EM-Sense
Disney Research: Smartwatch erkennt berührte Objekte

Wissenschaftler von Disney Research sowie der Carnegie Mellon University entwickeln an einem günstigen Chip, der Objekte durch unsere Berührung identifiziert, diese auf einer Smartwatch anzeigt und passende Aktionen auslöst. EM-Sense heißt die Technologie, bei der elektromagnetische Signale erkannt werden.
von Carsten Drees am 11. November 2015

Dass ein Unternehmen wie Disney, welches weltweit mehrere Themenparks erfolgreich betreibt, eine eigene Research-Abteilung besitzt, in der nach neuen Technologien geforscht wird, dürfte niemanden wirklich überraschen. Dass dort aber auch Technologien erarbeitet werden, die den Bereich der mobilen Geräte – in diesem Fall Wearables – betreffen, war zumindest mir bis eben nicht bekannt.

Genau das ist aber in den Disney-Labors derzeit der Fall: Zusammen mit Wissenschaftlern der Carnegie Mellon University arbeitet man bei Disney Research an der sogenannten EM-Sense-Technologie. EM steht dabei für Elektromagnet, denn es sind elektromagnetische Signale, die bei dieser Technik die Hauptrolle spielen.

Wie funktioniert EM-Sense?

Sehr viele Gegenstände senden elektromagnetische Impulse aus, die bei Berührung auch unseren Körper durchfließen. Ein günstiger Chip – die Rede ist von einem lediglich 10 Dollar teuren Bauteil – wurde nun in dem Prototyp einer Smartwatch verbaut. Unser Körper fungiert dabei quasi als Antenne und überträgt den elektromagnetischen Impuls an den Chip in der Uhr. Da bestimmte Gegenstände immer die gleichen elektromagnetischen Signale senden, können sie erkannt und klassifiziert werden. Berührt der Träger der Smartwatch eine Türklinke, ein Werkzeug oder den Lenker seines Motorrads, werden diese Dinge erkannt und können – ähnlich wie bei einem NFC-Chip – eine bestimmte Aktion auslösen. Wird beispielsweise eine elektrische Zahnbürste berührt, erkennt die Uhr dank EM-Sense das Gerät, geht davon aus, dass sich der Träger der Uhr nun die Zähne putzen will und startet daher auf dem Smartwatch-Display automatisch einen Countdown, der die Zeit fürs Zähneputzen runterzählt.

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Weitere Möglichkeiten dieser Technologie: Ihr berührt die Türklinke eures Büros und es werden euch ankommende Mails, Nachrichten oder Aufgaben angezeigt. Dabei wird auch die Zeit berücksichtigt: Fasst ihr den Türgriff nachmittags wieder an, um das Büro zu verlassen, wird euch zum Beispiel der Reminder vorgelesen, der euch daran erinnern soll, auf dem Heimweg Milch einzukaufen. Selbst Gegenstände wie Leitern können – beispielsweise durch Stromleitungen in der Nähe – diese elektromagnetischen Impulse senden und somit auch erkannt werden, zudem könnten sogar verschiedene Smartphones voneinander unterschieden werden. Auf dieser Grafik seht ihr, welche Gegenstände bereits durch EM-Sense erkannt und unterschieden werden können:

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Egal, ob dank EM-Sense euer Rechner entsperrt wird, oder ihr Verkehrsinformationen angezeigt bekommt sobald ihr auf eurem Motorrad sitzt: Es gibt schier unendlich viele Möglichkeiten, wie uns diese Technologie im Alltag weiterhelfen kann. Jessica Hodgins von Disney Research erklärt dazu:

By extending the Internet to physical objects — what’s being called the Internet of Things (IoT) — we are creating new ways for people to interact with the world around them. EM-Sense can make the IoT experience even richer by enabling people to get information or additional functionality simply by touching everyday objects.  Jessica Hodgins, Vice President Disney Research

Egal, ob durch NFC-Tags, durch andere in den Geräten verbaute Sensoren oder auch die Kombination mit IFTTT-Rezepten, um bestimmte Aktionen anzustoßen: Heutige smarte Devices haben bereits eine Menge auf der Pfanne, was uns diese Technologien daher auch gerne nutzen lässt. Mit EM-Sense geht man aber nochmal einen Schritt weiter und erweitert die smarten Möglichkeiten, die uns eine Smartwatch bieten kann. Folgendes Video erklärt euch die Technik und bringt auch einige Beispiele, wie EM-Sense eingesetzt werden kann.

Was uns sowohl Disney Research als auch die Wissenschaftler der Carnegie Mellon University uns leider noch nicht verraten: Welche konkreten Pläne verfolgt man mit EM-Sense. Ich könnte mir ein Gadget vorstellen, welches Besucher der Themenparks bei ihrer Anwesenheit tragen können, aber ich gehe noch eher davon aus, dass diese Technologie nicht nur für einen so eingeschränkten Nutzerkreis verfügbar gemacht wird.

Stattdessen könnte ein solches Bauteil künftig für wirklich wenig Geld Einzug in so ziemlich jedes smarte Device halten, wobei die Smartwatch prädestiniert ist für den Einsatz von EM-Sense, weil ständig Kontakt zur Haut des Trägers besteht – Voraussetzung, damit eine Elektrode das Signal übertragen kann. Richtet euch also schon mal darauf ein, dass smarte Uhren unsere Welt künftig noch ein bisschen smarter machen.

Ich bin wieder einmal schwer angetan davon, welche Türen uns durch neue Technologien geöffnet werden und dass Use Cases gefunden werden, die man zuvor nicht mal ansatzweise auf dem Tacho hatte. Dass dabei auch Disney eine Rolle spielt, macht die Story für meinen Geschmack dann komplett rund und ich bin jetzt mehr denn je gespannt darauf, was kommende Generationen von Smartwatches auf dem Kasten haben werden.

Quelle: Carnegie Mellon University, Gierad.com und Disney Research via Pocketnow.com