Coronavirus

Die aktuelle Diskussion rund um AstraZeneca ist ein riesengroßer Fehler

Gerade wird rund um den Einsatz des Präparats von AstraZeneca viel diskutiert. Das ist ein Fehler und gefundenes Fressen für Impfleugner.

von Felix Baumann am 17. März 2021

Zum aktuellen Zeitpunkt nehmen die kontroversen Diskussionen rund um den Impfstoff von AstraZeneca deutlich zu. Viele Wahrheiten, Halbwahrheiten und Falschinformationen kursieren durchs Internet, auch angefeuert durch die verschiedenen Reaktionen von Forscher:innen und Politiker:innen. Das könnte uns in Europa langfristig das Genick brechen und die Coronavirus-Pandemie unnötig in die Länge ziehen. Denn eins ist klar: Die Unsicherheit wächst!

Aber zunächst zum Auslöser der aktuellen Debatte. Der Impfstoff von AstraZeneca erfreute sich noch nie wirklich großer Beliebtheit, ein Grund hierfür waren die ersten Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit des Präparats. Denn schnell stellte sich heraus, dass vergleichbare Impfungen von Biontech und Pfizer etwas effektiver sind. Das Vertrauen der Bevölkerung wurde also von Anfang an auf die Probe gestellt.

Das Misstrauen gegenüber dem Impfstoff von AstraZeneca wächst (Bild: Mat Napo)

Hinzu kommen nun Untersuchungen, nach denen es nach Impfungen zu Komplikationen kam. Teilweise traten Blutgerinnsel auf, ein Grund, warum Länder, wie Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich ihre Impfbemühungen mit dem Stoff einstellten. Und das, obwohl die Europäische Arzneimittelbehörde EMA und die Weltgesundheitsorganisation WHO bis jetzt die Verabreichung des Impfstoffes empfehlen. Auch Regierungen weltweit setzen weiterhin auf AstraZeneca, so auch Kanada und Großbritannien.

Schaut man sich die tatsächlichen Fakten an, dann machen wir aktuell einen großen Fehler. Bei über 5 Millionen Impfungen kam es gerade einmal bei 30 zu solchen Komplikationen. Nimmt man die betroffene Altersgruppe und vergleicht diese mit ungeimpften Personen, so ist das Risiko ungefähr gleich. Genauso könnte es also auch jeden von uns treffen – mit oder ohne Impfung.

Wir müssen die Immunität in der Bevölkerung steigern (Bild: John Cameron)

Die Tragweite dieser Entscheidung wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Viele Menschen waren von Anfang an bezüglich des Präparats skeptisch, das Misstrauen gegenüber AstraZeneca dürfte weiterhin zunehmen. Und das in der Zeit, in der jede Impfung zählt. In Frankreich möchten sich nur 40 Prozent der Menschen impfen lassen, hierzulande sinken die Zahlen ebenfalls dramatisch. Die Pandemie wird das nicht aufhalten.

Eigene Meinung:

Mit der aktuellen Debatte spielen wir mit dem Feuer. Selbst, wenn sich der Impfstoff von AstraZeneca erneut als sicher herausstellen wird, so ist das Vertrauen vielerorts nun endgültig zerstört. Die Impfbereitschaft nimmt in Europa drastisch ab, nur eine Herdenimmunität kann die Pandemie beenden. Adressieren wir nicht bald die Ängste der Menschen, dann werden wir in Europa noch im Dezember im Lockdown sitzen, während anderswo das Leben wieder normal weitergeht.

Via MIT Technology Review