar eingeleitet wurde. Wir lesen von pensionierten Lehrerinnen, die Flüchtlingen Deutschunterricht geben, von jungen Yoga-Lehrerinnen, die mit Flüchtlingen Sport machen, von ein paar Hamburgern, die sich überlegen, dass sie spontan mit Flüchtlingskindern und ihren Eltern an die Elbe fahren um den Kindern nach wochenlanger Angst und Flucht ein paar Stunden Sorglosigkeit zu schenken. Von Fussballvereinen, die mit Flüchtlingskindern an den Händen in Stadien einlaufen.

bvb-fans-refugee-welcome-1170x658

Helfen kann so einfach sein. Es reicht eine alte Sporttasche voller Handtücher oder ein Kasten Wasser, um viel Freude zu bereiten. Engagiert Euch persönlich oder spendet. Oder positioniert Euch in der Familie, bei den Freunden, in der Öffentlichkeit. Oder habt Ihr ein freies Zimmer oder eine freie Wohnung? Super – Stellt es hier zur Verfügung.

2C01540400000578-3223222-image-a-28_1441487358894

Werdet ein noch größerer Teil dieses Sommermärchens, das wir erleben dürfen. Helft mit, dass Nazis keine Handbreit Platz in unserer Gesellschaft haben.

Das sagen andere

Was Ihr für die Flüchtlinge, für Deutschland tut, bleibt nicht im Verborgenen. Es wird gesehen. Und es macht uns alle glücklich:

Wenn ich daran denke, wie zuletzt Flüchtlinge in Deutschland willkommen geheißen wurden, kriege ich Gänsehaut Neven Subotic, Borussia Dortmund

Sometimes German words end up having an international career.Kindergarten is one of them, Blitzkrieg another. Willkommenskultur could be next. With its uniquely German ring of bureaucratese and poetics,Willkommenskultur means “welcome culture” and is a word not born of custom but created to establish one. The Guardian

Da müssen wir klar Haltung zeigen und denen, die Flüchtlinge bedrohen oder angreifen, deutlich machen, dass sie gegen eine Wand laufen. Und wenn sie das nicht begreifen wollen, dann müssen sie damit rechnen, dass wir ihnen an die Wäsche gehen.  Herbert Grönemeyer

Dagegenhalten, Mund aufmachen, Haltung zeigen  Anja Reschke, ARD

 

Kehrseiten der Medaille

Natürlich gibt es auch Gegenwind. Völlig überraschend weht er auch dieses mal erneut von einer Gruppierung von Menschen, die ihr Leben damit verbringt, anderen Menschen ungefragt die Welt zu erklären. Genau: Den Netzfeministinnen. Oder wie sie außerhalb ihrer eigenen Filterbubble genannt werden: Femtrolle.

(Julia Probst* gefällt das)

Nachdem sie sich – während in Deutschland Flüchtlingsheime brannten und Nazis in Stellung gingen – erfolglos darum bemüht hatten, beim WDR eine uralte Sendung mit dem Thema „Gender“ aus der Mediathek löschen zu lassen, weil ihre Randgruppen-Ikone Anne Wizorek** dort intellektuell sogar von der „Schauspielerin“ Sophia Thomalla abgekocht wurde, der man landläufig eher den IQ einer mittelgroßen Dose Insektenspray attestiert, erklären sie jetzt der Welt, auf was man stolz sein darf. Auf sein Land, das so herausragend reagiert hat, während Politiker und Femtrolle sich noch in Schweigen hüllten, nämlich schon mal nicht.

Das erfüllt offensichtlich für die Vorreiter_Innen der Meinungsfreiheit_In den Tatbestand von „Patriotismus“ und „Nationalstolz“. Diese Argumentationskette (so logisch wie der Satz des Pythagoras, vorgetragen von Daniela Katzenberger und Lothar Matthäus – auf englisch) verblüfft selbst hartgesottene Femtroll-Versteher wie Wolfgang Kubicki.

Tränen lügen nicht

Aber ich möchte nicht abschweifen. Ich hatte eingangs ja von Tränen gesprochen. Und ich meinte damit Tränen der Rührung und Freude über Nächstenliebe und Menschlichkeit. Nicht etwa Lachtränen über die Lutz Bachmänner des Feminismus, die sich ihre Welt erst so lange zurecht drehen, bis jede Aussage von anderen irgendwie kritisiert werden kann, um dann alle Kritiker, die sich überhaupt noch die Mühe machen, auf diesen Argumentations-Dünnpfiff, für den sich Rosa Luxemburg im Grabe umdrehen würde, zu reagieren, zu blocken – und das dann stolz in ihrer Timeline als Akt der Souveränität zu feiern.

Es ist in diesen Tagen so viel passiert in Deutschland. Die internetverliebte Selbstdarstellerin in mir würde gerne behaupten: Es war das aufbegehren der Anständigen – auch im Netz. Es war #bloggerfuerfluechtlinge und hundert tausende Menschen, die nicht müde wurden, jeden der unfassbar menschenverachtenden Nazi-Kommentare im Netz so lange lächerlich zu machen, bis auch der letzte Internetnutzer begriffen hatte, dass man mit den „besorgten Bürgern“ direkt auf eine sehr braune, sehr dumme und sehr kalte Zukunft zusteuert.

Ein stummer Schrei nach Liebe

Egal, was am Ende den Ausschlag gegeben hat: Deutschland hat reagiert. Der Song „Schrei nach Liebe“ – immerhin schon aus dem Jahr 1994 und schon mehr als zwei Jahrzehnte kein Dauergast mehr in den Heavy-Rotations der Radiostationen – erklimmt Platz 1 der deutschen Charts. Die #AktionArschloch schafft es in wenigen Stunden, diesen fast vergessenen Song wieder ganz nach vorne zu katapultieren.

Die Ärzte, die sich umgehend meldeten und ankündigten, sämtliche Erlöse an ProAsyl zu spenden, singen in diesem Song „Weil Du Probleme hast, die keinen interessieren. Weil Du Schiss vorm Schmusen hast, bist Du ein Faschist“ und werden zur Stimme einer Bewegung, die mit #RefugeesWelcome begonnen hat und die noch lange nicht beendet ist. Und ja: Sie singen wirklich Faschist. Nicht Netz-Feminist. Da muss man bei dieser Textpassage wirklich zwei mal hinhören.

Die einzigen, die im Moment im Angesicht dieser sich flächendeckend ausbreitenden Willkommenskultur nicht ein kleines bisschen verliebt in dieses Land sind, sind die besorgten Bürger (die aber natürlich keine Nazis sind). Ach ja, und die Femtrolle (die aber natürlich total für Meinungsfreiheit sind. Jedenfalls solange es ihre Meinung ist). Denken Sie mal darüber nach.

Also: Macht weiter so! Ihr seid Helden!

Marie

2BFE6C3100000578-3223222-image-a-201_1441459260370

(*Name von der Redaktion nicht geändert. Sie ist in der Femtroll-Bewegung übrigens nicht dafür zuständig, auf was man stolz sein darf, sondern was man witzig finden darf:

…und lest dazu auch Mickys Kolumne.

(*Name von der Redaktion auch nicht geändert. Sie ist in der Femtroll-Bewegung zuständig dafür, ihre „Fans“ zur Manipulation von Bewertungen auf Amazon aufzurufen:

…und schlug sich auch in unserer allseits beliebten Kult-Serie „Fappygate“ ohne große Umschweife auf die Seite der Meinungsfreiheit, in dem sie Redeverbot für Sascha Pallenberg auf der re:publica forderte: