Das E-Commerce Problem – Retouren sind teuer und umweltschädlich

Mal ehrlich, wer von uns hat in seinem Leben nicht schon etwas online bestellt, um beim Empfang der Ware festzustellen, dass sie einem doch nicht gefällt; beziehungsweise nicht passt. Das Ergebnis: eine Retoure. Diese ist aufwendig, teuer und schadet in der Masse der Umwelt. Mit Fakten und Zahlen möchte ich aufzeigen, warum eine erneute Aufbereitung zurückgesendeter Waren zu vermeiden ist.

Zur Info: Zu diesem Thema habe ich zusammen mit meinem Kollegen Andreas Plöger Mathias Thomas, Geschäftsführer der gaxsys GmbH sowie von Dr. Thomas + Partner befragt. Obwohl dieser mein Chef ist, wird im Folgenden keinerlei Beweihräucherung der beiden Unternehmen stattfinden. Wir beschäftigen uns lediglich täglich mit Logistik-Zentren und deren Herausforderungen – arbeiten demnach an vorderster Front.

E-Commerce weltweit: 1.500 Milliarden Euro Umsatz

Um was geht es? Laut ECC-Köln wurde 1995 der Grundstein für den elektronischen Handel gelegt und konnte in den darauffolgenden Jahren stetig ausgebaut werden. Wurden hierzulande zu Anfang noch 1,25 Milliarden Euro via E-Commerce umgesetzt, sind es nun satte 39 Milliarden. 2015 will man gar die 43-Milliarden-Marke knacken. Sprich, geschätzte drei Milliarden Sendungen von Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP) werden alleine in Deutschland hin und her geschickt. Weltweit sprechen wir sogar von über 1.500 Milliarden Euro Umsatz. In Paketdimensionen nur schwer vorstellbar.

Die Problematik: die Masse an Paketen. Manchmal scheint es mir, als könnten die Leute gar nicht so viel bestellen, wie sie zurückschicken möchten. Umweltverbände kritisieren schon seit geraumer Zeit die kostenlosen Retouren und fordern deren Abschaffung. Zurecht, meint der Geschäftsführer von Dr. Thomas + Partner sowie der gaxsys GmbH, Mathias Thomas: „Im Schnitt hat jedes verkaufte Produkt tausende Kilometer hinter sich, die Verkehrsnetze platzen aus allen Nähten und die CO2-Bilanz des Online-Handels ist verheerend.“ Nach einer Schätzung der Universität Bamberg sind im Jahre 2011, 247 Millionen Pakete an die Verkäufer zurückgegangen. 2014 gehen die Forscher der Universität Bamberg davon aus, dass zirka 290 Millionen Pakete als Rücksendungen stattgefunden haben. Das entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß von 300 Fahrten Frankfurt/Peking pro Tag. „Doch der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt: 40 Prozent des transportierten Inhaltes ist Luft – aufgrund unsinniger Verpackungen“, regt sich Thomas auf. Seiner Meinung nach ist es ein Unding, dass auf der einen Seite lokale Bioprodukte und erneuerbare Energien ihren Boom erleben, auf der anderen Seite jeder zweite, im Internet bestellte Artikel zurück zum Versender geschickt wird. Und dennoch investieren Unternehmen in E-Commerce, verzichten sogar zum Teil auf lokale Einkaufsmöglichkeiten.

Retouren-Wahnsinn: 1.200 Mitarbeiter für kostenfreien Service

Und neben den unsinnigen Verpackungen und der erschreckenden CO2-Bilanz gesellen sich zudem die Faktoren Verkehr und Klimagifte hinzu (PDF, ältere Studie) – eben weil Waren gleich mehrmals kreuz und quer durchs Land manövriert werden. Anhand des Beispiels von Hermes Europe, immerhin Deutschlands größter postunabhängiger Logistik-Dienstleister, wird klar, welche Aufwände für Retouren nötig sind. So arbeiten für das Unternehmen insgesamt 11.000 Mitarbeiter, davon sind alleine 1.200 Mitarbeiter ausschließlich im Retourenzentrum tätig – in drei Schichten an sechs Tagen die Woche.

Die Retoure in der Praxis

Die Praxis sieht dann folgendermaßen aus: Zunächst bestehen die Herausforderungen des Retourenmanagements in den täglich sich schwankenden Mengen und den unterschiedlichen Artikeln. Bei der sogenannten Retouren-Auflösung wird jeder einzelne Artikel erfasst, auf die weitere Verkaufsqualität geprüft und neu ins Lager einsortiert. Dort ist sogar noch viel Handarbeit und Auge gefragt. Denn einige Artikel, wie etwa elektronische Geräte (Notebooks, Smartphones, Displays oder TV-Geräte) benötigen einen enormen Mehraufwand. Spezielle Messgeräte werden eingesetzt um zügig festzustellen, ob auch wirklich alles noch tadellos funktioniert und auch äußerlich kein Schaden vorhanden ist. Und klar, Mitarbeiter prüfen, ob eventuell noch gespeicherte Fotos oder andere private Daten gelöscht werden müssen. Erst dann darf das Gerät gegebenenfalls als B-Ware wieder in den Verkauf. Bei Tausenden Artikeln am Tag, ein enorm kostspieliger beziehungsweise, für den Kunden, kostenfreier Aufwand.

Obendrauf leistet die sogenannte Wegwerfgesellschaft ihren Beitrag im Hintergrund. Denn mal ehrlich, wer lässt heutzutage noch Elektrogeräte oder ähnliches reparieren? Müll zu produzieren ist wesentlich günstiger und online bestellen war noch nie so einfach.

Wie sind denn eure Erfahrungen mit dem E-Commerce? Habt ihr beispielsweise bei einer Retoure ein schlechtes Gewissen?