Diesel
Kommentare

Die einfachste und effizienteste Idee Einfahrverbote für Dieselfahrzeuge zu lösen

von Robert Basic am 9. Oktober 2018

Frankfurt und Stuttgart haben sich bereits gerichtliche innerstädtische Einfahrverbote für Dieselfahrzeuge unterhalb der Euro Norm 6 eingehandelt. Hamburg hat straßenweise Einfahrverbote erlassen. Und Berlin ist meines Wissens heute dran. Dort wird gar über Einfahrverbote hoch bis Euro Norm 6 gesprochen. Womöglich werden Dieselfahrzeuge nur mit der Euronorm 6d temp erlaubt sein. Siehe dazu den Beitrag bei ZDF (weitere Updates dazu bei der FAZ). Es stehen noch zig weitere Urteile aus. Kurzes Update zu Berlin, da das Urteil nun steht: Es wurden Fahrverbote erlassen, zunächst für vereinzelte Straßen, dann aber sollen die Zonen eventuell erweitert werden. Die Regierung hat bekanntlich für 14 Städte ein Umtausch- und Nachrüstprogramm mit der Autoindustrie zusammen arrangiert. Unabhängig davon, was es nun bringt. Das sei jetzt außen vor.

Die simple Idee

Ich hatte mich bereits einige Male über die Hektik ausgelassen. Nicht nur, weil wir in Frankfurt an der 40er Mikrogramm Jahresgrenze für Stickoxid hauchdünn entlangkratzen. Aber es gäbe ein extrem simples Mittel, damit alle Dieselaner egal welcher Norm in Städten fahren können.

Die Personenbesetzungsquote beträgt in Deutschland im Schnitt 1,2 Personen. Sprich: auf 100 Einzelfahrten kommen 120 Personen, die in den 100 Pkws sitzen. Das ist hoch ineffizient. Und dadurch wird es klarer:

  • Jeder Pkw mit einer Besetzungsquote von mindesten 2 Personen darf grundsätzlich innerstädtisch einfahren.
  • In hochbelasteten Straßen dürfen nur Pkws mit mindestens 3 Personen einfahren.
  • Anstelle von zwei oder drei Fahrzeugen werden die Stickoxidbelastungen grob rechnerisch um 50% bis 75% reduziert.

Thats it. Kein Larifari. Das ist irre schnell umsetzbar. Abholpunkte sind nachbarschaftlich super einfach im Berufsverkehr zu lösen. Ebenso die Absetzpunkte in der Stadt. Von der Polizei mit – ich bin kein Jurist – justiziabler Rückendeckung tolerierbar. Wir hätten damit zudem – nebst der effizienten NOx-Senkung je Fahrzeug pro Kopf und summarisch gerechnet – ein deutlich verringertes Verkehrsaufkommen mit weniger Stop & Go – Verkehr. Je geringer der Stauverkehr umso fließender der Verkehr und umso geringer rein verbrennungstechnisch die Extrembelastungen beim NOx-Ausstoß (gleichmäßiges Fahren versus ungleichmäßiges Belasten der Verbrennungsmaschine).

Um das zu verdeutlichen: Nehmen wir an, es pendeln 10.000 Fahrzeuge in eine Stadt hinein. Das macht eine Kolonne von rund 45.000 Metern an Fahrzeugen. Würde die Besetzungsquote auf 2 oder 3 Personen ansteigen, kommen wir auf auf 3.333 bis 5.000 Fahrzeuge anstelle von 10.000 Pkw. Was die räumliche Kolonne auf 15.000 – 22.500 Meter Länge drastisch verkürzt.

Ergo?

  • Weniger NOx-Ausstoß für die gefahrene Pendlerstrecke (auch für jegliche andere Art von Streckenanlass).
  • Weniger Standzeiten, ergo erneut ein geringerer Ausstoß in x Zeiteinheiten.
  • Deutlich verringertes Verkehrsaufkommen.
  • Geringere Suchzeiten für Parkmöglichkeiten, die gewaltig sein können.
  • Staatlich ließe sich die Mitnahmequote steuerlich mit doppelter Anrechnung der Pendlerpauschale fördern.

Ist die Idee so brandneu? Ne, natürlich nicht. Wer sich mal bei LA oder San Francisco bewegt hat, wird die Pendlerspuren auf Autobahnen kennen. Dort sind nur Fahrzeuge mit mehr als einer Person zugelassen.

Obacht, die Mehrheit der Wege wird im Bereich Freizeit zurückgelegt, auch für das Einkaufen und für sonstige Erledigungen:

MiD 2017
Quelle: MiD 2017

Wer die Idee erweitern möchte: In Anlehnung an Punktesysteme wie Miles & More ließe sich das mit Anlauf und effizientem Vorgehen in ein bundesweites Drive & More System überführen. Fahrer und Mitfahrer führen ein Punktekonto. Das über kommunale, handelstechnische und bundesweite Anreizsysteme zur Nutzung angeregt wird. Wir Menschen sind jedoch kreativ und pfiffig genug, um uns auch ohne Uber-Mytaxi-Apps zusammenzufinden, was Mitnahme und Abholpunkte angeht. Aber selbst diese Logistik ließe sich mit einem geförderten Wettbewerb für privatwirtschaftliche Mitnahme-Apps lösen, wenn es schon technisch werden soll. Wir müssen nicht alles dem Staat überlassen. Der kann die Rahmenbedingungen für die besten Lösungen schaffen, ohne sie selbst zu bauen, sonst droht uns überall eine Art Berliner Flughafenfiasko.

Und? Bullshit oder hat die Idee was?