Google Glass als Logistik-Revolution?
DHL: Effizienterer Lagerbetrieb dank Smartglasses

Bei DHL hat man in der Logistik ein Pilotprojekt durchgeführt, bei dem sowohl die Google Glass als auch die Vuzix M100 zum Einsatz kamen. Ergebnis: Die Kommissionierung kann dank Smartbrillen sowohl deutlich schneller, effizienter und mit geringerer Fehlerquote arbeiten.

In einem früheren Leben habe ich mal in einem Warenverteilzentrum von DHL gearbeitet, unter anderem in der Kommissionierung. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals einen Blog-Artikel verfassen würde, der sich mit der Lagertätigkeit bei DHL befassen würde, aber wenn das Unternehmen einen Pilotversuch wagt, bei dem Smartbrillen zum Einsatz kommen, dann ist das natürlich einen Beitrag wert.

Worum geht es bei dem Pilotversuch, der in einem Verteilzentrum der DHL in den Niederlanden durchgeführt wurde? Für die Kommissionierung – also bei der Zusammenstellung von Waren – wurden zehn Mitarbeiter mit Smartbrillen ausgestattet. Sowohl die Google Glass als auch die Vuzix M100 kamen dabei zum Einsatz und im Laufe des Projekts wurden 9.000 Bestellungen mit insgesamt 20.000 Artikeln abgearbeitet.

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DHL hat dieses Projekt zusammen mit Ricoh und Ubimax durchgeführt und die Ergebnisse können sich absolut sehen lassen: Die Effizienz wurde um mehr als 25 Prozent gesteigert. Zu meiner Zeit haben wir ganz klassisch mit Picklisten gearbeitet, auf der man Position für Position abhakt – bei diesem Projekt haben die Mitarbeiter ihre Hände frei und arbeiten so nicht nur schneller und effizienter, es wurde zudem auch die Fehlerquote minimiert. Augmented Reality heißt dabei das Zauberwort, denn die DHL-Beschäftigten profitierten davon, dass sie Schritt für Schritt angewiesen werden, wodurch Fehler vermieden werden. Jan-Willem De Jong, Business Unit Director Technology bei DHL Supply Chain Benelux, sagt dazu:

Die AR-gestützte Kommissionierung kommt ohne überflüssige Handgriffe aus und ist erheblich produktiver. Die Technologie ist eine große Unterstützung für unsere Beschäftigten und bietet unseren Kunden einen echten Mehrwert. Allerdings ist dies nur der erste Schritt unserer Innovationsstrategie, da wir überzeugt sind, dass Augmented Reality in Zukunft für immer mehr Bereiche der Lieferkette relevant sein wird

Beim Vision Picking wurden selbstverständlich nicht nur die Arbeitsschritte im Display angezeigt, sondern auch, wo man exakt den nächsten Artikel von seiner Liste findet. Man bekommt den Standort aufgezeigt, ebenso die benötigte Menge des Artikels.

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Speziell die Google Glass hat ja schon lange mit Gegenwind zu kämpfen und wir dürfen uns getrost von der Vorstellung verabschieden, dass in absehbarer Zeit jedermann draußen mit solchen Smartbrillen umherspazieren wird. Aber auch wir Mobile Geeks haben stets betont, wie vielfältig die Möglichkeiten solcher Brillen sind und das Pilotprojekt von DHL und Ricoh belegt das recht eindrucksvoll.

Bei DHL wird man jetzt sicher überlegen, wie wirtschaftlich die Umstellung auf so ein System würde, wenn man den Pilotversuch ausweitet und angesichts der Ergebnisse könnte es durchaus sein, dass diese Technologie die Logistik-Branche komplett auf den Kopf stellt. Meinen Ex-Kollegen im DHL-Warenverteilzentrum in Unna würde ich es jedenfalls gönnen, dass sie auch möglichst schnell in den Genuss dieser Smartbrillen kommen.

Quelle: dpdhl.com via Handelsblatt