Kommentare

Das Internet – der beste Ort der Welt (2)

Das Internet: Ein Meer von Fake-News, Hass, Hetze und Mobbing. Aber es geht auch anders - hier sind ein paar schöne Beispiele dafür.

von Carsten Drees am 30. August 2019

Das Internet ist ein Sündenpfuhl, eine riesige, digitale Kloake und ein Schmelztiegel, in dem sich alles zu versammeln scheint, was irgendwie verachtenswert erscheint. Wir erleben Shitstorms, werden mit Fake-News zugeballert, stolpern tagtäglich über Hassrede und Verhetzung. Wir beobachten, wie Menschen gemobbt werden, wie sachliche Diskussionen kaum noch möglich scheinen und wie generell eine Verrohung der Gesellschaft festzustellen ist.

Ja, stimmt: Viel deprimierender kann man einen Artikel nicht anfangen. Aber zum Glück gibt es hier auch eine positive Nachricht: Das oben Beschriebene zeigt nur eine Seite der Medaille. Es gibt auch unendlich viel Positives, was wir dem Internet verdanken. Es gibt so viel zu lernen, zu sehen, zu staunen und zu lachen.

Das ändert vielleicht nichts daran, dass die Headline vom “besten Ort der Welt” maßlos übertrieben ist. Schließlich gibt es zweifellos bessere Orte: Auf einer Party/einem Festival/einem Konzert mit Deinen besten Freunden zum Beispiel. Oder wachend am Bett des eigenen Nachwuchs oder in den Armen des Partners oder der Partnerin.

Aber kommt: Das Internet ist nichtsdestotrotz auch ein großartiger Ort, wenn man nur einen Blick für die tollen Dinge des Lebens hat. Manchmal ist man unschuldig, dass man einige dieser tollen Dinge verpasst, weil “das Internet” eben unüberschaubar riesig ist und uns nicht jeder interessante Link erreicht. Mit dieser Reihe auf unserem Blog möchte ich zumindest dafür sorgen, dass ihr einiges von dem zu sehen bekommt, was mich in den letzten Tagen positiv überrascht, begeistert oder auch zu Tränen gerührt hat oder staunen ließ.

Hier sind meine heutigen drei Beispiele für ein tolles Internet:

The Mighty Quinn

Eine gute Nachricht, die damit anfängt, dass wir über einen dreijährigen Jungen reden, der Krebs hat? Ja, das geht in der Tat. Die Rede ist vom kleinen Quinn aus Boston, der eine furchtbare Diagnose bekommen hat: In seinem Kleinhirn wuchert ein bösartiger Tumor. Bei der Operation konnten die Ärzte immerhin 95 Prozent dieses Tumors entfernen. Danach begann eine Chemotherapie, außerdem wartet der Dreijährige auf eine Stammzellentransplantation.

Sein Zustand fesselt ihn ans Haus, denn um eine Infektion zu vermeiden, muss er rund um die Uhr im Haus bleiben. Das ist gerade für einen quirligen, kleinen Kerl ein mieser Umstand, der sich noch zur eh schon furchtbaren Erkrankung dazugesellt. Aber es bricht natürlich auch ein Elternherz, seinen Nachwuchs so sehen zu müssen. Seine Mutter und Quinn haben aber zum Glück äußerst charmante und hilfsbereite Nachbarn.

Damit dem Knirps nicht Tag für Tag die Decke auf den Kopf fällt, bespaßen sie ihn, während er am Fenster steht. Sie jonglieren, tanzen, singen, fahren in hupenden Autos, Streifenwagen oder Trucks am Haus vorbei und bieten Tag für Tag jede Menge Entertainment. Durch diese ungewöhnliche Art der Nachbarschaftshilfe ist aus Quinn mittlerweile eine kleine Berühmtheit geworden und das hat sogar dazu geführt, dass die Dropkick Murphys bei ihm für ein kleines Privatkonzert vorbeischauten.

Auf der Facebook-Seite The Mighty Quinn werden allerlei Fotos und Videos gepostet, die zeigen, was an Bostons berühmtestem Fenster los ist. Nebenher wird natürlich immer auf die Krankheit hingewiesen und man sensibilisiert die Leute dafür, dass sie Geld an entsprechende Institutionen spenden oder selbst Blut spenden gehen. Mir geht jedenfalls das Herz auf, wenn ich sehe, wie die Community sich darum kümmert, einem kleinen Jungen sein bislang so schwieriges Leben angenehmer zu gestalten.

Doku-Liebe

Ich glaube, es muss Anfang des Jahres gewesen sein, dass ich auf Facebook vom sehr geschätzten Leander Wattig eingeladen wurde, zunächst die Seite, später dann auch die Gruppe “Doku-Liebe” zu besuchen. Tat ich und war direkt “in Love”. Wie der Name verspricht, geht es um Dokus. Einziger Zweck der Gruppe ist es, interessante Dokus mit entsprechendem Link, wo man die Dokumentation im Netz sehen kann, zu teilen und kurz zu umreißen, wieso man just diese Doku empfiehlt und was sie sehenswert macht.

Ich liebe Dokumentationen sowieso und es vergeht so gut wie kein Tag, an dem ich mir nicht wenigstens eine anschaue. Dort finde ich unendlich viele großartige Tipps und all das innerhalb einer so unglaublich friedlichen und angenehmen Gruppe. Während sich überall in den Kommentarspalten Menschen die Köpfe einschlagen, herrscht in der “Doku-Liebe” immerzu ein sehr freundliches Miteinander — so ein kleines bisschen wie eine Oase in der riesigen Facebook-Wüste.

Falls ihr Facebook meidet: Kein Problem, denn ihr könnt die Tipps zu Dokumentationen aller Art auch auf dieser Seite abgreifen. Da wir uns hier ja immer noch auf einer Tech-Seite befinden, will ich auch direkt mal eine passende Empfehlung verlinken, die sich auch via Doku-Liebe finden lässt:

FlowScape

Zum Abschluss unserer heutigen Empfehlungen komme ich zu einer ganz gechillten Nummer namens FlowScape. Der gute André Vatter nennt FlowScape den “Zen-Garten des 21. Jahrhunderts” und ich finde, das trifft es perfekt. Wenn euch das nicht wirklich weiterhilft, werft unten ein Blick auf das Video: FlowScape ist ein Spiel, welches auf der Unity Engine basiert und euch 3D-Landschaften erstellen lässt.

Eigentlich gibt es gar kein wirkliches Ziel des Spiels. Ihr fangt einfach an, eine Landschaft zu gestalten, indem ihr dort Blumen und Bäume entstehen lasst. Das ist unglaublich entspannend, zumal ihr auch noch friedliche Waldtiere in eure Landschaft einbauen könnt (sogar eine Burg nebst Drachen ist am Start) und das alles mit sehr chilliger Musik unterlegt ist. Bob Ross hätte seine helle Freude dran, da bin ich mir sicher.

Das Spiel bekommt ihr übrigens für 10 US-Dollar und zwar für Windows, macOS und auch Linux.


Das waren unsere heutigen drei Gründe dafür, wieso das Internet ein so großartiger Ort ist. Wenn ihr auch über solche Beispiele stolpert, die etwas so Positives in euch auslösen und ihr findet, dass sie in diese Reihe passen, dann teilt es mir gerne per Mail mit.

Artikelbild von Pete Linforth auf Pixabay