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Im Fokus: DHL

DHL: Künstliche Intelligenz hilft der Logistik auf die Beine

Auch in der Logistik ist "künstliche Intelligenz" viel mehr als nur ein Buzz-Wort. DHL profitiert auf mehreren Ebenen von den Möglichkeiten.

von Carsten Drees am 19. September 2019

Und noch einmal möchte ich mich in meiner kleinen DHL-Reihe damit beschäftigen, wie das Unternehmen die Zukunft der Logistik mitbestimmen möchte. Heute soll es um künstliche Intelligenz gehen — eine Begrifflichkeit, die uns nicht nur jeden Tag begegnet, sondern auch eine Technologie, die längst aus unseren elektronischen Gerätschaften nicht mehr wegzudenken ist.

Aber wenn ihr hier regelmäßig mitlest, wisst ihr natürlich, dass wir bei der künstlichen Intelligenz nicht nur auf Technik blicken, die aus Konsumentensicht interessant ist, sondern auch — oder sogar gerade — aus Sicht der Industrie. Oftmals ist KI bei den Arbeitsprozessen gar nicht so auffällig erkennbar, bringt aber nichtsdestotrotz signifikante Verbesserungen im Workflow.

Bei DHL gibt es unzählige Möglichkeiten, wo man mit künstlicher Intelligenz ansetzen kann. Das betrifft natürlich die Robotik in der Kommissionierung, autonome Fahrzeuge, sich ständig wiederholende Abläufe am Rechner oder auch das Corporate Brand Marketing der Design-Teams der DHL.

Mit der Hilfe von KI-gestützter Bilderkennung kann man bei DHL zum Beispiel Anlagen und den Zustand von Sendungen überprüfen. Bereits seit letztem Jahr hilft KI, um aus dem StreetScooter ein autonomes Lieferfahrzeug zu machen. Nicht zuletzt unterstützt KI die Mitarbeiter dabei, bestimmte Abläufe exakter vorauszuplanen oder gar vorausplanen zu können.

Wie in anderen Bereichen beteuert DHL auch in diesem Punkt, dass die Mitarbeiter davon nur profitieren können. In der Zeit, die frei wird, können anspruchsvollere Aufgaben erfüllt werden, heißt es zum Beispiel. Für mich schwebt da dennoch immer so ein bisschen das Damoklesschwert namens “Jobabbau” über den Angestellten, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass man etliche Abläufe automatisiert und diejenigen, die diese Arbeit einst gemacht haben, künftig dann nur noch Maschinen beaufsichtigen.

Im letzten Jahr gab es eine DHL-Studie in Zusammenarbeit mit IBM, in der man ausloten wollte, welche Auswirkungen künstliche Intelligenz in der Logistik haben kann. Die Möglichkeiten sind wie erwähnt vielfältig und betreffen nicht nur die Abläufe im Unternehmen, sondern auch die Planung bei den Kunden.

Die heutigen technologischen, geschäftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen begünstigen einen Paradigmenwechsel hin zu proaktiven und vorausschauenden Logistikoperationen mehr als jemals zuvor. Da der technologische Fortschritt im Bereich der künstlichen Intelligenz sehr schnell voranschreitet, sehen wir es als unsere Aufgabe, zusammen mit unseren Kunden und Mitarbeitern zu erforschen, wie KI-Systeme die Zukunft der Logistikbranche gestalten können. Matthias Heutger, Senior Vice President und Global Head of Innovation bei DHL

Vier Bereiche haben IBM und DHL herausgearbeitet, die in besonderem Maße von künstlicher Intelligenz profitieren:

Backoffice KI

Die Backoffice-KI bietet eine bedeutende Chance, die internen Funktionen von  Logistikunternehmen wie Buchhaltung, Finanzen, Personal und IT zu rationalisieren. Hier kann die kognitive Automatisierung auf kritische Logistikaufgaben angewendet werden, wie z.B. die Sicherstellung der aktuellsten Kundenadressen, um erfolgreiche Lieferungen zu unterstützen.

Vorausschauende Logistik

Die KI kann die vorausschauende Logistik verbessern, um die Logistikbranche von reaktivem Handeln mit Planungsprognosen zu proaktivem Handeln mit vorausschauender Intelligenz zu bewegen. Ein Beispiel ist die vorausschauende Bedarfsplanung auf Basis von Daten aus Online-Shops und Foren, um unerwartete Mengenspitzen bei trendigen Produkten vorherzusagen. Logistikdienstleister und Lieferanten können so kostspielige Überbestände oder Out-of-Stock-Situationen vermeiden, die zu Umsatzeinbußen sowohl für den Lieferanten als auch für den Verbraucher führen.

Sehen, Sprechen und Denken von Logistikanlagen

Das Sehen, Sprechen und Denken von Logistikanlagen, die von der KI unterstützt werden, kann die physischen Anforderungen moderner Logistikarbeit erheblich entlasten. Zu den Anwendungen gehören der Einsatz von KI-gesteuerten Roboterlösungen und KI-basierten Bildverarbeitungssystemen, die einen Großteil der heutigen Logistikprozesse wie Materialsortierung, Handhabung und Inspektion ergänzen können.

KI-gestützte Kundenerfahrungen

KI-gestützte Kundenerfahrungen können die Kundenkontaktpunkte weiter personalisieren, das Versandvolumen steigern und die Kundenbindung erhöhen. So kann beispielsweise der Einsatz von Sprachassistenz-Systemen wie Amazons Alexa Logistikdienstleistern ermöglichen, die Interaktionen zu optimieren und sich besser auf die Bedürfnisse und Entwicklungen ihrer Kunden einzustellen.

Was bedeutet das nun alles unterm Strich? Egal, ob die letzte Meile künftig mit autonomen StreetScootern absolviert wird, ob die Kommissionierung durch KI-gestützte Roboter schneller, effizienter und sicherer wird, ob man EDV-Abläufe automatisiert oder sogar Waren an Kunden dank präziser Vorhersagen sogar schon auf den Weg bringen kann, bevor sie überhaupt angefordert wird: Überall können wir signifikante Verbesserungen in der Logistik erwarten. Der Report von DHL und IBM ist recht allgemein gehalten für die gesamte Branche, nicht spezifisch auf DHL zugeschnitten. Aber der Logistik-Riese lässt keinen Zweifel daran, dass man das Thema KI nicht nur auf dem Schirm hat, sondern jetzt bereits überall einsetzt, wo es sich anbietet — und das ist nahezu jeder Bereich.

Und abschließend noch ein wenig abstrakter: Wenn ihr hier seht, dass grundverschiedene Bereiche — die Lagerarbeit, die Zustellung, die administrative Arbeit, der Kontakt mit dem Kunden usw — betroffen sind, dann könnt ihr das mal versuchen auf x-beliebige Unternehmen in irgendwelchen anderen Branchen zu spiegeln. Die Technologie dringt in alle Bereiche unseres Lebens vor und wird logischerweise auch die Berufswelt komplett auf den Kopf stellen.