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#MakeStreamingFair

Deezer mit Initiative für ein faireres Abrechnungsmodell im Musikstreaming

Deezer setzt sich mit seiner UCPS-Initiative jetzt dafür ein, dass Künstler und Künstlerinnen beim Streaming fairer entlohnt werden. Interessanter Ansatz mit mehreren Vorteilen.

von Carsten Drees am 11. September 2019

Ich weiß gar nicht, seit wie vielen Jahren ich mich hier auf dem Blog am Thema Musik-Streaming abarbeite. Irgendwie hakt es da immer noch, egal ob man bei Spotify, Apple Music, Deezer oder sonst wo schaut. Man wird das Gefühl nicht los, dass man zwar für seine Musik zahlt und sie somit regulär hört, die Künstler manchmal aber nicht besser dastehen als in Zeiten, als es deutlich mehr illegale MP3-Downloads gab als heute.

Das dürfte mehrere Gründe haben, ein ganz wichtiger ist aber sicher der Schlüssel, nachdem die Einnahmen aufgesplittet werden. Ich hab im letzten Jahr bereits einen Beitrag geschrieben, der sich mit den konkreten Einnahmen einer Künstlerin beschäftigten, vor eineinhalb Jahren berichtete ich aber auch darüber, wie schlecht es für die Musik sein kann, wenn ein Künstler wie Ed Sheeran mit 16 Songs gleichzeitig in den Top 20 vertreten ist.

Immer öfter hat man das Gefühl, dass Mainstream-Musik vom Streaming-Modell eher profitiert als Musik jenseits dieser kommerziellen Strömungen. Ich beobachte das in der für mich relevanten Musik immer öfter, dass Künstler einfach aufhören, weiter Alben zu produzieren, oder sich das Geld dazu anderweitig — vor allem über Crowdfunding — ranholen, um überhaupt noch an neue Releases zu kommen.

Auch bei Deezer ist man der Meinung, dass da was nicht stimmt und mit einer Initiative möchte man jetzt dagegen vorgehen. Schaut am besten mal auf der UCPS-Seite vorbei, auf der “User Centric Payment System” vorgestellt wird. Oder wartet — ich kann es euch auch mithilfe zweier Grafiken erklären. Hier ist der aktuelle Status Quo bei der Abrechnung:

In diesem Beispiel geht man davon aus, dass zwei Zuhörer je 10 Euro im Monat zahlen und dabei lediglich jeweils einen Künstler hören. Die erste Userin hört ihren Künstler 90 mal, User 2 spielt die Songs seines Stars nur zehn mal ab. Das sind zusammen 100 Plays und somit gehen 90 Prozent der Einnahmen an Künstler 1. Deezer sackt für seinen Service sechs Euro ein, Künstler 1 bekommt 12,60 Euro und Künstler 2 lediglich 1,40 Euro.

Das ist ungerecht, weil der Nutzer 2 ausschließlich diesen einen Künstler gehört hat, er ihn dafür aber dennoch nur mit einem sehr geringen Betrag unterstützt. Davon profitieren Musiker mit einer sehr jungen Hörerschaft. Wieso? Ganz einfach, weil 19 Prozent der Deezer-Nutzer zwischen 18 und 25 Jahre alt sind, aber 24 Prozent der kompletten Einnahmen generieren. UCPS will dieses Ungleichgewicht korrigieren.

Gleichzeitig tritt man auch denjenigen in den Hintern, die durch Cheaten (Dauerwiedergabe oder Einsatz von Bots) ihren Künstler pushen wollen. Die Musikindustrie ackert zwar wie wild, um diesen Betrug zu minimieren, doch mit einem nutzerbasierten Abrechnungsmodell würde Streaming-Betrug noch weiter reduziert werden, da die Bot-Aktivitäten nur die Einnahmen von diesen speziellen Bot-Accounts verteilen würden.

Streaming ist seit vielen Jahren der wichtigste Innovationstreiber in der Musikindustrie. Digitale Technologien und Daten ermöglichen es mehr denn je, faire Wettbewerbsbedingungen für alle Künstler*innen wie kreative Inhalte zu gewährleisten. Ein nutzerbasiertes Modell ist der nächste logische Schritt und würde heißen, dass Fans ihre Lieblings-Künstler*innen direkt unterstützen. Ein willkommener Nebeneffekt ist zudem, dass man den Betrug durch Bots los wird. So landen die Abonnementeinnahmen genau dort, wo sie hingehören – nämlich bei den eigenen Lieblings-Acts. Alexander Holland, Chief Content & Strategy Officer bei Deezer

Auf der Grafik würde sich das UCPS-Modell wie folgt darstellen:

Wie ihr seht, werden die einzelnen Streams nicht berücksichtigt, sondern lediglich, welche Künstler ein Nutzer gehört hat. Wenn das Beispiel das selbe bleibt, also Nutzer 1 nur Künstler 1 hört und Nutzer 2 nur Künstler 2, bekommen beide Acts im Endeffekt auch die gleiche Ausschüttung von Deezer.

Das bedeutet, dass es beim viel gestreamten Mainstream-Act etwas weniger in der Kasse klingelt — also bei Stars, bei denen es eh zumeist nicht auf jeden Cent ankommt. Profitieren können allerdings Künstler, die sich jenseits dieses Mainstreams bewegen. Auch Nischen-Musik kann in diesem Fall also mehr Kasse machen — ein wünschenswerter Zustand sowohl für die Bands als auch für die Fans, da die Diversität in der Musik gestärkt würde.

Premium-Nutzer von Deezer können jetzt zudem über die Webseite einsehen, wie viel von ihren Abogebühren nach dem derzeitigen Modell an “ihre” Stars geht und wie sie ihre Lieblinge nach Einführung eines UCPS unterstützen würden.

Klingt für mich nach einem sehr spannenden und in der Tat gerechteren Ansatz. Nein, natürlich werden damit nicht alle Ungerechtigkeiten in der Musik ausgebügelt, aber es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und daher halte ich dieses User Centric Payment System für absolut unterstützenswert. Wenn ihr das auch machen wollt, schaut euch die Seite ruhig mal an und wenn ihr drüber reden wollt im Netz, nutzt das Hashtag #MakeStreamingFair.