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Dieselskandal: Daimler muss 24 Modelle per amtlicher Order zurückrufen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat gesprochen: Daimler muss rund 700.000 Modelle in Europa in die Werkstätten verfrachten, davon 280.000 in Deutschland.

von Robert Basic am 18. August 2018

Das Glücksreigen ist noch nicht durch. Während VW über die Kündigung von Zeugen aka Mitarbeitern nachdenkt, die vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt haben, der Audi CEO immer noch in U-Haft einsitzt und der ehemalige VW-Konzernchef per Haftbefehl in den USA „gesucht“ wird, meldet der Spiegel in einem Bericht, dass Daimler bei 24 Modellen eine unerlaubte Abschalteinrichtung ausknippsen soll. Ab wann gilt die amtliche Order? Laut deren Papieren und Rücksprache mit Schabowski (kleiner Joke) gilt das ab sofort, genauer seit Ende Juli.

Allzuviel erzählen muss ich dazu wohl nicht mehr, worum es geht. In Kurzform: Abgasreinigung + Harnstoffeinspritzung = Reduktion von Stickoxidanteilen im Abgasgemisch. Das zwar in den Dosen wovon wir alle reden eben nicht tödlich wirkt wie gerne dramatisch kolportiert wird, sondern und jedoch anfällige Menschen (Ältere und Kinder sowie Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden des Atmungssystems) laut Pneumologen betreffen kann. Dazu dienen eben Grenzwerte. Durch Abschalteinrichtungen wird das Einspritzen von Harnstoff unterbunden und damit letztlich der chemische Prozess gestoppt, der die Stickoxide beim Verbrennungsprozess umwandelt.

30.000.000.000 für Geniestreiche

Warum die Autoindustrie rund um den Globus immer wieder auf Ideen kommt, Grenzwerte auszutricken, grenzt nicht nur an Dämlichkeit, sondern ist auch dämlich. VW durfte dafür den Wert erkennen: Knapp um die 30 Milliarden Euro. Darauf beläuft sich die grob geschätzte Summe an Strafzahlungen, Wartungskosten, Rücknahmen, Umsatzeinbußen und Imageverlusten (der in Deutschland kaum abzuschätzen ist, im Ausland juckt das jedoch so gut wie keinen).

Was Daimler angeht, hatte ich vor Wochen einfach nur simpel gefragt, worum es denn eigentlich bei dem Streit zwischen dem Verkehrsminister und Daimler geht? Nach 10 Jahren kommunikativen Kontakt – solange habe ich als Blogger mit denen zu tun – kam eine extrem bescheidene Antwort: Man könne mir nichts sagen. Hö? Dabei hatte ich nur gefragt, was die Behörden technisch bemängeln. Nicht, ob Daimler nun beschissen hat. Sesamstraßenfrage => Türsteherantwort. Klar, ich bin am Ende des Tages ein Wicht, der fröhlich positive Nachrichten verteilen darf, wenn es aber schlecht läuft, wird man wie ein Depp behandelt.

Unterm Strich, da ich wirklich nicht jammern will, weil ich das schon zu lange mache, um mich ernsthaft aufzuregen: thats the business. Egal in welcher Branche. So lernt man u.a. mit der Zeit zwischen den Zeilen zu lesen. Alles das, was eine PR-Nachricht nicht enthält, ist teils interessanter als die positiven Textzeilen. Wie, keine Aussage zu den Absatzdaten in China? Ah, spannend, gleich mal näher anschauen, welche Gurken verkauft wurden. Es ist schließlich nicht die Aufgabe der PRler, meine Nase auf die guten und schlechten Nachhrichten zugleich zu stoßen. Thats my job.

Zurück zum Geschäft: Wer ist Mercedes-Fahrer? Viel Glück nun:

Welche Daimler-Modelle sind vom Rückruf betroffen?

Der Spiegel ist leider etwas schlampig gewesen (die sich per se gerne kopfüber in Stories stürzen, die sich nicht selten als heiße Luft erweisen, Stichwort Superkartell / was ich bis heute für ausgemachten Blödsinn halte). Die Sprache ist von 24 Modellen, allerdings werden in einer ollen Klick-Mich-Bildergalerie lediglich 14 Modelle genannt. Die da wären:

  • Vito 1,6 L Diesen OM622
    V-Klasse 2,2-Liter-Diesel (OM 651)
    Sprinter 2,2-Liter-Diesel (OM 651)
  • G-Klasse 3,0-Liter-Diesel (OM 642)
    GLS 3,0-Liter-Diesel (OM 642)
    ML 3,0-Liter-Diesel (OM 642)
    GLE 3,0-Liter-Diesel (OM 642)
    GLC 2,2-Liter-Diesel (OM 651)
  • S-Klasse 3,0-Liter-Diesel (OM 642)
    S-Klasse Hybrid 2,2-Liter-Diesel (OM 651)
    E-Klasse 3,0-Liter-Diesel (OM 642)
    CLS 3,0-Liter-Diesel (OM 642)
    C-Klasse Plugin-Hybrid 2,2-Liter-Diesel (OM 651)
    SLK – Motor nicht genannt

Wer sein Modell wiederfindet, herzlichen Glückwunsch. Euch erwartet ein kostenfreier Service beim Händler eures Vertrauens. WLAN ist kostenlos und per Freischein gibt es Kaffee, so zumindest war es bei meinem letzten Besuch in den heiligen Sternenhallen.

Was sagt Daimler dazu mittlerweile? Nicht 280.000, nicht 700.000, sondern es seien schon längst 3.000.000 Fahrzeuge vereinbart worden, die zurückgerufen werden sollen

Jörg Howe, Pressesprecher der Daimler AG hat sich dazu prompt auf Twitter geäußert (warum sich Spiegel und Daimler nicht erstmal gegenseitig zu Wort kommen lassen, scheint das alte Spiel „erst schießen dann fragen zu sein“).

Die verlinkte Seite ist eine wichtige Anlaufstelle für Mercedes-Fahrer. Mit weiterführenden Infos. Denn es wird drauf ankommen, um welches Baujahr es sich jeweils handelt. Das in der FAQ versprochene Online-Tool zur Abfrage des eigenen Modells ist allerdings noch nicht live geschaltet.

Was gut ist? Dass sich Daimler weniger unwillig wie VW zeigte, die Zahl der Fahrzeuge auf 3.000.000 hochzujazzen, um den Ausstoß der Stickoxide herunterzudrehen. Klingt für Fans von 0-Werten blöd. Da ich aber kein Fantast bin und das Elektrozeitalter erst am Beginn steht (mit anderen Problemen), gehe ich von einer machbaren Optimierung entlang eines Zeitstrahls aus. Insofern in diesem Falle nicht andere Nachteile beim Justieren der Motorsoftware hochkochen. Ich befürchte, es wird nur um den Preis von einem Plus an CO2-Ausstoß erkauft. Ob das besonders clever ist, muss jeder für sich selbst wissen. Plus an lokaler Gesundheit vs Minus im langfristigen Klimawandel.