Kampf_Alexa-vs-Google-Assistant
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Der Kampf um den smarten Beifahrersitz

Sprachsteuerung und KI kommen in immer mehr Lebensbereichen. So auch ins Connectedcar. Ich stellle Euch die verschiedenen Anbieter von Amazons Alexa über Google Assistant bis hin zu digitalen Beifahrern von anderen Firmen vor.

von Claus Ludewig am 14. Januar 2019
  • Autohersteller integrieren Alexa in Ihre Infotainmentsysteme.
  • Google bringt den eigenen Assistant auch in manche Festeinbau-Navis. Aber nur in Verbindung mit Android-Betriebssystem.
  • Nachrüstlösungen sollen Sprachsteuerungen in möglichst viele Fahrzeuge bringen.
  • Konkurrenz durch andere KI-Systeme – oder doch nicht?!

 

Alexa wächst immer weiter und wird klüger. So kann Euch unser Mobile Geeks Fernweh-Podcast begleiten und um mit Sprache navigieren zu können, arbeitet Amazon seit Kurzem mit dem Kartendienst Here Maps zusammen. Auf der Tech-Messe CES 2019 folgte ein weiterer Schritt, indem nun die Integration ins Automobil präsentiert wurde. Dabei gibt es sowohl Festeinbau-Navigationssysteme, als auch Nachrüstlösungen, die mit Amazons Sprachsteuerung interagieren können.

 

BMW hat zwei smarte Beifahrerinnen

 

Der Münchner Autokonzern BMW stellt nun gleich zwei Assistenten vor, die parallel im Auto Platz finden. Einerseits den hauseigenen BMW Intelligent Personal Assistent. Damit lassen sich Fahrzeugfunktionen regeln. Von der Sitzheizung bis hin zu Fragen, wie man das Wischwasser nachfüllen kann, reicht das Spektrum. Als Besonderheit kann man dieser Sprachsteuerung ein eigenes Aktivierungswort geben. Im Entwicklungsteam sitzen auch Experten, wie die ehemalige Microsoft Cortana Deutschland-Verantwortliche Marion Sardone. Sie bringt Ihre Erfahrungen bei der (Weiter-) Entwicklung der Sprachsteuerung ein. Andererseits kooperiert BMW mit Amazon. Gemeinsam haben sie Amazon Alexa für die BMW Navigationssysteme fit gemacht.

An Skills sind derzeit 160 verschiedene Erweiterungen von Alexa offiziell kompatibel mit den Festeinbau-Navis. BMW achtet darauf, dass es auch eine Displaymeldung als Feedback für die Fahrzeuginsassen gibt und eben nicht nur eine Durchsage durch die Lautsprecher. Daher sind nicht alle, der mehr als 50.000 Skills vom Start weg, freigegeben.

Schön ist übrigens, dass viele Nutzer eines BMW oder MINI-Modells Alexa verwenden können.

  • Ist im BMW ein Navigationssystem Professional mit Kacheln als Startseite verbaut, so läuft darauf BMW ID 6.0 als Betriebssystem. Zusätzlich muss der BMW über die Sonderausstattung Telefonie mit Wireless Charging verfügen, da nur dann zwei Mikrofone im Auto verbaut sind.
  • Falls im BMW das Live Cockpit Plus oder Professional (mit aktuellem BMW OS 7.0) verbaut ist, so ist die Alexa-Integration ebenfalls möglich.
  • Bei MINI sind alle Modelle, die mit dem Connected Navigation Plus-System (inklusive Telefonie mit Wireless Charging) ausgerüstet sind, kompatibel mit Amazons Alexa.
  • Die Freischaltung von Amazon Alexa erfolgt planmäßig im März einerseits via BMW Connected Online-Portal bzw. MINI Connected Online-Portal und andererseits via Smartphone-App von BMW Connected für Android oder iOS bzw. MINI Connected-App für Android bzw. iOS.

Eine löbliche Pflege über zwei BMW Infotainment-Generationen hinweg also.

Beide Assistentinnen haben Ihren jeweiligen Funktionsbereich. Der BMW Intelligent Personal Assistent kümmert sich ausschließlich um Fahrzeug-eigene Bereiche, während Amazon Alexa für Multimedia-Services und andere Drittanbieter-Dienste genutzt werden kann.

Bei Byton hingegen wird es nur eine einzige Sprachsteuerung geben – Amazons Alexa. Mit Ihrer Hilfe sollen Multimedia- und Kommunikationsdienste gesteuert werden können. Wie viele Skills Byton zulässt, ist noch offen.

 

Alexa überall – Nachrüstlösungen für Amazons KI

Neben den Festeinbau-Navisystemen wird es auch eine Zahl an Nachrüstlösungen geben. Hierbei können – im Gegensatz zur Integration von BMW – alle verfügbaren mehr als 50.000 Skills genutzt werden. Allerdings ohne Displayrückmeldung, ob eine Eingabe geklappt hat bzw. was Alexa gerade tut. Zu den Vertretern der Saugnapfhalterung gehört folgendes Produkt von iOttie. Dabei wird ein Smartphone eingesteckt und via 12-Volt-Adapter wird die Halterung mit Strom versorgt. Im Inneren stecken Mikrofone, damit mit Amazon Alexa kommuniziert werden kann.

 

Eine andere Lösung hat der aus Kalifornien (USA) stammende Zubehör-Hersteller Scosche gewählt. Hierbei kann das Smartphone irgendwo in einer Ablage im Auto liegen. Beispielsweise in einem Fach in der Nähe eines 12-Volt-Anschlusses oder Zigarettenanzünders. Dort wird der BTFREQ-12-Volt-Adapter eingesteckt. Auch er besitzt Mikrofone und Amazon Alexa-Integration. Die Besonderheit hierbei stellen die weiteren Anschlüsse da. Um eine Verbindung zu den Amazon Servern zu haben, benötigt der BTFREQ genauso, wie die iOtiie Phone holder-Saugnapfhalterung, ein Smartphone als Kompagnon. Über dieses läuft die Datenverbindung, sowie die Tonausgabe. Damit man den Ton besser hört, muss das Telefon also entweder via AUX-In-Kabel oder drahtlos mittels Bluetooth mit dem Radio des Autos verbunden werden. Da der Stromspender des Smartphones dadurch vermehrt belastet wird, hat sich Scosche etwas einfallen lassen. Im Adapter stecken zwei USB-Ports. Einer ist ein normalgroßer USB-Typ-A. Der zweite ist ein USB-Typ-C-Anschluss, der auch Quick Charging von Apple und Samsung-Smartphones unterstützt. Der Scosche BTFREQ soll im Laufe diesen Jahres erhältlich sein.

 

OK Google – auf gehts zur Spritztour

  • Über Android Auto ist der Google Assistant in vielen Festeinbau-Navis nutzbar. Benötigt aber zwingend eine Verbindung zum Android-Smartphone, sowie ausreichend Datenvolumen des Telefons.
  • Fiat, Honda und Volvo bieten aktuell Infotainmentsysteme im Auto an, auf denen bereits ab Werk Android läuft. So kann darüber die Fahrzeugantenne und die Datenverbindung des Autos genutzt werden, um mit der Google KI zu sprechen.
  • Nachrüstlösungen kommen ebenfalls auf den Markt und setzen einen 12-Volt-Anschluss voraus.

 

Neben Amazon mischt der Internetsuchmaschinen-Gigant Google kräftig mit. Auch hier kann der Google Assistant mit Erweiterungen versehen werden. Diese sogenannten Actions können von Programmierern entwickelt werden und ergänzen die KI um beispielsweise Meldungen von verschiedenen News-Portalen. Standardmäßig lässt sich mittels Google Maps navigieren. Das Unternehmen aus Mountain View bietet mehrere Optionen an, um im Auto genutzt werden zu können. Natürlich via direkter Kopplung zwischen Smartphone und Radio-Navisystem, indem man Android Auto nutzt. Dabei wird teilweise im Auto verbaute Hardware verwendet. So werden das Mikrofon im Dachhimmel und das Display des Festeinbau-Radios genutzt. Die gesamte Rechenleistung kommt jedoch vom Smartphone. Und auch die Datenflatrate des Telefons wird mit belastet.

Komfortabler ist die Integration des Google Assistenten bei In-Vehicle-Infotainmentsystemen, die direkt auf Android als Betriebssystem setzen. Denn dann wird keine Verbindung mehr zum Smartphone benötigt und es wird die Antenne des Autos genutzt. Das sorgt für besseren Empfang als übers Smartphone und das Datenvolumen des Telefons wird geschont. Festeinbau-Navigationssysteme mit Android bieten aktuell die FCA-Gruppe mit Fiat-Chrysler und Ferrari (UConnect 7 genannt), Honda und Volvo an. Zukünftig wird auch Audi das Betriebssystem wechseln und auf Android umsteigen.

 

Google breitet sich aus – Nachrüstlösungen kommen

Wie auch bei Alexa, gibt es ebenso für den Sprachassistenten von Google einige Nachrüstlösungen. Anker präsentierte auf der CES 2019 den Roav Bolt. Dieser 12-Volt-Anschluss ähnelt dem Gerät von Scosche, ist aber in einigen Punkten anders aufgebaut. So gibt es beim Roav Bolt nur zwei normalgroße USB-Typ-A-Anschlüsse. Quick charging ist so nicht möglich. Dafür hat es direkt einen AUX-In-Anschluss an Bord. Damit der Ton auch an die Audioanlage im Auto weitergegeben werden kann. Eine Verbindung zum Smartphone ist aber zwingend erforderlich. Anker wird den Roav Bolt für 49 US-Dollar zunächst in den USA anbieten. Von JBL gibt es ebenfalls einen 12-Volt-Stromanschluss mit Google Assistant-Integration – den JBL Link Drive. Dieser kostet 60 US-Dollar, wenn er zunächst in den USA im Frühjahr auf den Markt kommt.

 

Noch mehr smarte Beifahrer

  • Apple war Vorreiter, doch andere Assistenten bieten mehr Funktionen und sind überall nutzbar.
  • Samsung versucht, mit Bixby eine eigene KI zu etablieren.
  • Sprachsteuerung von Nuance mit Autohersteller-spezifischem Funktionsumfang.
  • Microsoft hat – de facto – aufgegeben und lässt seine Cortana-KI als Teil von Amazon Alexa weiterleben.

 

Es gibt jedoch noch andere Unternehmen, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Apple hat zwar mit Siri die Sprachsteuerung erst massentauglich gemacht, jedoch bleibt es bei der typischen Haltung des Unternehmens. Unsere Dienstleistungen sind ausschließlich auf Apple-Produkten zu verwenden. Damit bleibt die Nutzung doch eingeschränkt. Zumal der Umfang der Apple-KI geringer ist als bei der digitalen Assistenz von Amazon und Google und es beispielsweise keine Möglichkeit gibt, Erweiterungen zu aktivieren. Der weltgrößte Smartphone-Hersteller Samsung bietet auf seinen Geräten den eigenen Bixby-Assistenten an. Nunja, koreanisch und englisch werden verstanden, doch sonst sind die Sprachkenntnisse arg limitiert. Zudem ist Bixby ausschließlich Samsung-Geräten vorbehalten. So wird das schwierig, sich zu etablieren.

Geht es um Assistenten im Auto, darf Nuance nicht fehlen. Das Unternehmen entwickelt seit Jahren Sprachsteuerungen für Automobile. Beispielsweise ist die “Hey Mercedes”-Assistentin von Nuance entwickelt worden. Sie versteht mehrere Sprachen und im neuen CLA (Modelljahr 2020, intern C118 genannt) sogar zwei verschiedene Personen. Die dahinterliegende Technologie verkauft die Firma auch an andere Autobauer. Allerdings bleibt die Nuance-Sprachsteuerung ausschließlich im Auto. In anderen Geräten findet man Sie nicht. Auch eine Erweiterung mittels Skills ist nicht möglich.

 

Das traditionsreiche Technologieunternehmen Microsoft brachte im Jahr 2014 zu Zeiten der Windows Phone 8.1-Geräte, die eigene KI Cortana auf den Markt. Angelehnt an einen Charakter aus der Videospielreihe Halo, wurde die smarte Helferin benannt. Seit 2015 ist Sie auch auf dem Windows 10-PC zuhause. Doch seit das Smartphone-Betriebssystem im letzten Jahr eingestellt wurde (es werden nur noch Sicherheitsupdates, ohne neue Funktionen ausgeliefert!), ging es auch mit Cortana Berg ab. Viele Funktionen wurden gestrichen und gerade hier in Deutschland kämpfte Marion Sardone auf verlorenem Posten. Die Nutzerzahlen waren offenbar zu gering, als das sich eine Weiterentwicklung außerhalb Amerikas gelohnt hätte. Doch aufgeben will man bei Microsoft nicht, denn man schloss eine Kooperation mit Amazon ab. Dabei geht es u.a. um die Integration von Alexa. Denn zwei Gerätegruppen, die das Handelsunternehmen aus Seattle noch nicht mit der KI versorgt hatte, sind der Computer sowie Spielekonsolen. Und genau da kann Microsoft helfen. Daher gibt es eine offizielle Amazon Alexa-App für Windows 10-PCs. Es gibt sogar zertifizierte Alexa-PCs. Derzeit wird zudem die Integration auf der Xbox One getestet. Aufgrund dieser Kooperation können beispielsweise Termine von Outlook bequem mit Alexa abgefragt werden, ohne das ein Skill aktiviert werden muss.

Das Video stammt von der Build-Konferenz aus dem Mai 2018. Inzwischen ist die finale Version der Integration für Windows 10-PCs verfügbar, so dass auf eine Aktivierung mittels “Alexa, öffne Cortana” verzichtet werden kann.

 

Ausblick

Das Rennen um den smarten Beifahrersitz geht in diesem Jahr so richtig los. Doch – meiner Meinung nach – ist eigentlich ein Duopol fast schon ausgemachte Sache. Denn Amazon und Google haben durch die Integration in die verschiedensten Geräte, eine enorme Verbreitung erlangt. Daher wird es für Nachzügler ungleich schwerer, Fuß zu fassen. Zudem muss man sich die Frage stellen, ob man nicht doch am liebsten mit der Beifahrerin spricht, die man eh schon von anderen Geräten aus dem Haushalt kennt. Und das ist nunmal Alexa oder der Google Assistant.

Gleichwohl kann es clever sein, für grundlegende Funktionen im Auto, eine eigene Expertin an Bord zu haben. Denn so eine eigene Sprachsteuerung könnte bestimmte Fragen rund um die Auto-Technik, die Fahrassistenzsysteme und die Navigation beantworten und zugleich die gesammelten Daten transparent für den Nutzer auf Portalen, wie bei BMW CarData hinterlegen. Denn was die eigenen Fahrzeugdaten (z.B. zu Beschleunigung-, Bremsvorgängen, Position des Autos) angeht, sind nicht nur Autohersteller darauf bedacht, diese bei sich zu behalten, sondern auch viele Kunden möchten diese Daten nicht einem Technologieunternehmen ala Google geben. Diese Daten gehören schließlich zum Auto und sollten darum auch dort bleiben, so die Argumentation. Für die mannigfaltigen Wünsche nach Entertainment und Kommunikation – man denke nur mal an beliebte Services wie Amazon Music, Spotify, Netflix, Amazon Prime Video oder Messenger wie WhatsApp – kann jedoch eine spezifische Sprachsteuerung eines Technologieunternehmens sinnvoll sein. Denn um möglichst viele Kundenwünsche zu erfüllen, braucht es in diesem Bereich die nahtlose Vernetzung mit verschiedenen Portalen und Endgeräten. Da haben nun mal Amazon mit Alexa und der Google Assistant Ihre Vorteile. Darum sollten sich Autohersteller-eigene KI-Systeme bitteschön auch mit Alexa bzw. Google Assistant verstehen. Denn die Vielfalt machts. Und am Ende profitieren die Autobesitzer, denn es gibt mehr Komfort und Sicherheit durch die neuen smarten Beifahrer.

 

Quellen: