DHL: vollautonome Paketlieferung per Drohne, Tests abgeschlossen

Die deutsche Post hat weitere Tests zur vollautonomen Paketzustellung via Transport-Drohne erfolgreich abgeschlossen. Der Paketkopter kam diesmal unter widrigen Wetter- und Landschafts-Bedingungen zum Einsatz.

Die Deutsche Post (DHL) hat im oberbayrischen Reit im Winkel ein Test-Projekt zur Paketlieferung mit Drohnen erfolgreich abgeschlossen. Nach ersten Testflügen in Bonn und auf der Insel Juist war das Unternehmen im Januar dazu übergegangen, einem speziell dafür konzipiertem Paketkopter unter realen Bedingungen zu testen.

Reit im Winkel bot sich an, weil man dort offenbar besonders gut zum ersten Mal auch etwas schwierigere geographische Bedingungen in den Testlauf einbeziehen konnte. So wurde z.B. eine auf 1.200 Meter Höhe liegende Alm beliefert, wobei der Paketkopter selbstständig eine Flugdistanz von acht Kilometern zurücklegte. Für die Strecke benötigte die Drohne lediglich acht Minuten, mit erheblichen Vorteilen für die Empfänger. Nicht nur ein paar dringend benötigte Sportartikel, sondern auch eilige Medikamente konnten so innerhalb kürzester Zeit zugestellt werden.

Die insgesamt 130 Testflüge mit dem Paketkopter unter realen Bedingungen wurden trotz des anfänglichen Widerstandes der Einwohner in der Zeit von Januar bis März durchgeführt. Verschiedene Interessengruppen hatten sich darüber beschwert, dass die Paket- und Abflugstation “SkyPort” auf einem städtischen Gelände entstand, das eigentlich touristischen Zwecken zur Verfügung stehen sollte. Offenbar befürchtete man, dass regelmäßig startende und landende Drohnen sowohl die Anwohner als auch die Touristen stören könnten und nahm die angekündigten Flüge schon früh zum Anlass, auf derartige Bedenken hinzuweisen.

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Die Deutsche Post betonte, dass man nach den anfänglichen Startschwierigkeiten zufrieden sei und die gewonnen Daten nun von der RWTH Aachen auswerten lassen werde. Der Paketkopter sei technisch mit den zeitweise sehr niedrigen Temperaturen gut zurechtgekommen, lediglich die mitunter auftretenden Fallwinde im Gebirge hatten zu der ein oder anderen Startabsage geführt. Die guten Flugeigenschaften ergeben sich offenbar auch durch das neue Design des Paketkopters, der nun als sogenannter “Kippflügler” daherkommt. Dieser sieht mit seiner Breite von 2,20 Metern nun eher wie ein kleines Flugzeug aus, kann aber dennoch senkrecht starten und landen. Er soll besonders schnell sein und sehr stabil in der Luft liegen.

Besonders hervorzuheben ist, dass es sich tatsächlich um ein vollautomatisiert bzw. autonom fliegendes Flugobjekt handelt, das nach der Eingabe der Zielparameter eigenständig die Distanz zurücklegt. Der Betrieb solcher Drohnen ist in Deutschland normalerweise nicht gestattet, die Deutsche Post wird hier für die insgesamt 130 Lieferungen entsprechende Sondergenehmigungen eingeholt haben.

Dabei werden auch die maximal zulässigen Lasten eine Rolle gespielt haben, die bei den Testflügen auf zwei Kilogramm limitiert waren. Je nach Paketgröße und -Gewicht verändern sich selbstverständlich die Flugeigenschaften der Paketdrohne, das wird in Zukunft noch einige Hersteller vor große Herausforderungen stellen. Ebenfalls neu ist, dass die Drohne vollkommen automatisch Be- und Entladen wird. Bei der SkyPort-Station handelt es sich de facto um eine modifizierte Packstation, im Innern befinden sich die entsprechenden Mechanismen.

Unterdessen kommen aus den Vereinigten Staaten beeindruckende Zahlen. Die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers hat eine Analyse vorgelegt, in der die Auswirkungen kommerzieller Drohnenflüge auf verschiedene Wirtschafts- und Anwendungsbereiche analysiert werden. Dabei zeigte sich, dass nicht nur infrastrukturelle Szenarien wie die Paketlieferung ein enormes Potential bieten.

BereichMrd US$
Infrasruktur45,2
Landwirtschaft32,4
Transport13
Sicherheit10
Entertainment8,8
Versicherungen6,8
Telekommunikation6,3
Bergbau4,4
Summe127,3

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Die Experten berechneten, dass der Markt für mögliche Drohnen-Einsätze weltweit bei 127 Milliarden US-Dollar liege. Für einige überraschend: besonders die Landwirtschaft könnte ein enormes Interesse an der Technologie haben und langfristig dazu übergehen, die unbemannten Flugobjekte auf autonome Reisen zu schicken. Drohnen eignen sich z.B. wunderbar für längere Kontrollflüge über größere Flächen, auf denen ein Landwirt die Saat oder eine Herde beobachten möchte. Auch schwer zugängliche Bereiche wie z.B. Weinberge könnten auf diese Weise besser erreicht werden, hinzu kommen Anwendungsszenarien für spezielle Messkameras und -Instrumente.