Dumbwear & Dumbphones oder warum ich SmartXY für den falschen Begriff halte

In den Medien werden Begriffe wie Smartwear, Smarthome oder Smartphone immer wieder genutzt. Dabei halte ich den allergrössten Teil der bislang verfügbaren Technologien noch für sehr dumm. Konzepte wie Google Now bieten zwar schon scheinbar intelligente Informationsaggregation, aber ich erwarte von smarten Devices deutlich mehr
von Uwe Hauck am 26. Januar 2015

Smart ist das nicht

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Aviate bietet verschiedene Szenarien. Vieles davon ist aber noch sehr statisch

Zum einen müssen solche Geräte sich mir anpassen, ohne dass ich aktiv eingreifen muss. Erste Ansätze zeigt hier Aviate von Yahoo, ein Launcher,der abhängig von Tageszeit und Ort verschiedene Zusammenstellungen des Launchscreens bietet. Dabei greift Aviate auch auf die Crowd zu, indem er Zusammenstellungen von Apps in Kategorien einsortiert, abhängig davon, wie die Mehrzahl der Nutzer die App einsortiert hat.

Aber auch hier ist erst ein Anfang gemacht. Für mich muss ein smartes Device selbständig Entscheidungen für mich treffen können. Ja, die Technologieverweigerer werden jetzt gleich wieder vom Abnehmen des eigenen Denkens sprechen. Aber ich nutze elektronische Helfer schon seit Apples Newton und bis heute stört mich die Dummheit der Geräte. Zarte Ansätze gibt es überall, aber keine Stringenz, kein durchgehendes Assistieren. Ich will aber von einfachen Aufgaben entlastet werden, nicht noch mehr Aufwand treiben müssen, um das Gerät an meine Bedürfnisse anzupassen.

 

Mögliche Szenarien

Mein Szenario für ein intelligentes System muss für mich selbständig Termine planen können nach meinen allgemeinen Vorgaben. Es muss mich über wichtige Nachrichten proaktiv informieren, automatisiert für mich zusammengestellt und genau dann, wenn das System weiß, dass ich auch Zeit dafür habe.

Neulich zum Beispiel konnte ich ein schönes Beispiel erleben, wie ein intelligentes System agieren könnte. Ich nutze als Routingsoftware Waze, das schwarmbasierte Navigationssystem. Es ist Sonntag und wir planen einen Familienbesuch bei den Großeltern. Ich steige ins Auto, installiere das Smartphone in der Halterung, via NFC wird erkannt, dass ich im Auto sitze. Das Smartphone startet also Waze als Navi und Waze bietet mir, da es ein Sonntag Vormittag ist automatisch an, mich zu den Großeltern zu navigieren.

Es existieren schon Systeme, die teilintelligent agieren, aber was fehlt sind selbstlernende Tools, die sich an mein Verhalten anpassen und mir unnötige Interaktionen abnehmen. Eine Heizungssteuerung, die nur anhand anwesender Smartphones erkennt, dass jemand anwesend ist, hat ein Problem, wenn jemand sein Smartphone ausschaltet.

Dynamische Interaktion

Es sind stets statische Prämissen, die in den heutigen sogenannten smarten Systemen statische Reaktionen auslösen. Erst wenn die Systeme aus der Verwendung und aus dem Verhalten der Nutzer lernen und sich aktiv und sehr viel dynamischer als heute anpassen, erst dann bin ich bereit von wirklich smarten Systemen zu sprechen. Dazu braucht es aber viel mehr Interaktion unterschiedlicher Komponenten und die Geräte der Zukunft müssen über weit mehr Sensorik verfügen als heute. Auch eine Heizungssteuerung sollte sich daran orientieren, ob eine Person anwesend ist, nicht ein Smartphone. Interaktion muss dynamisch erfolgen, wobei auch das Endgerät der Initiator sein darf.

Wenn ich meinem Fitnesstracker noch aktiv sagen muss, dass ich ins Bett gehe, damit dieser das Schlaftracking aktiviert, ist das schon zum Scheitern verdammt, da dieser Schritt mit Sicherheit häufig vergessen wird. Vielmehr wäre hier ein System sinnvoll, das anhand Uhrzeit, ggf. Lichtsensoren und Bewegungssensoren selbständig erkennt, dass ich schlafen gehe.

Fazit

Was wir heute haben ist bestenfalls ein minimaler Ausblick auf wirklich smarte Technologie. Selbst Google Glass hat mich nach dem ersten Video enttäuscht, in dem das System zum Beispiel anscheinend selbständig erkannte, dass eine UBahn, in die der Nutzer gehen wollte gesperrt ist und ihn automatisch mit Alternativen versorgte. Denn was dann auf den Markt kam, war eher ein Smartphone als Brille denn ein intelligentes assistierendes System.

Wir befinden uns auf einem spannenden Weg hin zu wirklich intelligenten Assistenten. Aber mit wirklich intelligenten Systemen rechne ich frühestens in fünf bis zehn Jahren, wenn bedingt durch die Forschung im Bereich autonomer Systeme intelligentes Verhalten sich im Massenmarkt etabliert. Ich vermute, erst wenn wir erste Roboter für den Privatgebrauch erwerben können, die mehr als nur das Reinigen des Fussbodens erledigen, werden wir auch wirklich smarte Produkte am Markt sehen.