Behind the Tech
Die Hunde von Amazon

Ruft ihr auf Amazon.com eine nicht vorhandene Seite auf, erscheint ein Hunde-Bild. Hinter diesen Bildern steckt eine Geschichte und die erzählen wir euch hier.
von Carsten Drees am 24. September 2018

Rufus ist ein wichtiger Teil von Amazons Firmen-Geschichte. Er lebt leider mittlerweile nicht mehr, aber Bilder von ihm findet man an verschiedenen Stellen auf dem Amazon-Campus in Seattle und selbst ein Gebäude wurde nach ihm benannt. Rufus war aber kein gewöhnlicher Mitarbeiter — Rufus war ein Hund, genauer gesagt ein Welsh Corgi.

Aber der Reihe nach: Vor wenigen Tagen verfolgte ich gespannt den Hardware-Launch von einem ganzen Berg Echo- bzw. Alexa-Devices. In der Pressemitteilung des Unternehmens war zwar ein Link zu einer Produktseite vorhanden, allerdings war die Seite noch nicht scharf geschaltet. Da fiel mir das erste mal ganz bewusst die 404-Fehlerseite von Amazon.com auf. Während es bei der deutschen Amazon-Seite ein schnödes Seite-nicht-gefunden-Statement gibt, erscheint auf der US-Seite ein Foto von einem Hund.

Da ich hoffte, dass die Seite noch live geht, bevor ich meinen Artikel fertiggestellt habe, aktualisierte ich besagte Produktseite noch mehrmals. Und da fiel es mir dann auf: Jedes mal beim Aktualisieren bekam ich ein anderes Bild von einem Hund zu sehen. Ehrlich gesagt fand ich das schon ziemlich eine nette Idee für eine solche Fehlerseite, mir jedes mal einen anderen Vierbeiner anzuzeigen.

Mich interessierte jetzt aber, was es damit auf sich hatte und glücklicherweise bat die 404-Seite nicht nur jeweils ein Hunde-Foto, sondern auch einen Link zur Story der “Dogs of Amazon”. Dort könnt ihr nachlesen, dass auf dem Campus des Unternehmens, der derzeit über 30.000 Mitarbeiter beherbergt, auch über 6.000 (!) Hunde zu finden sind.

Jeder Mitarbeiter darf also seinen Hund mit zur Arbeit bringen — eine Tradition, die vor vielen Jahren mit Rufus begonnen hat: Susan und Eric Benson gehörten zu den ersten Angestellten des Unternehmens und das Ehepaar war sehr erfreut darüber, dass sie ihren Welsh Corgi mit zur Arbeit bringen durften.

Aber er war dort nicht nur geduldet, sondern stieg dort schnell erst zum Maskottchen und dann sogar zu einem der wichtigsten Mitarbeiter auf. Wichtig? Ja, tatsächlich — nämlich wann immer eine neue Seite erstmals live ging, war es seine Pfote, die den entscheidenden Druck auf die Enter-Taste ausführte. Okay, sie haben ihn natürlich hochgehoben und seine Tatze auf die Taste gedrückt, aber theoretisch hat Rufus einige der wichtigsten Amazon-Seiten dieser frühen Tage gelauncht ;-)

Ein kleiner Schritt für einen Vierbeiner, ein großer Schritt für die Arbeitsplatzkultur

Darf ich vorstellen: Baker in “seinem” Büro (Foto: Amazon)

Zunächst einmal ist es ein sehr feiner Zug von Amazon, dass die Herrchen und Frauchen selbstverständlich ihre Hunde mit zur Arbeit bringen dürfen. Aber es ist deutlich mehr und auch nicht komplett ohne Eigennutz. Es gibt genügend Studien darüber, dass sich Haustiere am Arbeitsplatz positiv auf Stimmung, Moral und Produktivität auswirken.

Rufus blieb auch nicht lange der einzige Hund bei Amazon und so musste man sich im Unternehmen natürlich was überlegen, um den Vierbeinern ihren Tag auf dem Campus so angenehm wie möglich zu gestalten. Das geht schon damit los, dass es auf dem gesamten Areal keine Rezeption gibt, in der es nicht Leckerlis für die Hunde gibt. Noch bevor das Herrchen oder das Frauchen also den Arbeitsplatz erreicht, werden die Tiere bereits bestens versorgt.

Auf dem Gelände gibt es überall spezielle Bereiche, in denen Hunden geholfen werden kann, überall finden sich Hundekotbeutel und es gibt sogar hundefreundliche Wasserfontänen. In einem Gebäude gibt es im 17. Stock eine spezielle Hunde-Etage: Dort können sich Hunde austoben und es gibt dort sogar einen Fake-Hydranten.

Auch draußen können die Hunde in bestimmten Arealen herumtollen. Dazu gibt es eigens einen Park, an dem die Fellnasen sogar ohne Leine herumflitzen können. Ein zweiter Park auf dem Gelände ist öffentlich, so dass also nicht nur die Hunde der Angestellten auf ihre Kosten kommen, sondern auch Hundebesitzer, die zufällig in der Nähe wohnen.

Es gibt sogar eigens Veranstaltungen, an denen die Angestellten mit ihren Hunden zusammenkommen können. Ein Beispiel dafür ist das “Barktoberfest”, welches im Rahmen der Halloween-Feierlichkeiten des Unternehmens zelebriert wird. Unabhängig davon ist Amazon auch stolz darauf, dass sich durch die Hunde viele enge Freundschaften unter den Angestellten entwickelt haben.

Eigens für all diese Hunde hat Amazon sogar einen eigenen Manager-Posten geschaffen — den hat Lara Hirschfield inne als “Woof Pack Manager”. Logisch, dass auch sie natürlich ihren Vierbeiner mit zur Arbeit bringt:

Die Liebe zu den Hunden endet auch nicht bei den eigenen Tieren der Angestellten. So trommelte man letztes Jahr zum Beispiel 90 Leute zusammen, die unentgeltlich die Einrichtung für Hunde namens Ohana Animal Rescue renovierten.

Wir reden ja öfter auch sehr kritisch über Amazon, weil die Bedingungen in den Warenverteilzentren oftmals eben nicht so bemerkenswert sind, Amazon wenig zahlt und die Arbeitsplätze mitunter sogar richtig gefährlich sind. Da finde ich, dass es nur fair ist, wenn wir auch einmal diese andere, freundliche Seite des Unternehmens beleuchten.

Mir geht es — wie ihr ja vielleicht wisst — oft ziemlich auf den Senkel, wie viele negative News alltäglich auf uns einprasseln und mich langweilt zudem der immer gleiche Tech-Spezifikations-Porn in Tech-Beiträgen. Daher werde ich mal versuchen, sowas wie eine lose Reihe zu etablieren, in denen wir all das Negative mal für fünf Minuten ausblenden und Geschichten erzählen, in denen es zwar um Tech oder Tech-Unternehmen geht, aber die mal eine ganz andere Seite zutage fördern. Ich wette, dass man viele tolle Stories schreiben kann, in denen es einen besonders menschlichen Spin gibt — oder wie in diesem Fall einen besonders tierischen ;-) Lasst mich wissen, was ihr von der Idee haltet. Ich bin jedenfalls absolut angetan von der Amazon-Nummer mit den “Dogs of Amazon”, die so viel mehr ist als nur eine originelle Fehlerseite auf Amazon.com.

PS: Auf den deutschen Seiten funktioniert das mit den Hunden leider nicht. Lediglich auf der Hilfe-Seite gibt es bei einem Fehler einen der Amazon-Hunde zu sehen:

Quelle: Amazon