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Der neue Audi A8: Auf in die Zukunft dank Audi AI

Im Spätherbst 2017 kommt die vierte Generation des Audi A8 auf den Markt. Mit hochautomatisiertem Fahren, OLED-Beleuchtung und neuem Bedienkonzept will Audi überzeugen.

von Carsten Drees am 11. Juli 2017

Ein neuer Audi A8 steht vor der Tür und Audi legt Wert darauf, bei dem Luxusauto nicht einfach nur Produktpflege zu betreiben, sondern das Modell auch zukunftstauglich zu machen und für die neuen Anforderungen an Autos anzupassen. Hochautomatisiertes Fahren stand ganz oben auf der Agenda und so wird der neue 90.000-Euro-Bolide von Audi auch als “als erstes Serienauto der Welt” bezeichnet, welches so hochautomatisiert bewegt werden kann. Audi AI bzw. einige der Funktionen der Audi AI werden aber erst nach und nach Einzug halten, so dass wir erst 2018 wissen werden, was die künstliche Intelligenz im Audi A8 tatsächlich alles auf der Pfanne hat.

Basierend auf der Designstudie “Audi prologue” hat sich die Designsprache des Audi A8 weiterentwickelt – uns sind besonders positiv die Heckleuchten des A8 aufgefallen, bei denen Audi auf OLED-Technologie setzt.

Wir Mobile Geeks werfen natürlich immer einen besonders interessierten Blick auf das Infotainmentsystem eines Autos und auch hier hat Audi entscheidend nachgebessert: Das Zentrum des Systems bildet ein 10,1-Zoll-Touch-Display, auf Tasten und Schalter wird weitestgehend verzichtet. Dass das System selbstständig dazu lernt und auch auf eine ausgefeilte Bedienung per Sprache setzt, muss man vermutlich kaum noch extra erwähnen.

Audi A8: Ab Spätherbst 2017 verfügbar

Auch, wenn einige der neuen Funktionen erst im nächsten Jahr Einzug halten: Dieses Jahr im Spätherbst sollen die ersten Modelle verfügbar sein. Dabei liegt der Grundpreis für den A8 bei 90 600 Euro, für den A8 L blättert ihr dann wenigstens 94 100 Euro hin. In Deutschland geht es los mit zwei V6-Turbomotoren, einem 3.0 TDI und einem 3.0 TFSI. Der Diesel leistet laut Pressemitteilung 210 kW (286 PS), der Benziner 250 kW (340 PS). Auf die beiden Achtzylinder – ein 4.0 TDI mit 320 kW (435 PS) und ein 4.0 TFSI mit 338 kW (460 PS) – müssen die Interessenten noch ein wenig länger warten.

Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch noch der A8 L e-tron quattro – 3.0 TFSI mit 330 kW (449 PS) Systemleistung und 700 Nm Systemdrehmoment – angeboten werden, hier wartet Audi jedoch noch auf die Gesamtbetriebserlaubnis. Die Lithium-Ionen-Batterie des Hybriden speichert übrigens Strom für etwa 50 Kilometer elektrisches Fahren und kann optional per Audi Wireless Charging geladen werden dank induktiver Stromübertragung über eine Bodenplatte in eurer Garage. Stellt euch für diese Option aber schon mal auf äußerst sportliche Preise ein.

Es werde (OLED)-Licht

Wie eingangs schon erwähnt, setzt Audi als erster Hersteller auf OLED-Licht. Nachdem OLEDs also bereits längst die Smartphone-Displays erobert haben, schickt sich die Technologie nun also auch an, in der Auto-Industrie spannende Design-Akzente zu setzen.

Vorne sind links und rechts des auffälligen Singleframe-Grills optional HD Matrix LED-Scheinwerfer platziert. Auf der Rückseite dann finden wir zwei OLED-Elemente, die durch ein LED-Lichtband miteinander verbunden sind. Audi-Fans kennen das bereits aus dem 2018er Audi TT RS:

In der Pressemitteilung heißt es zu den visuellen Möglichkeiten der OLED-Leuchten:

Schon auf den ersten Blick verschafft das Licht dem neuen A8 einen außergewöhnlichen Auftritt. Dafür sorgen die animierten dynamischen Lichtfunktionen. Sie inszenieren die Luxuslimousine beim Entriegeln mit dem Funkschlüssel auf einzigartige Weise. Zuerst läuft ein Lichtpunkt in den Scheinwerfern von außen nach innen, anschließend leuchtet die blaue LED am Laserspot, bevor sich das Positionslicht von innen nach außen zuschaltet.
In den OLED-Heckleuchten finden parallel dazu zwei Loops mit derselben dynamischen Ästhetik statt: Das Licht läuft im Kreis, zuerst gedimmt, dann mit voller Helligkeit. Beim Öffnen der Tür wandert die Lichtinszenierung in den Innenraum weiter. Zugleich ertönt ein kurzer Audio-Jingle. Beim Verlassen der Limousine sorgt der neue A8 für einen starken Abgang, indem sich die Inszenierung in den Scheinwerfern und Heckleuchten in umgekehrter Richtung vollzieht.

Wir haben es aber beileibe nicht nur mit einer optischen Spielerei zu tun, denn die OLEDs liefern dazu auch noch ein sehr homogenes Licht. Übrigens besteht jede Einheit aus vier einzelnen OLEDs, die zudem mit einer Bautiefe von lediglich einem Millimeter ultraflach sind.

Audi AI: Künstliche Intelligenz auf Knopfdruck

Audi AI bringt eine neue Generation von High-End-Assistenztechnologien in den Audi A8, die das Fahrzeug dank Audi AI Staupilot auf Level 3 beim hochautomatisierten Fahren hievt. Neben diesem Staupiloten werden auch der Audi AI (Remote) Parkpilot und der Audi AI Remote Garagenpilot erstmals zum Einsatz kommen.

Audi AI Staupilot

Auf den Staupiloten ist man besonders stolz, da er hochautomatisiertes Fahren auf Level 3 erlaubt. Während der Fahrer bei Level 2 selbst während der aktivierten Funktion noch permanent überwachen muss, reicht es bei Level 3 aus, die Verantwortung über das Auto wieder zu übernehmen, sobald man vom System dazu aufgefordert wird.

Dank der Signale aus dem zentralen Fahrerassistenzsteuergerät (zFAS) übernimmt der Staupilot auf der Autobahn die Kontrolle über den Audi A8, wenn ihr unter 60 Stundenkilometer schnell in Kolonne fahrt und die Audi AI-Taste auf der Mittelkonsole betätigt. Ihr könnt ab da dann sogar die Hände vom Lenkrad nehmen und beispielsweise über das 10,1 Zoll große Display TV schauen. Anfahren, Beschleunigen, Lenken und Bremsen – all das, sowie das Berücksichtigen kniffliger Situation wie wie nah einscherende Autos, übernimmt die künstliche Intelligenz dann für euch.

Löst sich die Kolonne auf oder erhöht sich das Tempo auf über 60 Stundenkilometer, werdet ihr vom System dazu aufgefordert, selbst wieder das Kommando über die Karre zu übernehmen. Ihr müsst auch übrigens keine Angst haben, dass ihr beim Lesen oder Fernsehen am Steuer einpennt: Eine Kamera im Cockpit soll erkennen, wenn ihr müde werdet oder gar einschlaft und euch in gestaffelten Warnstufen drauf hinweisen.

Einen ‘klitzekleinen’ Haken hat dieser Staupilot aber dennoch, der dafür sorgen könnte, dass die Mundwinkel der Audi-Fans jetzt ein bisschen nach unten gehen: Die gesetzlichen Regelungen, die auf den Straßen gelten. Für Deutschland bedeutet das, dass Audi davon ausgeht, den Audi AI Staupilot erst ab 2019 anbieten zu können.

Audi AI Remote Parkpilot und Garagenpilot

Ebenfalls neu sind die Pilot-Funktionen zum Einparken sowohl in Parklücken als auch in die Garage. Neu ist dabei, dass ihr nicht mehr im Auto sitzen müsst während des Einparkens:  Ihr drückt lediglich den Audi AI Button in der myAudi-App und haltet ihn während des Einparkvorgangs gedrückt. Logisch, dass ihr über die App das Fahrzeug auch wieder aus der Lücke oder der Garage herausfahren lassen könnt, bevor ihr einsteigt.

Sensoren-Flut

Um ein Fahrzeug zu einem autonom fahrenden zu entwickeln, braucht es nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen, sondern in erster Linie natürlich die passende Technik, die die Umwelt in jeder Sekunde penibel genau unter die Lupe nimmt. Daher findet sich im neuen A8, der Audi auf den Weg zum komplett autonom fahrenden Auto bringen soll, eine wahre Flut an Sensoren. Neu dazu gekommen ist der Laserscanner vorne, der zusammen mit dem Radar auch dann präzise arbeitet, wenn in Dunkelheit auf der Straße die Kameras an ihre Grenzen stoßen. Bei Vollausstattung befinden sich an Bord des Audi A8 folgende Sensoren:

  • zwölf Ultraschallsensoren an Front, Flanken und Heck
  • vier Umgebungskameras an Front, Heck und Außenspiegeln
  • eine Frontkamera am oberen Rand der Windschutzscheibe
  • vier Mid-Range-Radare an den Fahrzeugecken
  • ein Long-Range-Radar an der Front
  • ein Laserscanner an der Front
  • eine Infrarotkamera (Nachtsichtassistent) an der Front

Neu ist, dass das nicht alles über verschiedene Steuergeräte ausgewertet wird, sondern alle Infos zum Berechnen des umfassenden Abbilds der Umgebung im zentralen Fahrerassistenzsteuergerät (zFAS) zusammenlaufen, welches von einem NVIDIA Tegra K1 befeuert wird.

Infotainmentsystem: MMI Navigation plus an Bord

Wenn wir uns für Autos interessieren, schauen wir meist weniger auf das Fahrwerk, auf die technischen Daten und was ihr sonst von einer umfassenden Berichterstattung über Autos erwarten dürft – dieses Feld überlassen wir den Autobloggern, die sich wirklich damit auskennen.

Uns interessiert da mehr, wie die mobilen Technologien integriert werden, über die wir hier regelmäßig berichten und so richten wir unseren Blick sehr gern auf das Infotainmentsystem. In der Vergangenheit haben wir mit Audis MMI (Multi Media Interface) auch schon öfters unsere Probleme gehabt. Grundsätzlich ein tolles Bedienkonzept, aber manchmal fehlten uns Basis-Funktionen.

Ein Beispiel: Ihr seid unterwegs und bemerkt, dass ihr so langsam nach einer Tankstelle Ausschau halten solltet. Früher konntet ihr da nicht etwa mal eben während der Fahrt eurer Route im System eine Tankstelle hinzufügen, sondern musstet erst die aktuelle Route unterbrechen. Bei solchen Dingen hat man nachgebessert und das MMI damit deutlich funktioneller gestaltet. Jetzt könnt ihr also einfach besagte Tankstelle in eine aktuelle Route einbauen.

Überhaupt das MMI: Audi hat das Interface von Grund auf neu gestaltet und MIB 2+ – so der kryptische Name des modularen Infotainmentsystems – präsentiert sich allein schon durch das neue Bedienkonzept angenehm verbessert.

Der klassische Dreh-/Drück-Steller ist komplett rausgeflogen, generell wird fast komplett auf Tasten verzichtet, so dass ihr fast alles – auch Klima-Einstellungen, Sitzheizung etc. – über das Touch-Display in der Mittelkonsole kontrolliert. Das ist 8,6 Zoll (1.280 x 660 Pixel) groß, direkt darüber befindet sich das bereits erwähnte 10,1 Zoll-Display (1.540 x 720 Pixel), welches sich nahezu perfekt in die Blende einfügt.

MMI touch response

Das neue System soll besonders intuitiv zu bedienen sein – MMI touch response ist nach Meinung von Audi der Schlüssel dazu. Nicht nur, dass ihr auf einem der beiden Screens sehr entspannt eure Eingaben via Touch-Eingabe machen könnt, ihr bekommt bei leichtem Druck sowohl ein akustisches als auch haptisches Feedback. Das Displayglas wird dabei minimal verschoben, was für ein sehr realistisches Feedback sorgt, welches einem physischen Button durchaus nahe kommt.

Auch die Funktionen der Sprachsteuerung hat man ausgebaut und Hilfe dürft ihr dabei – wie bei allen anderen Eingabearten – gleich aus zwei Richtungen erwarten: Zum einen lernt das System aufgrund eurer Gewohnheiten dazu, außerdem wird dank LTE-Netz auch schnell die Cloud befragt. Gutes Netz vorausgesetzt, solltet ihr selbst bei freien Formulierungen binnen zwei Sekunden Rückmeldung erhalten. Klingt zumindest in der Theorie sehr spannend – da wird sich im Alltagstest zeigen müssen, ob das in der Realität auch genau so gut klappt.

Im Multifunktionslenkrad befindet sich ein weiteres – 12,3 Zoll großes – Display mit einer Auflösung von 1.920 x 720 Pixeln, ebenfalls von einem Tegra K1 angetrieben. Dieses Audi Virtual Cockpit bietet euch zwei Ansichten, bei dem einmal die Instrumente – wie bei analogen Anzeigen im Vordergrund stehen, und einmal der Infotainment-Modus mit vergrößertem Fenster für die Navigationskarte oder Listen aus den Bereichen Telefon, Radio und Audio.

MMI Navigation plus, Car-to-X und mehr

Die ebenfalls optimierte Navigation auf Basis von HERE Maps lernt ebenfalls eigenständig dazu und kann euch aufgrund eurer bereits gefahrenen Routen intelligente Vorschläge machen, die dann sogar Uhrzeit und Verkehrslage berücksichtigen. Mit der Navigation habt ihr standardmäßig Zugriff auf die Audi connect-Dienste und dank Telefonmodul seid ihr mit LTE Advanced auch äußerst flott (bis 300 MBit/s runter, bis 50 MBit/s Upload) im Netz unterwegs.

Auch bei Car-to-X-Diensten wie “Verkehrszeichen- und Gefahreninformation” profitiert ihr von der Anbindung an die Cloud: Erkennt das System in einem Audi ein Tempolimit, eine bestimmte Gefahrenlage durch beispielsweise Glätte auf der Fahrbahn oder durch einen Unfall, können diese Informationen an andere Audi-Fahrer weitergegeben werden, so dass auch die nachfolgenden Autos von den gewonnenen Informationen profitieren.

Das ganze System kann übrigens auch stark personalisiert werden. Bis zu fünf verschiedene Profile können angelegt werden, wobei das fünf verschiedene Personen sein können, aber ebenso gut könnt ihr aber auch für euch selbst verschiedene Profile anlegen: Beispielsweise ein geschäftliches für die Woche und ein privates fürs Wochenende.

Dabei könnt ihr dann Hunderte Einstellungen vornehmen von Display-Ansichten über Klima-Einstellungen und Sitzeinstellungen bis zu den präferierten Routen. Öffnet ihr den Wagen, wird automatisch das richtige Profil angezeigt und ihr werdet auch mit Namen begrüßt.

Zur Abrundung sei noch erwähnt, dass ihr optional auch noch ein Head-Up-Display erwerben könnt, welches dann bestimmte Inhalte wie Navigationshinweise oder die aktuelle Geschwindigkeit quasi vor euch schweben lässt. Außerdem befindet sich hinten in der Mittelarmkonsole ein weiteres, herausnehmbares Bedienelement mit Touch-Display, welches von seiner Größe an ein Smartphone erinnert. Mit dieser Rear-Seat-Remote-Bedieneinheit könnt ihr verschiedene Funktionen steuern und habt zum Beispiel auch die Kontrolle über die Matrix LED-Leseleuchten.

Erwartet jetzt bitte kein abschließendes Fazit zu einem neu vorgestellten Fahrzeug von mir, aber all das hier aufgeschriebene plus das integrierte Bang & Olufsen Advanced Sound System mit 3D-Klang, die optimierte my Audi-App, der geräumig gestaltete Innenraum und optionale Gimmicks wie die 10,1 Zoll großen Displays für die Gäste im Fond versprechen ein sehr attraktives Gesamtpaket.

Ärgerlich finde ich dabei, dass ihr dann ein Luxus-Fahrzeug erwerbt, dessen besondere Features teilweise erst 2018 oder gar 2019 dann tatsächlich genutzt werden können. Wer dennoch zuschlagen will, muss sich wie gesagt noch bis zum Spätherbst gedulden. Es ist also noch ein bisschen Zeit, um die mindestens 90 000 Euro für das Grundmodell zusammenzukratzen.