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Daten oder Geld – Wie bezahlt man für aktuelle Navikarten?

"Auto landet im Fluss, weil Fahrer auf Navi vertraut hat." So oder so ähnlich geht es immer mal wieder durch die Presse. Wie sollen sich Autos orientieren für (teil-) autonomes Fahren? Durch aktuelle Kartendaten, doch das hat seinen Preis.

von Claus Ludewig am 7. Dezember 2018

Beim Smartphone aktualisieren sich die Karten automatisch und kostenfrei. Bezahlt wird hier mit den Nutzerdaten, die an die Softwarefirmen abfließen. Google Maps und Apple Karten und Co. haben die kostenpflichtigen Anbieter a la TomTom, Garmin und Konsorten aus dem Markt gedrängt. Das zeigt das Beispiel Navigon. Das Würzburger Unternehmen, das zu Garmin gehört, musste geschlossen werden, denn Ihre Karten-App kostet monatlich Gebühren. Nur wenig Kunden sind inzwischen bereit, für ein einfaches Kartenupdate Geld auszugeben (siehe Meldung hier und hier).

Doch wie sieht das bei Festeinbau-Navis aus? Ich habe mich mal bei den großen drei deutschen Premium-Automarken erkundigt. Bei allen drei Herstellern sind ab der Fahrzeugzulassung drei Jahre kostenfrei alle Kartenupdates, Echtzeitverkehrsinformationen und Remote Services enthalten. Was passiert nach Ablauf dieser Periode?

Audi gewährt lange kostenlose Kartenupdates, aber…

  • Solange, wie die Hardware-Generation eines Multimedia-Systems in neuen Audi-Modellen verbaut wird, gibt es kostenlose Kartenupdates. Danach kosten neue Kartendaten etwa 199 Euro pro Jahr.
  • Verlängerung von digitalen Services – wie zum Beispiel Echtzeitverkehrsinfos, Remote Services – ist immer nur beim Autohaus möglich.
  • Derzeit werden keine Concierge Services angeboten.

e-tron Cockpit

Bei Audi sind bei allen mit dem neuen MMI Touch Response ausgerüsteten Modellen – dazu zählen A8, A6, A1 und bald noch mehr – Kartenaktualisierungen zunächst kostenlos im vierteljährigen Rhythmus möglich. Diese Daten können auf dieser Webseite heruntergeladen und auf eine SD-Karte aufgespielt werden. Diese bestückte Speicherkarte kommt dann in den Audi. Wenn die Infotainment-Generation nicht mehr in neue Modelle verbaut wird, dann sind die Kartenupdates nur noch kostenpflichtig erhältlich. Dies ist etwa alle fünf Jahre der Fall, gerechnet ab der Bestellfreigabe des Modells. Beispielsweise bedeutet das beim dieses Jahr vorgestellten A1 Sportback, dass ab 2023 keine kostenlosen Kartenaktualisierungen verfügbar sein werden. Für ein Europakartenupdate werden dann beispielsweise 199 Euro fällig. Sprich: Sobald der Nachfolger von MMI Touch Response in Audi-Modelle Einzug hält, werden Besitzer alter Ingolstädter Fahrzeuge zur Kasse gebeten.

Eine Aktualisierung der Kartendaten Over-the-Air bietet Audi auch an. Jedoch nur, wenn der Kunde die kostenpflichtigen Audi connect-Services im jährlichen Abo gebucht hat. Die Audi connect-Dienste umfassen Remote Services ebenso wie Echtzeitverkehrsinfos und kosten pro Jahr 145 Euro. Sie können nur vor Ort beim Audi Händler freigeschaltet werden.

BMW kombiniert Kartenupdate mit Online-Services im Paket

  • Die Kartenupdates sind enthalten im Connected-Paket zusammen mit Online-Diensten wie Echtzeitverkehrsinfo und Remote Services. Die jährlichen Preise sind abhängig von der verbauten Infotainment-Hardware. Es werden zwischen 79 und 199 Euro fällig. Alternativ kann man nur ein Kartenupdate für 89 Euro kaufen.
  • Alle Connected-Dienstleistungen können via Webseite gebucht werden.
  • Concierge Services können für 99 Euro pro Jahr abonniert werden.

BMW-OS-Vergleich

Bleiben wir in Bayern und schauen nun in die Landeshauptstadt. In München bei BMW werden zwei verschiedene Lösungen offeriert. Einmal gibt es die Kartenupdates in Dateiform für den USB-Stick. Dieses Map-Update kostet 89 Euro für die Europakarten. So können die Navisysteme Business und Professional aktuell gehalten werden.

Daneben gibt es die komfortablere Lösung eines Over-the-air-Updates. Die Karten werden dann direkt im Auto über die fahrzeugeigene SIM-Karte heruntergeladen und installiert. Diese Option steht nur Fahrern zur Verfügung, die einen aktuellen BMW mit Navigationssystem Professional oder dem Live Cockpit Plus bzw. Professional fahren. Die Fahrzeughalter können für einen jährlichen Betrag von maximal 199 Euro das “Connected Plus Package” auf dieser Webseite abschließen. In diesem Abo sind nicht nur mehrere Kartenaktualisierungen pro Jahr enthalten, sondern auch weitere Zusatzdienste, wie eine Echtzeitverkehrsinformation, Remote Services (inklusive Vorklimatisierung, Parkplatz-Standort) und ein News-Portal mit Tankstellenpreisen bzw. Ladesäulen-Finder.

Wer auch den Concierge Service nutzen will, muss ein separates Abo abschließen. Hier besteht die Wahlmöglichkeit, ob nur der Concierge Service für 99 Euro im Jahr gewünscht wird oder ob man das umfassendste Connected-Paket buchen möchte. Im “Connected Excellence Package” befinden sich alle Kartenupdates, alle Zusatzdienste (Echtzeitverkehrsinfo, Remote Services, News-Portal), die Nutzung von Apple CarPlay und eben der Concierge. Dafür werden je nach verbauter Infotainment-Hardware jährlich zwischen 329 und 439 Euro veranschlagt.

Mercedes offeriert alles einzeln

  • Bei MBUX kosten 3-Jahre Updates für die Navigationskarten 159 Euro. Zusätzlich kommen 139 Euro für die Echtzeitverkehrsinformation.
  • Remote Services sind in einzeln buchbare Funktionen aufgeteilt und kosten extra. Alle Services können online gebucht werden.
  • Der Concierge Service kostet 149 Euro pro Jahr.

Um die drei großen deutschen Premiumhersteller abzudecken, fahren wir nun nach Baden-Württemberg weiter. Beim Daimler wird aktuell zweigleisig verfahren. Einerseits gibt es die „alten“ Navigationssysteme ohne Touchscreen. Hier erfolgen die Kartenaktualisierungen via SD-Karte und kosten 185 Euro für die Europakarten. Andererseits sind Over-the-Air Kartendaten erhältlich, jedoch nur in Verbindung mit MBUX. Fährt man also eine aktuelle A-Klasse (weitere Modelle folgen), dann lassen sich die Karten bequem vom Auto aus auf dem neuesten Stand halten. Jedoch nur für das Kartenmaterial des Landes, in dem der Mercedes zugelassen ist. Alle anderen Kartendaten müssen via USB-Stick geupdatet werden.

Drei Jahre ab Fahrzeugzulassung sind die aktuellen Karten kostenfrei. Danach müssen Benz-Kunden das kostenpflichtige Abo „Mercedes me Festplatten-Navigation“ abschließen. Dieses bietet aktuelle Kartendaten und kostet mit einer Laufzeit von drei Jahren 159 Euro. Möchte man die Echtzeitverkehrsinformationen nutzen, so ist ein weiteres Abo fällig. Für drei Jahre werden 139 Euro veranschlagt. Sprich, um drei Jahre lang die aktuellsten Kartendaten inklusive Echtzeitverkehrsmeldungen zu bekommen, werden 298 Euro fällig.

Allerdings fehlen dann immer noch die Remote Services. Bei Daimler werden diese in unterschiedlichen Paketen angeboten.

  • Falls es gewünscht wird, Naviziele an den Mercedes schicken zu können oder den Fahrzeugstandort einsehen zu können, müssen 99 Euro für ein 3-Jahres-Abo von „Mercedes me Fahrzeug Monitoring“ nach Schwaben überwiesen werden.
  • Für die Online-Abfrage des aktuellen Tankfüllstand und um das Auto via Smartphone ver- und entriegeln zu können, muss ein 3-Jahres-Abo von „Mercedes me Fahrzeug Setup“ für 99 Euro gebucht werden.

Mercedes offeriert zu jedem Online-Service unterschiedliche Vertragslaufzeiten. Wer möchte, kann also wählen, ob er ein Abonnement für ein, zwei oder drei Jahre abschließen will.

 

Wozu überhaupt Karten updaten?

Die Frage stellt sich natürlich, warum man überhaupt für Kartendaten bezahlen soll, wenn es doch kostenlose Möglichkeiten ala Google Maps gibt. Bei den in diesem Artikel vorgestellten integrierten Navigationssystemen werden Kartendaten von Here Maps verwendet. Prinzipiell sind diese Karten genau wie Google Maps kostenlos abrufbar über die Smartphone-App Here We Go. Doch muss bedacht werden, dass in Festeinbau-Navis eine erweiterte Version genutzt wird und somit eine Sonderrolle zuteil wird. Nur in fest verbauten Navis sind Informationen zu Gefahrenquellen wie zum Beispiel Glatteis etc. verfügbar. Denn ausschließlich fest im Auto verbaute Infotainmentsysteme haben Zugriff auf Assistenzsysteme.

Denkt man nun mal an teilautonome Fahrzeuge, wird klar, warum es so wichtig ist, nicht nur ein Festeinbau-Navi verbaut zu haben, sondern dieses auch auf dem aktuellen Stand zu halten. Wer beispielsweise einen Autobahn-Piloten nutzen will, braucht zwingend auch die aktuellen Kartendaten, sonst hat das Auto keine Ahnung, wo es sich gerade befindet und ob die gerade befahrene Straße überhaupt eine Autobahn ist. Es gibt derzeit schon einzelne Modelle, die teilautonom fahren können. Dazu zählen der Audi A8 (D5), dessen teilautonomen Staupiloten Mark schon getestet hat.

Der Umweg über Apple CarPlay und Android Auto bringt übrigens nicht viel! Denn einerseits läuft die gesamte Berechnung über das Smartphone und andererseits erhalten beide Systeme vom Automobilhersteller keinen Zugriff auf die Fahrassistenzsysteme. Da zukünftig immer mehr Assistenzsysteme Einzug halten – teilautonome Helferlein sind nur der Anfang hin zum vollautonomen Fahrzeug – muss man sich als Fahrzeughalter daran gewöhnen, für digitale Dienste Geld auszugeben. Oder man verzichtet auf die Nutzung von (teil-)autonomen Systemen und fährt wieder selbst.

Ein netter Nebeneffekt – zumindest aus Herstellersicht – ist, dass die Einnahmen durch die Abo-Dienste die deutlich geringeren Wartungskosten eines E-Autos auffangen sollen. Aber auch wir Kunden haben etwas davon, denn zukünftig sollten wir uns nicht mehr so leicht verfahren. Ein bezahltes Abo vorausgesetzt…

Quellen: