Vergleich DJI Mavic Pro & GoPro Karma – Welche Drohne ist die bessere?

GoPro fordert mit der faltbaren Karma Drohne den etablierten Drohnenhersteller DJI heraus. DJI kontert mit der Mavic Pro, die zumindest auf dem Papier hervorragende Leistungsdaten in einer unglaublich kompakten Bauform aufweist. Wir klären, welche Drohne die bessere für euch ist.
von Mark Kreuzer am 7. Oktober 2016

In der Drohnenindustrie geht es momentan Schlag auf Schlag: GoPro hat mit der Karma-Drohne (in Kombination mit der Hero5) ein neues Modell vorgestellt und nur eine Woche später zieht DJI mit der Mavic Pro nach – zwei Drohnen, die auf den ersten Blick einiges gemeinsam haben.

Wir beleuchten, was die jeweiligen Plattformen miteinander verbindet und voneinander unterscheidet. Am Ende wollen wir die Frage beantwortet haben, ob die DJI Mavic Pro oder die GoPro Karma besser ist.

Wir starten mit einer knappen Vergleichstabelle, gehen die einzelnen Punkte dann ausführlich durch und geben ein abschließendes Fazit.

Spoiler: Auch wenn die Mavic Pro auf dem Papier erstmal klar gewinnt, ist sie nicht für jeden die perfekte Wahl.

GoPro KarmaDJI Mavic Pro
Größe zusammengefaltet HxBxL90x224x365 mm83x83x198 mm
Gewicht1006g743g
Flugzeitbis 20minbis 27min
Höchstgeschwindigkeit15 m/s18 m/s
Reichweitebis 3kmbis 7km
Kamera4k (Hero4, Hero 5, etc..)4k
ControllerKarma Controller mit TouchscreenSmartphone oder separater Controller
Rucksackim Lieferumfangseparates Zubehör
Return-To-HomeJaJa (bis auf Zentimeter genau)
HinderniserkennungNeinJa (Bis 36km/h und 15m Reichweite)

DJI Mavic Pro vs GoPro Karma Design

Beide Drohnen sehen erstmal schick aus und da Design Geschmackssache ist, wollen wir da nicht direkt der einen oder anderen den Punkt geben. Eine sehr auffällige Gemeinsamkeit gibt es aber: Beide Drohnen besitzen klappbare Arme und versprechen somit, kompakter und transportabler zu sein als das, was bis heute auf dem Markt erhältlich ist.

Die vier Arme der GoPro Karma können nach vorne eingeklappt werden, was es euch ermöglicht, die Karma in den mit im Lieferumfang enthaltenen Rucksack zu verstauen. Besonders gut gefällt mir hierbei, dass die Karma mit Rotoren montiert verstaut werden kann.

Die DJI Mavic Pro setzt in puncto Kompaktheit aber noch einen drauf. Der Faltmechanismus der Mavic Pro ist komplexer und wird im Internet bereits ordentlich abgefeiert. Die Arme werden hier gegenläufig eingeklappt und liegen dann eng am Body der Drohne an. Anschließend können sogar noch die Rotoren eingeklappt werden. Im zusammengeklappten Zustand nimmt die Mavic Pro dann in etwa so viel Platz wie eine Trinkflasche ein. Hier setzt DJI neue Maßstäbe und greift auch auf Techniken zurück, die bis jetzt nur großen, professionellen Drohnen vorbehalten waren.

Die Mavic Pro wiegt 734g und ist im zusammengefalteten Modus nur 83 x 83 x 198 mm groß. Die GoPro Karma bringt es auf 1kg und nimmt zusammengefaltet 117 x 224 x 365 mm ein.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass beide Drohnen ihre Kamera samt Gimbal in der Nase unterbringen, wobei die Kamera bei der Karma deutlich weiter heraussteht. Dies könnte von Vorteil sein, weil man so bei schnellen Manövern nicht die Rotoren ins Bild bekommt.

DJI Mavic Promo-Bild

Mavic Pro vs Karma Technische Daten

Das Größe alleine nicht alles ist, bestätigt sich auch beim Vergleich der technischen Daten. Einer der wichtigsten Punkte bei Drohnen ist die Flugzeit. Die Karma kommt auf 21 Minuten, was im Rahmen der heute üblichen Werte liegt. Die Mavic Pro hingegen kommt, aufgrund ihres geringeren Gewichtes, aber auf einen Wert von sehr guten 27 Minuten. Grundsätzlich gilt bei Drohnen, dass, wie auch beim Durchschnittsverbrauch von Autos, die Hersteller die Flugzeit unter optimal Bedienungen messen und sie in der Realität dann doch oftmals deutlich kürzer ausfallen. Unabhängig davon wie die genaue Flugzeit am Ende jeweils ausfällt, könnt ihr davon ausgehen, dass ihr mit der Mavic Pro deutlich länger in der Luft bleiben könnt als mit der Karma.

Aber ihr könnt mit der Mavic Pro nicht nur länger in der Luft bleiben, sondern auch weiter fliegen. Der neue OcuSync-Standard von DJI verspricht euch eine Reichweite von bis zu sieben Kilometer, während die GoPro Karma gerade mal einen Kilometer weit kommt. Für die von euch, die in Deutschland fliegen wollen, sei hier noch der kleine Hinweis gestattet, dass ihr hier euren Multicopter immer im Blick haben müsst und zwar ohne technische Hilfsmittel wie zum Beispiel ein Fernglas. Auch in puncto maximale Höhe und Höchstgeschwindigkeit ist die Mavic Pro der GoPro Karma überlegen. Wobei meines Erachtens diese Werte nur wirklich Aussagekraft haben, wenn ihr ein Drohnen-Quartett spielt.

Die wirklichen technischen Vorteile der Mavic Pro der Karma äußern sich in den Sensoren und Assistenzsystemen. Die Mavic Pro besitzt nach vorne und nach unten Sensoren, die eine Hinderniserkennung ermöglichen. Dank neuer und besserer Prozessoren kann die Mavic Pro jetzt auch bei einer Geschwindigkeit von 36 km/h Hindernisse in bis zu 15 Metern Entfernung erkennen und rechtzeitig abbremsen. Damit hat Sie deutlich bessere Werte als die größere Phantom 4 Drohne.

Mavic Pro vs Karma Kameravergleich

Ein nicht ganz unwichtiger Punkt ist natürlich die Qualität der verbauten Kamera, denn schließlich will man ja nicht selten Aufnahmen während der Flüge machen.

DJI Mavic Pro Kamera und Gimbal

Die Mavic Pro hat eine fest verbaute Kamera, die 4K-Videos mit 30 fps und 1080p-Videos mit bis zu 96 fps machen kann. Fotos können mit 12 Megapixel und Adobe DNG RAW-Unterstützung aufgenommen werden. Nach allem was ich bis jetzt so von der Mavic gesehen habe, sind dies sehr ordentliche Werte, die fast auf dem Niveau der größeren und teureren Phantom 4 mitspielen.

Bei GoPro ist man bezüglich der Kamera einen etwas anderen Weg gegangen: GoPro ist vor allem durch seine Kameras der Hero-Reihe bekannt geworden, welche die de facto Referenzkamera für Action-Aufnahmen darstellt. Zusammen mit der Karma-Drohne hat GoPro auch die neue Hero5 vorgestellt, welche an die Drohne montiert werden kann. Auf dem Papier sind die Werte mit 4K bei 30 fps und 1080p bei 120 fps mit der Mavic vergleichbar. Ich persönlich würde sagen, wir müssen abwarten, bis beide Drohnen im Handel erhältlich sind, bevor wir bei der Kameraqualität einen Sieger benennen können. Mein Geld würde ich aber auf die GoPro setzen, bin also auf den ersten wirklichen Vergleich sehr gespannt.

GoPro Hero 5 Gimbal und Grip

Der Clou bei der Lösung von GoPro: Ihr könnt den Gimbal aus der Karma mit einem Handgriff lösen und in den mit im Lieferumfang enthaltenen Camera Grip einsetzen. Damit habt einen Handheld-Stabilisator und könnt auch zu Fuß Aufnahmen mit Bildstabilisierung machen. Dies erweitert die Einsatzmöglichkeiten der GoPro Lösung deutlich gegenüber der Mavic.

Natürlich könnt ihr die Hero5 auch einfach so benutzen, um Aufnahmen zu machen und dabei auf das umfangreiche Zubehör für die GoPro Heros zugreifen, wo es Befestigungen für nahezu alles gibt. Sehr schön außerdem: Die Hero5 ist jetzt ohne Extra-Gehäuse bis zu 10 m wasserdicht und hat einen integrierten Touchscreen auf der Rückseite.

GoPro Hero5 unter Wasser
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Mavic Pro vs Karma Controller

DJI bietet unglaublich viele Möglichkeiten an, die Mavic-Drohne zu steuern. Ihr könnt sie zum Beispiel nur mit eurem Smartphone via WLAN steuern. Als Zugabe bietet die DJI-Software die Möglichkeit, Personen und Fahrzeuge aktiv zu verfolgen. Fotos und Video-Aufnahmen könnt ihr auch ganz ohne Smartphone durch eine Geste auslösen.

DJI Mavic Pro Controller

Für anspruchsvolleres Fliegen bietet DJI einen extra Flug-Controller an, der sehr stark an den Controller einer Spielkonsole erinnert. Der Clou hier: Ihr könnt euer Smartphone direkt in den ausklappbaren Armen des Controllers fixieren. Auch wunderbar durchdacht ist, dass euch der Flug-Controller auf einem integrierten Display die wichtigsten Flugdaten anzeigt.

gopro-karma-controller

Der Controller der GoPro-Karma hingegen erinnert eher an ein Nintendo 3DS und wirkt dabei noch ein wenig pummelig. Er hat einen integrierten Touchbildschirm, auf dem Ihr euer Kamerabild seht und über welchen ihr auch die Einstellungen der Karma durchführen könnt. Auf der Photokina konnte ich den Karma-Controller bereits in der Hand halten, die Menüs und Einstellungen präsentierten sich klar und einfach. Was mir nicht so gut gefallen hat, sind die im Gehäuse versenkten Flightsticks, die im Vergleich zu den Sticks von den meisten anderen Flug-Controllern ein klein wenig umständlich zu fassen waren.

Hier bleibt abzuwarten, wie sich das Ganze in der Praxis schlägt. Als jemand, der selber viel Multicopter in seiner Freizeit fliegt, kann ich der Lösung eines Controllers mit eigenem Display durchaus etwas abgewinnen, weil man dadurch ein Stück weniger Equipment benötigt. Ich schleppe beim Fliegen immer noch ein iPad mini mit mir rum, weil ich mein Smartphone nicht nutzen möchte. Dies entfällt bei der Karma.

DJI Mavic Pro mit DJI Googles

Eine Besonderheit von DJI möchte ich hier noch erwähnen: Für die Mavic Pro gibt es die DJI Goggles, welche euch ermöglichen, die Drohne in 1st Person-View zu fliegen. Dabei könnt ihr dann mit eurem Kopf die Flugrichtung der Drohne und die Neigung der Kamera verändern. Hier ebenfalls noch der kleine Hinweis, dass dies in Deutschland nur erlaubt ist, wenn ihr eine zweite Person neben euch stehen habt, die die Drohne im Blick hat und zur Not in die Steuerung eingreifen kann.

Mavic Pro vs Karma Preis und Verfügbarkeit 

DJ Mavic Pro Lieferumfang

Die DJI Mavic Pro ist für 1199 € mit Controller bestellbar und wird ab dem 15. Oktober ausgeliefert. Es gibt auch eine günstigere Version ohne Controller, aber ganz ehrlich: Ihr werdet den Controller brauchen. Für die Mavic Pro gibt es außerdem die sogenannte „Fly More Combo“ für 1499 €. Das Set beinhaltet einen Mavic Pro, zwei zusätzliche Intelligent Flight Batteries, extra Propeller, eine Akkuladestation, ein Autoladegerät und eine Umhängetasche. Zusätzliche Batterien kosten 99 Euro.

Karma Case für die GoPro Drohne
Bei Preis und Lieferumfang kann die GoPro Karma ordentlich punkten: Für 1199 € bekommt ihr hier nicht nur die Karma-Drohne und den Controller, sondern auch noch die Hero 5 mit dem Karma Grip und einen passenden Rucksack, in dem ihr das alles unterbringen könnt. Extra-Batterien für die Karma kosten 110 €.

Mavic Pro vs Karma Fazit 

Als DJI die Mavic vorgestellt hat, gab es im Internet schnell Spott und Häme nach dem Motto: Die GoPro Karma könne jetzt einpacken. Hier sollte man mit einem tatsächlichen Fazit doch besser solange abwarten, bis man beide Drohnen tatsächlich geflogen ist.

Beide Drohnen wirken zwar auf den ersten Blick sehr ähnlich, richten sich aber meines Erachtens an unterschiedliche Kunden.

Auf dem Papier ist die DJI Mavic der klare Sieger. Sie bietet nicht nur die besseren Flugeigenschaften, sondern auch deutlich mehr intelligente Flugmodi und Sicherheitsfunktionen. Hinzu kommt diese unglaubliche Kompaktheit. Außerdem hat DJI bereits einiges an Erfahrung und sowohl die Software wie auch die Hardware kann als ausgereift betrachtet werden. Es ist kinderleicht, eine DJI-Drohne zu steuern und damit unglaubliche Aufnahmen hinzubekommen. Auch glaube ich, dass die kompakte Größe der DJI dazu führt, dass Reisende in Zukunft lieber statt einer Spiegelreflexkamera die Mavic einpacken und normale Bilder mit ihrem Smartphone machen. Die DJI Mavic hat somit eine komplett neue Drohnen-Kategorie geschaffen.

Die GoPro Karma hingegen orientiert sich eher an der Phantom-Reihe. Natürlich will man bei GoPro durch die Klappbarkeit eine größere Portabilität schaffen, was meines Erachtens nach auch gelingt. Aber nicht die Portabilität ist das Highlight der Karma, sondern ihre Vielseitigkeit. Ihr bekommt für euer Geld nicht nur eine Drohne, sondern auch eine Action-Cam und einen passenden Hand-Stabilisator. Ich vermute sehr stark, dass die Karma auch eine Menge Fans finden wird.

Zu diesem Zeitpunkt wüsste ich noch nicht, welche der beiden Drohnen ich mir kaufen würde. Ich denke Klarheit schafft da erst ein Probeflug. Beide Drohnen sind bereits als Testgeräte angefragt und sobald ich beide geflogen habe, werde ich den Artikel updaten und einen Gewinner küren.

Tut ihr euch auch schwer oder steht euer Favorit bereits fest?