Kommentar
Das Apple iPhone 8 wird teurer und Samsung ist Schuld? Was ein Quatsch!

Das Apple iPhone 8 steht vor der Tür und es wird wohl teurer als je ein iPhone zuvor. Einen Mitschuldigen hat man auch schon auserkoren: Samsung! Wir halten das für ziemlichen Quatsch.
von Carsten Drees am 7. September 2017

Am 12. September ist es soweit und Apple stellt sein iPhone 8 (oder iPhone Pro? oder doch iPhone X?) vor. Darüber haben wir bereits berichtet und wir schrieben auch mehrfach darüber, dass eine Anschaffung dieses Smartphones eine noch kostspieligere Angelegenheit werden könnte, als es beim iPhone eh schon der Fall ist.

Schon in Veras Artikel zum gestiegenen Preis war es der auf Apple spezialisierte KGI-Analyst Ming-Chi Kuo, der auf eine spezielle Komponente verwies: Das von Samsung produzierte OLED-Display. Bislang setzt Apple in seinen iPhones auf LCD-Panels und auch die „normalen“ neuen iPhones — also iPhone 7s und die Plus-Variante — werden weiterhin auf diese günstigere Technologie vertrauen.

Ja, die OLED-Technik ist teurer und niemand außer Samsung kann zudem OLED-Panels in diesen riesigen Mengen produzieren, wie sie von Apple aktuell benötigt werden. Dennoch wehre ich mich dagegen, Samsung den Schwarzen Peter zuzuschieben, sollte das neue iPhone tatsächlich nochmal deutlich teurer werden als bisherige Handsets aus Cupertino.

Genau das dürfen wir aber bei der derzeitigen Berichterstattung erwarten und die ersten Medien steigen bereits auf genau diese Argumentation ein: Der Business Insider schreibt zum Beispiel, dass Apple nicht die Kontrolle über den hohen Preis des iPhone 8 hat und Mashable sagt bereits in seiner Headline, dass Samsung laut eines KGI-Reports verantwortlich wäre für das teure iPhone.

Ich halte das für absoluten Irrsinn, wenn ihr mich fragt. Erneut legt Ming-Chi Kuo seine Einschätzung vor und geht davon aus, dass die Kosten für das Display von den bisherigen 45-55 US-Dollar auf nunmehr 120-130 US-Dollar ansteigen werden. Kosten, die Apple eins zu eins auf den Verkaufspreis aufzuschlagen gedenkt und damit an den Endkunden weiterzugeben.

So (die mittlere Abbildung) dürfte das iPhone 8 aussehen

Apple macht sich die Taschen voll und Samsung ist Schuld? Kommt schon!

Die Argumentation finde ich gleich auf mehrere Arten behämmert und ich will es euch auch erklären. Los geht es damit, dass die OLED-Technologie eine fundamental andere ist als die für LCD-Panels — und zwar eine überlegene, deshalb möchte Apple sie ja jetzt im iPhone 8 verbauen und künftig generell auf OLED setzen.

Man kann doch nicht allen Ernstes dann den Hersteller der qualitativ besseren Technik dafür anzählen, dass sie kostspieliger ist, oder? KGI geht — wie oben erwähnt — davon aus, dass allein die Wahl des Panels den Preis um round about 75 US-Dollar erhöht. Der Business Insider bezieht sich auf Zahlen von UBS, die lediglich davon ausgehen, dass das OLED-Display den Herstellungspreis um etwa 24 Dollar erhöht.

Wenn ich in einem Restaurant stets ein Wiener Schnitzel mit Pommes esse und mich dann heute plötzlich für Kobe-Rind entscheide, dann zähle ich doch auch nicht den Rinderzüchter an, wenn ich nach dem Essen eine höhere Rechnung präsentiert bekomme, oder? Aber der Vergleich zwischen den Display-Preisen hinkt für mich nicht nur bezüglich der Qualität.

Es geht auch schon um die Größe: Laut IHS Markit werden im iPhone 7 für das LCD-Panel um die 43 Dollar fällig, also für ein 4,7 Zoll großes Display. Beim iPhone 8 gehen wir derzeit von einem 5,8 Zoll großen Display aus. Auch das kann man Samsung schlecht ankreiden, dass mehr irgendwie auch mehr kostet.

IHS Markit hat übrigens auch die einzelnen Komponenten und die Herstellungskosten des Samsung Galaxy S8 aufgebröselt. Dort werden für das fast randlose „Infinity Display“ 85 US-Dollar veranschlagt, nur damit ihr eine Hausnummer habt und sehen könnt, dass auch Samsung selbst logischerweise OLED deutlich mehr kostet als die preisgünstigere LCD-Variante.

Laut IHS Markit liegt das Samsung Galaxy S8 in der Herstellung bei 307,50 US-Dollar inklusive Montage. Das sind 43,34 US-Dollar mehr als beim Galaxy S7 und 36,29 US-Dollar mehr als beim Galaxy S7 edge, welches in Sachen Display eher den wirklichen Vorläufer des Galaxy S8 darstellt.

Damit kommen wir dann jetzt auch zu einem Punkt, den ich hier noch gar nicht angesprochen habe: Die Gewinn-Marge, die sich die Unternehmen einstreichen. Samsung investiert also 307,50 US-Dollar in die Herstellung eines Geräts, welches im Handel dann ab 720 US-Dollar angeboten wurde. Das ist eine stolze Differenz, aber schauen wir auf Apple zum Vergleich:

Bei 759 Euro geht es mit dem kleinsten iPhone 7 los, beim iPhone 7 Plus in der größten Variante sind es dann über 1 100 Euro. In der Herstellung (lest hier den Bericht von Wired) werden umgerechnet ungefähr 200 Euro fällig beim kleinsten Modell, bei größeren Varianten ist es entsprechend ein wenig mehr. Auch dank dieser riesigen Spanne zwischen Herstellung und Verkaufspreis konnte Apple allein im letzten Quartal einen Gewinn von 8,72 Milliarden US-Dollar erzielen.

Entwicklung der Herstellungskosten beim iPhone. Infografik von Statista

Ich möchte nicht Apple dafür anzählen, dass sie hochpreisige Hardware verkaufen, die auch qualitativ über jeden Zweifel erhaben ist. Aber angesichts einer riesigen Gewinnmarge darf man ruhig darauf hinweisen, dass es vermessen wäre, jetzt ausgerechnet den Display-Lieferanten aus Südkorea für einen hohen iPhone 8-Preis verantwortlich zu machen.

Oft und gern lese ich Kritik an den hohen Preisen von Samsung-Flaggschiffen, die ja mittlerweile in Apple-Gefilden angekommen wären. Vergesst dabei bitte nicht, dass ihr dort schon seit langem Super AMOLED-Panels vorfindet. Man kann Samsung sicher für manches anzählen, aber sicher kann man ihnen nicht vorhalten, dass sie in den letzten Jahren die schlechteren Displays verbaut hätten.

Sei es drum: Apple wird sich nach Alternativen umschauen zu den OLED-Displays des Lieblings-Feinds, so viel dürfte klar sein. Aktuell ist man aber auf Samsung angewiesen und muss damit leben, dass Qualität eben auch bei anderen Unternehmen ihren Preis hat. Jetzt könnte man sagen, dass man bei Apple anlässlich des iPhone-Jubiläums — und angesichts der riesigen angehäuften Geldreserven — einfach mal auf Gönner machen könnte und auf ein kleines Stück vom Gewinn-Kuchen verzichtet.

Das funktioniert aber leider nicht, selbst wenn man es wollte: Schließlich hat man noch zwei weitere Modelle in der Pipeline und die dürften wohl zu Ladenhütern werden, wenn Apple sein iPhone 8 zu einem ganz ähnlichen Preis raushaut wie die ästhetisch als auch technisch unterlegenen regulären iPhone-Modelle.

Ein schönes Dilemma für Apple und ein fettes Geschäft für Samsung — so oder so. Aber wisst ihr was? Egal, was die Medien jetzt aus dem hohen iPhone-Preis machen und welchen Spin sie sich für ihre Stories (und wir hier natürlich ebenso) überlegen: Ich bin fest davon überzeugt, dass das iPhone 8 ein absoluter Renner wird, egal ob auf dem Preisschild jetzt 999 Euro oder 1 199 Euro stehen wird. Oder was meint ihr?

via Apple Insider