Airbnb Tablet App

Die neuen Airbnb Tablet Apps: Warum es bei Airbnb kein “Mobile First” gibt

Airbnb hat erstmals native Apps für iOS und Android Tablets entwickelt. Diese sind ab heute im Google Play Store und bei iTunes verfügbar. Den Hut hatte dabei Alex Schleifer auf, seines Zeichens Head of Design bei Airbnb. Wir haben im deutschen Exklusivinterview mit Alex gesprochen und ihn zu den neuen Apps und der Mobile-Strategie der Jungs aus Kalifornien befragt.

Für mich war es besonders interessant, mit einem Unternehmen wie Airbnb über die Nutzung und Entwicklung von Apps zu sprechen. Der Großteil einer Airbnb Erfahrung findet schließlich nicht auf der Plattform statt. Wie man Vertrauen und Sicherheit aufbaut und was das Design damit zu tun hat, das hat Alex mir in unserem 40-minütigen Telefonat erklärt.

Kleiner Disclaimer: Ich glaube ich mag so ziemlich jeden bei Airbnb. Das fängt bei Julian und Paula vom deutschen PR Team an und auch Alex bildet da keine Ausnahme, im Gegenteil. Der halb-Österreicher, halb-Franzose bringt einen europäischen Blick mit nach Kalifornien und so konnten wir uns vor dem Interview auch ein paar Sätze auf deutsch unterhalten.

Interview mit Alex Schleifer, Head of Design bei Airbnb

Alex Schleifer, Head of Design bei Airbnb
Alex Schleifer, Head of Design bei Airbnb

 

Markus Sekulla: Alex, wie lange bist du schon bei Airbnb und was hast du vorher gemacht?

Alex Schleifer: Ich bin seit ca. 6 Monaten an Bord. Vorher, zur Zeit des Marken-Relaunches, haben wir schon auf Beraterebene zusammengearbeitet. Das hat für uns alle gut gepasst und so haben wir uns für eine engere Zusammenarbeit entschieden.
Davor hatte ich ein bewegtes Geschäftsleben. Von der Gründung einer Digitalagentur als Teenager bis zum SVP, Design & Creative Director bei Say Media in San Francisco.

Wie groß ist das Airbnb Design-Team? Und wie viele Leute sind mit der Entwicklung neuer mobile Apps beschäftigt?

Das Design-Team bei Airbnb ist bereits knapp 50 Köpfe stark und wächst immer weiter. Wir wollen eine der besten Designfirmen der Welt sein und stellen ständig neue kreative Köpfe ein. Wichtig sind uns verschiedene Hintergründe und neue Sichtweisen.
An den beiden neuen Apps haben anfangs nur 4 Leute gearbeitet. Es kamen immer mehr dazu, was uns wichtigen Input gebracht hat. 15 bis 20 Leute waren es insgesamt an der Entwicklung beteiligt.

So wie ich verstanden habe stellst du in deinem Designansatz stets den User ins Zentrum. Welche Anforderungen hat dieser an eine Tablet App?

Wir hatten letztes Jahr ein riesiges Event für 1500 Hosts, die Airbnb Open. Dort haben wir im persönlichen Gespräch einen riesigen Batzen an Informationen zur Nutzung der Web – und mobilen Version gesammelt. Das gesamte Feedback ist nun in unsere Tabletapps geflossen.

Darüber hinaus haben wir die Apps Betatestern in die Hand gegeben, die ihre Hosting- und Reiseerfahrungen in den frühen Versionen getestet haben.

Und ja, die User Experience ist für uns die absolute Richtlinie. In jedem Meeting nimmt jemand die Rolle des Hosts oder des Reisenden ein.

Wie kann eine App die Erfahrungen in der offline Welt verbessern wenn der Großteil einer Airbnb Erfahrung offline stattfindet?

Unser Userfeedback ging klar in die Richtung Visualität. Auch ein Schloss kann mit schlechten Fotos langweilig wirken. User wollen sehen, wo sie wohnen werden. Bilder einer Unterkunft sagen sehr viel über den jeweiligen Host aus, das darf man nicht vergessen.

Jedes Listing und jede Kommunikation ist unique. Wir wollen ein „Social Network for the real world“ sein. Sprich der Marktplatz und dann so unsichtbar wie möglich sein. Wenn man so will, sind wir der Beginn eines langen Händedrucks. Daher wollen wir den schnellsten und angenehmsten Weg zur Kontaktaufnahme bieten.

Nicht zu vergessen sind die User-Bewertungen. Diese müssen schnell zugänglich/sichtbar sein, natürlich auch in der App. Bewertungen geben Sicherheit und ein gutes Gefühl bei der Anreise.

Wie wichtig ist mobile für Airbnb und wie viel Prozent der Buchungen finden mobile statt?

„Wichtig“ wäre untertrieben. Ob Buchung oder Kommunikation, zwei Drittel aller Buchungen haben einen mobilen Touchpoint.

Besonderes Augenmerk legen wir auf die große internationale Verbreitung der Plattform. Als ich neulich in Südkorea war, berichtete man von sehr geringer Webnutzung. Das meiste findet dort mobil statt.

Da die Welt und die Nutzung von Airbnb sehr divers ist, wollen wir keine Plattform besonders pushen. Auch nicht mobile. Unser Ziel ist es jedem Nutzer auf seiner gewählten Plattform zu begegnen und ihm die beste Experience zu ermöglichen. Wenn man so will sind wir plattformagnostisch, nicht mobile first.

Schön, dass es auch direkt eine Airbnb-Android App gibt und nicht nur iOS. Ist das eure mobile Strategie?

Android und iOS sind für uns gleichermaßen wichtig. Daher launchen wir die Apps auch am gleichen Tag. Die Entwickler beider Plattformen sitzen bei uns in einem Raum. Ein freundschaftlicher Kampf tagein und tagaus. Die neuen Apps unterscheiden sich lediglich in den Details.

Wir investieren enorm in beide Systeme. Wir werden auch in Zukunft Apps und Entwicklungen im Gleichschritt machen. Same Day Launches sollen die Regel sein.

Man hat sich vom Design an einem Magazin orientiert. Was ist besonders an den Apps und was sind die Key Features im Vergleich zur normalen Webnutzung?

Im Fokus stand hier, das Vertrauen der Suchenden in den Host aufzubauen. Geht man von den uns als Plattform zur Verfügung stehenden Mitteln aus, so haben wir die App vor allem sehr visuell gestaltet. Im Vergleich zu den Smartphone Apps wurde die Bilderansicht in den Maps signifikant verbessert. Das Suchen einer Unterkunft soll dem Aufschlagen eines Magazins gleichen. Dabei ist jedes Foto sofort vergrößerbar und erscheint dabei in bestmöglicher Qualität. Dabei durften wir natürlich den Blick auf das Datenvolumen der Nutzer nicht verlieren.

Ein weiteres zentrales Ziel war die schnellste und einfachste Form der Buchung zu ermöglichen. Zum Beispiel mit Apple Pay in weniger als einer Minute.

Airbnb Suche auf dem Tablet im Magazin-Stil

Wird es Airbnb für Windowsphone oder die Apple Watch geben?

Wir beobachten den Markt ganz genau. Dabei ist es wichtig, dass wir eine App nicht kreieren nur um eine zu haben. Wichtig ist, auf jedem Browser responsive zu sein und so von so gut wie jedem Device nutzbar zu sein.

Wie sieht die Zukunft von Airbnb aus?

Wichtig ist auf allen Plattformen, dass Host und Reisende ein gutes Gefühl haben. Der Host muss sich auf uns verlassen können und der Reisende Lust auf seine Unterkunft haben. Wir wollen als einfacher, ja fast unsichtbarer, Partner an Bord sein.

Dabei soll die Plattform keine Rolle spielen. Smartphone, Tablet oder Web, beide Parteien sollen eine gute Erfahrung machen. Darauf sind die beiden neuen Tablet Apps und alle zukünftigen Schritte ausgelegt.


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